Feldweg

Feldweg
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Internet!

Wahnsinn! Manchmal geschehen doch noch Wunder. Hund, Hühner und Kater haben jetzt DSL. Zwar funktioniert die LTE-Ergänzung bisher noch nicht, aber für einen ersten Blogeintrag reicht es offenbar auch so. Die Nachbarn schlafen anscheinend schon!

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Wege aus der Vermüllung

Kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie denken, dass Sie gaaaanz langsam verrückt werden? Nein? – Erdwesen muss Ihnen sagen: Dann fehlt Ihnen etwas!

Die Telekom verkauft einen DSL-Anschluss, um dann zu erkennen, dass – was auch immer – vorher noch getan werden muss, bevor eine Telefonleitung aus vermutlich Anfang der 60er (4/61) tatsächlich auch mit DSL umgehen kann. Noch niemals zuvor habe ich mit so tief betroffenen Telekom-Mitarbeitern gesprochen, während der Hausnotruf fortwährend lautstark beklagte, keine Verbindung mehr zu haben.

Die Anzahl der weggebrachten 120l-Altkleidersäcke beläuft sich mittlerweile auf 7+8+3+1, also 19! 1 liegt noch herum. Dazu kommen ca. 7 Tragetaschen mit Altkleidern. Und Restmüll? 2×240 Liter-Tonne und 4 120l Säcke, sowie 2 volle Tragetaschen mit uralten, bereits im Zerfall begriffenen Schuhen und einige Extras wie alte Büchertaschen, Körbe oder Luftmatratzen. Papier? Kaum noch stapelbar, aber zum verheizen ist es einfach zu warm. Der Sperrmüllstapel passt so gerade noch in die Garage, aber die Ninja ist regelrecht von Matratzen umstapelt. Armes Ding. Elektroschrott? Nur Kleinigkeiten. Sondermüll? Mengenmäßig unterhalb von einer halben Autoladung, bisher. Metallschrott? Keine Ahnung, ist noch Platz. Autoreifen? Auch die zerfallen irgendwann einfach von selbst.

Und wohin mit dem ganzen Krempel? Einfach in bisher 3 Umzugskisten gepackt. Sonst steht er da noch in 100 Jahren. So ist er wenigstens aus den Augen. Und es geht weiter. Immer weiter!

Ich kann das ganze einfach nicht mehr ernst nehmen. Überhaupt nicht mehr. Deshalb ist auch ganz egal, was daraus wird. Erdwesen ist Zuschauer im eigenen Film. Es ist einfach zu krass. Selbst für ein Erdwesen.

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Jean M. Auel: Tal der Pferde / Mammutjäger (1982, 85)

Das war ein Bücherschrank-Fund, der sehr, sehr lange in den Erdwesenschen Regalen schlummerte und der leider zwischendurch auch noch Opfer eine Rückräumaktion à la „Will-ich-das-wirklich-noch-lesen?“ wurde.

Jean M. Auel:
1. Band: Ayla und der Clan des Bären (1980)
2. Band: Das Tal der Pferde (1982, 592 Seiten)
3. Band: Mammutjäger (1985, 790 Seiten)

Der an sich dreibändigen Reihe wurde zum Verhängnis, dass sie erstens nicht als Reihe gekennzeichnet ist und zweitens das Layout der Bücher stark an Kinderbücher erinnert. Und da das Erdwesen abgesehen davon auch nicht besonders an Bären interessiert ist, kam der erste Band nach einem Ansehen des Covers und der Coverbeschreibung ungelesen zurück in den Bücherschrank. Zwei eiszeitliche Geschichten zum Wählen sollten schließlich reichen!

Das „Tal der Pferde“ war untertitelt mit „Ein Roman aus dem Morgenrot des Menschen“. Herrje! Was mochte das für ein Buch sein? Darauf eine Frau mit einer Art Stein-Wurfgeschoss, außerdem schlecht gezeichnet. Aber „Mammutjäger“ sah noch schlimmer aus und war dazu nochmal satte 200 Seiten dicker! – Also nahm das Erdwesen das „Tal der Pferde“ zur Hand, um kurz nachzusehen, was es damit auf sich haben könnte, bevor dieses lang im heimatlichen Regal gehegte Exemplar ebenfalls ungelesen seinen Weg zum Bücherschrank zurückfinden konnte. Sicherlich war da keine umfangreiche Feststellung zu treffen und eine Entscheidung könne binnen einer Viertelstunde fallen!

Zur Sicherheit begab sich das Erdwesen dennoch in die übliche Leseposition und verblieb dort – für Stunden!

Was für ein Buch? Was für eine Autorin? Und vor allem: Was für ein Thema?

Steinzeitmenschen? Was gibt es langweiligeres als Steinzeitmenschen, die zu dumm waren, gleich Smartphones zu entwickeln und außerdem ständig frieren mussten, weil sie Probleme hatten Feuer zu machen und echte Häuser zu bauen? Und Neanderthaler? Das ist zwar an sich ein interessanteres Thema, weil das Neandertal ja schließlich in Westfalen liegt und irgendwann in ihrer Kindheit mag das Erdwesen auch schon einmal dort gewesen sein, aber an sich waren das doch nur – hm – die direkten Nachfahren von Affen?

Tatsächlich ist gerade in den letzten Jahren sehr viel über die Frühzeit der Menschheit in Erfahrung gebracht worden und mehr und mehr wird auch in den berühmten History-Sendungen medial nach allen Regeln der Kunst aufbereitet. Man denke nur an die Produktion von Steinwerkzeug, die einige Individuen auf Erden sich wieder angeeignet haben und es ist auch sehr wahrscheinlich, dass als Europäerin, auch das Erdwesen mindestens 2% DNA direkt von ihren Neanderthaler-Vorfahren besitzt. Dazu die altertümliche Blutgruppe und es wird klar, dass im Erdwesen noch ziemlich viel „Urviech“ zu finden ist. Aber diese Romane stammten aus den 80ern. Da waren all diese Dinge noch nicht bekannt.

Jean M. Auel, eine Amerikanerin, entführt ihre Leserschaft in eine Welt mitten in der Eiszeit vor zig tausenden von Jahren. Und das tut sie mit einer Akribie, die ihres gleichen erst noch finden muss. Unfassbar, wie die Autorin aus wissenschaftlichen Berichten zur Entdeckung der Neanderthaler und von eiszeitlichen Artefakten wie Tierskeletten, Siedlungsresten und Menschenfunden eine faszinierende Geschichte von Menschen entwickelt, die sich nicht sonderlich von uns unterscheiden, außer, dass sie wissen wie wichtig eine intakte Umwelt ökologisch und gesellschaftlich für sie ist. Natürlich spielen die typischen Themen der 80er Jahre wie Gesellschaftskritik, Kriege, Naturkatastrophen und Ökologie mit hinein, aber das ist so geschickt gemacht, dass es nur in wenigen Fällen tatsächlich beim Lesen überhaupt bemerkbar ist.

Das Erdwesen begab sich deshalb auf die kritische Suche nach Indizien für diesen Sachverhalt und wurde dann auch immer wieder fündig. Nur tut dies der Geschichte keinen Abbruch. Die führt uns nur klar vor Augen, was heute auch die Wissenschaft mehr und mehr belegen kann: Dass nämlich die Urmenschen genauso waren wie wir. Nur haben sie eben bereits vor 30 oder 40000 Jahren gelebt und ihre Anzahl war äußerst gering. Tatsächlich leben heute mehr Menschen gleichzeitig auf der Erde als vermutlich zuvor in ihrer gesamten Geschichte zusammengerechnet auf ihr gelebt haben. – Wir sind heute einfach zu viele. Das ist das Hauptproblem dieses Planeten und um die Massen zu steuern sind wir ohne technische Hilfsmittel, die zugleich den Planeten auch veröden lassen, nicht mehr lebensfähig.

Im vom Erdwesen ungelesenen ersten Band geht es um Aylas Geschichte, wie sie aufgrund eines Erdbebens ihre Eltern verliert und von einem Höhlen-Löwen angegriffen wird, diesen Angriff aber überlebt, da sie von einem „Clan“ gerettet und adoptiert wird. Zwar wird der Begriff kein einziges Mal erwähnt (kein Wunder! Die Entdeckungen im Neandertal geschahen ja erst im 19. Jahrhundert), aber die Beschreibung der nicht sprechen könnenden Flachschädel, die sich mittels Gesten statt Worten äußerst beredt verständigen, werden exakt so beschrieben, wie es das Erdwesen in der Schule gelernt hat.

Eine phantastische Idee steuert die Autorin bei, denn Clan-Angehörige werden bereits mit einem Grundschatz an Wissen geboren. Offensichtlich ist es so, dass erworbenes Alltagswissen genetisch an die folgende Generation weitergeben wird. Heute weiss man, dass dies tatsächlich möglich ist. Im Buch führt es dazu, dass es einen großen Unterschied zwischen Clan-Angehörigen und Anderen (das sind Menschen wie wir) gibt. Während Menschen gern beobachten, interagieren und experimentieren, um quasi jeden Tag zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, haben die Clan-Angehörigen damit Probleme. Ihre Welt entwickelt sich letztlich langsamer und in der Realität mag es sein, dass dies einer der Gründe ist, warum der moderne Mensch letztlich den Neanderthaler ins Hintertreffen geraten lies.

In der Geschichte („Tal der Pferde“) zeigt die Autorin, wie Ayla, die letztlich nur den Flachschädel-Clan kennt, plötzlich auf sich allein gestellt, erkennt, wie „anders“ sie ist. Ayla geht allein auf die Jagd, zeigt Mitgefühl mit den sie umgebenden Kreaturen und musste in ihren wirklich jungen Jahren hart arbeiten, um das medizinische Wissen des Clans, welches dort, sofern überhaupt benötigt, als genetisches Wissen gefestigt vorliegt („wiedererinnert werden kann“), von ihr aktiv zu erlernen war. Sie wurde trotz ihrer Andersartigkeit vom Clan als Heilerin herangezogen, was ihr nun von großem Nutzen ist. Weiss sie mit ihren 17 Jahren doch all die Dinge, die sie umgeben erfolgreich einzusetzen oder aber auszuprobieren. Ihr größtes Problem ist, dass sie vom Clan verstoßen wurde (dort als „tot“ gilt), aber noch niemals zuvor die „Anderen“, die sie aufsuchen möchte, zu Gesicht bekommen hat und auch ihre Verhaltensweisen nicht kennt.

Nachdem sie lange Zeit im Tal, wo sie Jagd auf Pferde macht, um Fleisch zu erhalten allein lebt, wird sie sich immer unsicherer, ob sie überhaupt noch nach den „Anderen“ suchen will. Denn in einem durch Ihre Jagd verwaisten Fohlen, welches zur Stute heranwächst und später einem kleinen ebenfalls verwaisten Löwenjungen hat sie echte Freunde fürs Leben gefunden. Sie flicht unterschiedliche Behältnisse mit allerhand Gräsern, macht Fleisch haltbar, sammelt Körner und Beeren und gerbt Leder. Durch einen Zufall findet sie in der neuen Umgebung sogar eine einfachere Möglichkeit Feuer zu machen.

Zeitgleich zieht irgendwo vom Fuße der Donau-Alpen ein Bruderpaar los, um die Welt zu erkunden. Genau genommen, will nur einer die Welt erkunden. Sein älterer Bruder Jondalar ist mehr damit beschäftigt, einer angedachten Heirat zu entfliehen. Vom Prinzip her weiss er zwar selbst nicht so genau warum (natürlich wird das im Buch aufgeklärt!), aber letztlich hält er es für einfacher, eine Reise mit seinem Bruder zu machen als zum geplanten Sommertreffen mit den übrigen Lagern der Zelandonii zu gehen und dort seine angedachte Frau wiederzutreffen, denn: Es gibt ja auch noch jede Menge anderer Frauen, mit denen er theoretisch ein Herdfeuer gründen könnte, wobei er sich auch da nicht unbedingt auf genau eine festlegen müsste, wenn er dies nicht wollte. Er ist ein guter Handwerker (Feuersteinschläger) und Liebhaber und demzufolge um Avancen nicht verlegen, was er auch stets unter Beifall der ihn umgebenden Gesellschaft auszukosten versteht, aber trotzdem scheint er nicht genau die richtige zu finden, was wiederum die Gesellschaft an ihm zweifeln lässt.

Die beiden müssen weit, weit in den Osten, den Fluss der Großen Mutter entlang laufen, um letztlich über diverse Stationen zum Tal der Pferde zu gelangen und all dies ist wahrlich nicht ungefährlich. Während dieser Reise lernt die geneigte Leserin die Gewohnheiten der damaligen Welt kennen. Wie baut man Boote? Wie fertigt man Werkzeuge aus Feuerstein? Wie funktioniert eine Gesellschaft mit insgesamt sehr wenigen Mitgliedern, wo quasi jeder mit jedem verwandt ist und die doch Großes vollbringen muss, um zu überleben? Und vor allem: Welchen Argwohn gibt es auf beiden Seiten gegenüber der jeweils anderen Rasse („Flachschädel“ und „Andere“)? Zudem gibt es auch noch eine Hochzeitszeremonie und auch Ayla hat einen Sohn „gemischter Geister“.

Das erste Zusammentreffen zwischen Jondalar und Ayla ist dann ein Clash of Culture der ganz besonderen Art und es dauert eine Zeit bis Ayla tatsächlich „weiss“, dass sie einen der „Anderen“ vor sich hat. Wie kommunizieren zwei „Rassen“ miteinander, wenn die eine spricht und die anderen mit Gesten kommunziert? Dennoch ist auch Ayla eine der „Anderen“ und des Sprechens und Lernens mächtig. Gerade das Thema „Rasse“ ist in unserer Zeit mit „Black lives matter“ topaktuell. Es ist zwar schwachsinnig, sich deswegen in Zeiten von Corona auf riesige Demos zu begeben, aber schon hier erfahren wir, dass das mit den „Rassen“ wirklich Blödsinn ist. Und peinlich genug: Auch das Erdwesen hat erst vor ein paar Wochen „erfahren“, dass die Ansicht, dass die Menschheit sich in Europide, Nigride und was weiss ich noch gliedert tatsächlich fachlich völlig falsch ist, denn tatsächlich ist die Hautfarbe in etwa gleichzusetzen mit abstehenden oder anliegenden Ohren und das gleiche gilt für „Schlitzaugen“, die ja vom Prinzip her sogar größer sind als die von typischen Europäerinnen. Tja. Die Schule war eben auch nicht perfekt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich diese Begriffe wirklich lange lernen musste und sie dann im Erdkundetest sogar abgefragt und benotet wurden. Und nun: alles umsonst gelernt und ganz zu Recht inzwischen wieder vergessen.

Die „Mammutjäger“ beginnen dann exakt dort, wo der zweite Band aufgehört hat. Und dennoch bildet der zweite Band auch ein in sich geschlossenes Ganzes, welches keiner weiteren Ergänzung mehr bedurft hätte, denn er ergibt in sich ein perfektes Buch. So gibt es im „Mammutjäger“ immer auch wieder Dopplungen, die aber bei der Länge des gesamten Werkes zu verschmerzen sind, denn die Autorin widmet sich hier Themen wie die Domestizierung von Wölfen, rituelle Feste, Zusammenleben in Gemeinschaft (hier haben also die Kommunen der 60er ihren wahren Urprung!!), Initialisierungsrieten, Siedlungsbau, Musizieren und abermals dem Thema Feuersteinwerkzeug und Weiterentwicklung bereits bekannter Techniken ganz im Allgemeinen. Tatsächlich spielt das Thema Jagd in „Mammutjäger“ eine geringere Rolle als in „Tal der Pferde“, wo es vornehmlich erst ganz zum Ende des Buches hin wieder aufgenommen wird.

Jondalar und Ayla treffen nun zusammen auf eine ihnen bisher unbekannte Kultur der Mamutoi und so ist das Buch auch geprägt von Gegensätzen und Misverständnissen. Sehr gut aufbereitet wird auch das Thema Wanderungen und so treffen nun auch unterschiedlich aussehende „Andere“ aufeinander, was an Ranec, dem talentierten Bildschnitzer festgemacht ist, der um Aylas Hand anhält und der einzige Dunkelhäutige in dieser nördlichen Region ist. Zuletzt betritt noch ein weiterer Konkurrent mit Namen Vincavec, seinerseits geistiges Oberhaupt seines Lagers und von einer nicht von der Hand zu weisenden Intelligenz, aber auch Geltungssucht getrieben, die Bühne. Aber wenn zwei sich schon streiten, dann gibt es natürlich auch einen lachenden Dritten.

Während „Tal der Pferde“ trotz all der ausführlichen Beschreibungen von Landschaft und Kultur flott voran schreitet, ist „Mammutjäger“ ein wenig zäher, was die tatsächlichen Vorgänge im Buch angeht. Das ständige Hin- und Her zwischen Jondalar, Ranec und Ayla wirkt zuweilen doch recht mühselig und konstruiert. Schön wäre es gewesen, die Autorin hätte Vicavec mit seiner ganzen schillernden Persönlichkeit und dem Mammut-Lager einfach etwas früher eingeführt. Die Leistung jedoch, gleich 5 Herdfeuer, die gemeinsam in einem Langhaus leben und zum Löwen-Lager gehören (insgesamt ca. 27 Personen), gleichermaßen detailliert darzustellen, ist zugleich eine schier unglaubliche Mammutaufgabe. Einfach um an dieser Stelle mal im Jagon zu bleiben! Allein die Darstellung der sozialen Unterschiede in der jagenden, steinzeitlichen Gesellschaft derart auszuarbeiten ist lesenswert und als Leserin ist man sich tatsächlich fast sicher: Genau so! Genau so, wird es damals gewesen sein!

Nun hat das Erdwesen noch ein wenig recherchiert und siehe da: Aus dem ehemals drei Bände umfassenden „Erdenkinder-Zyklus“ ist bereits eine Reihe von sechs Büchern erwachsen.

Weiter geht es mit:

  • The Plains of Passage (1990, Ayla und das Tal der Großen Muter)
  • The Shelters of Stone (2002, Ayla un der Stein des Feuers)
  • The Land of Painted Caves (2011, Ayla und das Lied der Höhlen)

Also ist man zumindest bei den deutschen Übersetzungen jetzt (ab der Ausgabe 2002), nachdem die Reihe offenbar millionenfach verkauft worden ist, dazu übergegangen, „Ayla“ auch in den Titeln zu benennen.

Ob das Erdwesen wirklich noch ein paar Tausend Seiten über diese zig tausend Jahre alte Kultur lesen könnte? Da ist es sich noch nicht sicher. Manchmal kann es nämlich auch zu viel sein, wie beispielsweise Bernhard Hennens Elfenwelt, in der ab irgendeinem Zeitpunkt nur noch geschrieben wird, um damit mehr Geld zu verdienen und eine mehr als magere Story das Licht der Welt erblickt.

Zwar hatte das Erdwesen schon vorher einen recht guten Überblick über die steinzeitlichen Aktivitäten des Menschen, aber in diesem Buch kann man wirklich etwas lernen. Die Autorin hat offenbar keine Mühen gescheut, sich intensiv in die Materie einzuarbeiten. Was zugleich bedeutet, dass sie damals den Kontakt mit Wissenschaftlern gesucht hat, die damals schon ungefähr vermuteten, was heute in den gängigen Medien nachzulesen ist. Die für das Erdwesen erstaunlichste Erkenntnis war, dass in der Eiszeit bereits Musikinstrumente existierten, die vornehmlich aus Mammutknochen bestanden (Flöten und Schlaginstrumente). Das allein schon ist so interessant, dass es lohnenswert sein könnte, sich damit weiter auseinanderzusetzen.

Vom Prinzip her ist der einzige echte Kritikpunkt, dass das Buch ein „Zeitproblem“ hat. Dies mag aus der umfassenden Darstellung der Epoche liegen. Denn die durch die Leserin empfundene Zeit entspricht in vielen Fällen nicht derjenigen Zeit die die Romanfiguren erleben. Wirft man dann noch einen Blick auf die beigefügte Karte, gerät das dargestellte Weltbild komplett ins Wanken, denn die Distanzen, die die Figuren in der Realität zurücklegen müssen, sind riesig. Ganz besonders, wenn man davon ausgeht, dass die Fortbewegung wirklich ausschließlich zu Fuß erfolgte. Ich denke, dass auch die Autorin wenig Expertise im Wandern (also Fortbewegen auf den eigenen zwei Beinen) hat und selbst die Distanzen nicht korrekt einschätzen kann. Da müsste man dann vielleicht mal einen Joey Kelly befragen, der sich einen Namen als Extremsportler gemacht hat. Dieser Typus von heutigem Menschen dürfte der einzige sei, der zuverlässig einschätzen kann, zu welchen Distanzüberwindungen unsere Vorfahren tatsächlich in welcher Zeit in der Lage waren. Im Internet hat das Erdwesen die Aussage gefunden, dass während der dargestellten Zeitepoche nach „neusten wissenschaftlichen Berechnungen“ nur an die 3300 Individuen in West- / Zentraleuropa in kleinen Verbänden gelebt haben. In diesem Roman geht aber die Reise von Gibraltar bis zum schwarzen Meer und von dort bis weit in den Norden an den Rand der Gletscher. Das dürfte die Distanzen, die in der Realität zurückgelegt wurden (regelmäßig 200 km, bis zu 400 km) dann doch weit überschreiten. Hier ist die Autorin aber zugleich auch in eine Zwickmühle gekommen, denn sie bezieht sich auf Fakten, die ja nun einmal nach so dermaßen langer Zeit nur noch in Einzelfällen anzutreffen sind. Grundsätzlich ist jedoch davon auszugehen, dass es wirklich eine ganze Reihe von Menschen gab, die wirklich so weitere Wanderungen unternahmen, um neue Gebiete zu erschließen.

Und dann hätten wir da noch den Punkt, der ebenfalls in sämtlichen Darstellungen immer hinkt und das ist die Sache mit dem Höhenprofil, also dem Verhältnis Landmasse/Meer. Erstellte man zunächst ein korrektes 3D-Modell, um so eine exakte Karte der damaligen Epoche zu haben und bezöge man die tatsächlichen Fundorte dann auf diese exakte Karte – ich denke, da würden noch ganz andere Dinge ans Tageslicht kommen. Bisher hat das meines Wissens aber noch nie jemand gemacht. Statt dessen geht man davon aus, dass sich die Landmasse vom Prinzip her kaum verändert hat. Nur auf diverse Landbrücken, die heute von Meer überspült sind, wird hier und da eingegangen, weil sonst das Vorkommen von diesen oder jenen Artefakten, Pflanzen oder Tieren schlicht nicht erklärbar ist. Gedanklich ist dies für uns Menschen auch eine schwierige Sache, denn für uns ist es nicht möglich, mehr als etwa unsere eineinhalbfache tatsächliche Lebenserwartung korrekt einzuordnen. Geht es wie hier um zehntausende von Jahren vor unserer Zeit, dann vermischen sich die Milliarden von Gondwana doch recht schnell mit den Millionen für die Bildung von Gesteinschichten und den hunderttausend Jahren, in denen Menschenähnliche den Planeten eroberten.

Es wird schwer werden, nun das nächste Buch zu finden, was stilistisch und inhaltlich mit diesen beiden wird mithalten können!

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Corona und das billige Fleisch

Nachdem vor ein paar Tagen bekant geworden ist, dass Corona nun auch bei Tönnies in Rheda grassiert, fragt sich das Erdwesen wie es wohl mit dem Billigfleisch bei Aldi am Schrebergarten weitegehen mag. Gerade dort war über Jahre die wirklich übelste Sorte von Fleisch, geschlachtete in Rheda, anzutreffen. Das Fleisch wäre im Kreis Gütersloh wohl unverkäuflich gewesen. Letzten Endes hat es sicher eine Reihe von heute vegetarisch lebenden Menschen in Hannover hervorgebracht. Sogar das Erdwesen war temporär so weit, bis ihm klar wurde, dass es nur der miserablen Qualität des Fleisches aus fragwürdiger Haltung zuzurechnen war.

Gestern waren beim E-Center in Buchholz jedenfalls sämtliche Frischfleischtruhen leer und das Licht im gesamten Bereich ausgestellt. Das war sicher keine allgemeine Umbaumaßnahme. Tönnies liefert aus Rheda 20% des kompletten in Deutschland verzehrten Fleisches. Und der Betrieb steht. Für Wochen, Monate? Niemand kann das sagen.

Was mich wundert ist die Tatsache, dass bis auf den Landrat dies noch niemand irgendwo erwähnt hat. Und das mitten in der Grillsaison. Statt dessen macht Aldi plötzlich auf vegetarisch. Das Erdwesen wird nun noch einmal Rewe aufsuchen, um dort die Lage zu checken. Ich bin gespannt!

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Unterwegs mit dem Amphibienfahrzeug

Und wieder einmal musste die Ninja als waschechtes Amphibienfahrzeug herhalten und der Eindruck hat wirklich nicht getrügt. Wann habe ich jemals so intensiv die Überbleibsel auf dem Standstreifen bewundern können??? Stangen, Reifen, LKW-Planen und ganz viel anderes Gedöns.

Am gestrigen späten Nachmittag hatte das Erdwesen schon so seine Zweifel, was die in Bezug auf die gefahrenen Kilometer gefahrlosesten Straßen Deutschlands angeht. Noch niemals zuvor hat sie dermaßen viele Unfälle während einer Fahrt gesehen und die auf der Gegenfahrbahn fielen – sofern das Erdwesen denn überhaupt etwas sehen konnte – meistens erst durch heraneilendes Blaulicht oder aber kilometerlange Staus auf. Da war die eigene Spur schon besser einzusehen, wenn auch nicht bei Gütersloh. Dort kennt das Erdwesen zwar jede noch so kleine Fahrbahnunebenheit, aber eher auf der dritten als auf der rechten Spur! Besonders heikel sind auch die Auffahrten, denn hier verschwindet der rechte Leitstreifen. Da das Visier so stark beschlug, gab es irgendwann keine andere Möglichkeit als es komplett aufzureißen und dem starken Regen nur mit Brille zu trotzen. Hier und da war ein Auto mit Warnblinker und aufgestellten Warndreiecken. Dann ein Sportwagen, der unfreiwillig gegen die Fahrtrichtung „eingeparkt“ hatte und ohne Stroßstangenteil noch aerodynamischer wirkte. Andere wurden bereits von der Polizei gesichert und mit Zusatzleuchten angezeigt.

Auch der berühmteste Blitzer der Republik am Bielefelder Berg dürfte seine 350 Schnappschüsse am Tag an diesem Sonntag womöglich nicht eingefahren haben. 2016 brachte dieser Blitzer Bielefeld immerhin Einnahmen von 6,9 Millionen Euro! Bei jeder Neufassung des Bußgeldkatalogs wird der Stadtrat Jubelsprünge tun.

Irgendwo zwischen Bielefeld und Herford bei der Tankstelle Lipperland dann ein Stau, der sich ganz plötzlich doch wieder auflöste. Aber die Sicht war so schlecht, da konnte sich das Erdwesen gar keine Gedanken machen über die fette Ölabdeckungsschicht quer über drei Spuren, die von dem offensichtlich wirklich großen Unfall noch übrig geblieben war. Zuvor war es schon durch massenhaft „Teile“ gefahren, allerdings mit 80 km/h. Aber es ist allemal besser, durch irgendetwas hindurch zu fahren als nach links aus zu scheren, wenn man nicht sehen kann, welch Geistes Kind dort gerade angebraust kommen mag.

Dann bei jeder weiteren Abfahrt bis Hannover die Frage: Bleibe ich wirklich auf der Autobahn? Oder ziehe ich runter? Bei Veltheim wäre es dann auch fast so weit gewesen, aber ein Blick nach rechts schien nicht zu bedeuten, dass die Situation auf den Nebenstraßen in irgendeiner Form besser sein könnte. Also weiter und immer weiter. Die Fahrbahn war ja schließlich noch nicht überschwemmt und die Ninja, mit ihrer motorisch bedingten Ruhe kroch von 7,3 km über 45 km/h bis sogar fast 100 km/h gemächlich auf der rechten Spur dahin, während alle anderen die in stoischer Reihe fahrenden bekennenden Weicheier ihrerseits auf der mittleren oder linken Spur überholten. Aber was sage ich?! Die richtigen Weicheier, waren drei Autos mit Hängern mit Motorrädern hinten drauf ;-)

Selbst die aalglatte Betonfahrbahn vor Hannover ist für die Ninja-Reifen keine wirkliche Herausforderung und nachdem Herrenhausen erst einmal überwunden war, entschied sich das Erdwesen dafür, auch noch das letzte Stück ab „Nord“ auf der Autobahn zu bleiben. Irgendwann ist man offenbar daran gewöhnt, dass man alles, was um einen vorgeht nur noch schemenhaft wahrnehmen kann. Aber: Bitte! Liebe Autofahrer! Wenn ihr bei so einem Sauwetter irgendwo ein Motorrad auf der Autobahn seht, dann macht Euer Licht an! Eure Rückleuchten sind das einzige, was ggf. jemandem auf einem Motorrad und einem Helm auf dem Kopf noch Orientierung gibt!!

Ich habe die Handschuhe gestern Abend nicht gewogen. Es wird noch ein paar Tage brauchen, bis sie wieder trocken sind. Bei der Lederkombi gehts schneller, denn hier ist fast nur das Kevelar betroffen. Aber dass der Helm auch heute noch von innen trieft, das ist wirklich nicht schön, denn heute ist der große Tag, an dem der „rote Ferrari“ umgemeldet werden könnte!

Und nun das Zitat der Polizei von heute, ganz früh morgens: „DV/Bielefeld-BAB 2- Aufgrund teilweiser starker Regenfälle kam es ab Sonntagnachmittag zu einer Vielzahl von Verkehrsunfällen im Zuständigkeitsbereich der Autobahnpolizei Bielefeld. Nach einer ersten Auswertung ereigneten sich 30 Verkehrsunfälle, bei denen 13 Personen verletzt wurden. Insgesamt mussten 11 Pkw abgeschleppt werden, da sie nicht mehr fahrbereit waren. Über die Höhe der entstandenen Sachschäden können noch keine Angaben gemacht werden. Ein Schwerpunkt bildete die A 2 zwischen den Anschlußstellen Oelde und Bad Eilsen. Häufige Unfallursache war die nicht an die Witterung angepaßte Geschwindigkeit. Viele Fahrzeugführer waren bei dem starken Regen einfach zu schnell unterwegs. “

Ja, ich glaube, die meisten davon habe ich gesehen. Aber das Amphibienfahrzeug hat auch diese Prüfung bestanden.

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Deveraux, Jude: Mehr als nur Träume – A knight in shining armor (1989, 526 Seiten).

Jude Deveraux: Mehr als nur Träume – A knight in shining armor (1989, 526 Seiten).

Nachdem das Lesen im neu zusammengebauten Liegestuhl so vorzüglich klappte, konnte das Erdwesen sich an das nächste Werk machen. Da es schwierig ist, zwischen den historischen Zeiten zu arg zu springen, kam nur etwas Historisches in Betracht und leichte Kost sollte es auch sein. Am besten auch noch voluminös, damit so nach und nach wieder alle Bücher gleichermaßen im Regel Platz finden. Und dann noch dieses vielversprechende Cover! Und erst der Name der Schreiberin! Also war schon mal klar, dass es sehr leichte Kost sein würde, aber nach einer vollumfänglichen Rattenplage ja vielleicht auch nicht das Schlechteste.

Was dann allerdings kam, war doch etwas anders als erwartet. Schon lange nicht mehr ist dem Erdwesen ein dermaßen fehlerträchtiges Buch unter die Brille gekommen. Unglaublich! Zahlreiche Sätze waren verstümmelt, die Übersetzung lies aber auch keinen Schluss mehr zu auf die Wortwahl im amerikanischen Original. Dazu noch massenhaft Druckfehler. Mit viel Phantasie gelang es dann aber doch noch das Buch komplett durchzulesen, denn die Story ist wirklich gut! Jemand mit mehr Sprachtalent und ein wenig größerem Hang zu ausgefeilterer Komplexität hätte daraus sicherlich etwas wirklich imposantes (Stichwort: Hexe) zaubern können.

Nichts desto trotz ist es aus amerikanischer Sicht ein ziemlich gut gelungenes Buch über das Inselreich zwischen Nord- und Irischer See. Besonders die Welt um 1560/64 ist äußerst glaubwürdig dargestellt. Jedenfalls aus Sicht der Hauptdarstellerin, die aus den USA 1988 stammt und bei der es sich natürlich um eine Tochter aus reichem Hause handelt. Über viele Dinge musste das Erdwesen dann trotzdem den Kopf schütteln. Aber für eine amerikanische Autorin mag es so okay sein.

Dougless Montgomery, die Hauptdarstellerin wird mitten in der Pampa (also in einem normalen Englischen Städtchen) 1988 von ihrem ungehobelten Geliebten verlassen, der stattdessen einfach mit seiner Teenager-Tochter die Reise fortführt. Durch diverse Umstände, die für eine Europäerin kaum nachvollziehbar sind, findet sie sich in einer Kapelle wieder – ohne Ausweispapiere oder Geld. Sie heult sich an einem alten Grabmal eines Ritters die Augen aus dem Leibe und siehe da: Plötzlich taucht der Ritter leibhaftig auf! Der allerdings ist komplett verwirrt, denn gerade noch befand er sich in einer Gefängniszelle und wartete, einen ehrenrettenen Brief an seine Mutter schreibend, darauf, dass er wegen Hochverrat zwei Tage später geköpft wird.

Die Geschichte brilliert durch eine faszinierende Darstellung wie Nicholas, der Ritter und ein Lord dazu, unsere Welt von heute betrachtet. Da er zufälligerweise ein paar in 1988 seltene Münzen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts bei sich trägt, verfügen nach dem Verkauf beide über ausreichend Geld und können so dem absoluten Shopping-Wahn verfallen. Und das wiederum wirkt wirklich unglaubwürdig. Wer kann soviel Dinge einkaufen?

Gestalterisch ist das einfach eine schlechte und typisch amerikanische Weiterentwicklung der Geschichte. – Es kommt aber wie es kommen muss. Natürlich ist Nicholas wirklich ein edler Ritter, der aber nun wenigstens seine selbst entworfenen damaligen Häuser in Augenschein nehmen möchte, was auch kein Problem ist, denn in England gibt es für alles und jeden historische Führungen.

Zu seinem großen Entsetzen hat die Nachwelt 400 Jahre nach seinem unfreiwilligen Ableben jedoch kein allzu gutes Bild von ihm und seiner kompletten Familie, denn was bleibt ist eine hinreißende Erzählung über seine stets einnehmende Wirkung auf das weibliche Geschlecht und vor allem zu einem – nennen wir es – Vorkommnis auf einem Tisch, über das leider seine damalige Dienerschaft tagebuchlich zu berichten wusste. Nicholas ist pikiert, Dougless aber sehr daran interessiert, sich alle diese Geschichten anzuhören. Männer ähneln sich eben über all diese Hunderte von Jahren hinweg!

Nicholas möchte seinen Namen reinwaschen und statt dessen doch lieber als aufrichtiger gelehrter Mann in die Geschichte eingehen. Er hat keinen Hochverrat gegenüber der Königin von England begangen und er will auch nicht über einem Brief an seine Mutter in einer Gefängniszelle zwei Tage vor seiner Hinrichtung verstorben sein, denn was ist das für ein Tod?! Seine Familie soll ebenfalls nicht komplett und aufgrund einer Reihe unglückseeliger Umstände ausgelöscht werden.

Nachdem die vermeintliche Lösung des Rätsels auf der Hälfte des Buches gefunden ist, verschwindet Nicholas so schnell wie er gekommen ist in seine Zeit und Dougless bleibt zurück – allein mit ihren Empfindungen für Nicholas, den jedoch kein anderer außer sie selbst zur Kenntnis genommen zu haben scheint. (Eine wirklich äußerst treffsichere Lösung für das Zeitparadoxon à la Star Trek!)

Dougless ist untröstlich, findet aber bei der historischen Recherche heraus, dass all das Bemühen, die Geschichte für Nicholas im Heute zu ändern nur dazu geführt hat, dass Nicholas nun wenigstens noch seine Enthauptung erlebt. Sonst bleibt alles beim Alten und keiner wird je seine wahren Qualitäten als Baumeister wunderschöner Herrensitze erkennen können, denn immer noch gilt er als Frauenheld, der letztlich seine komplette Familie von der Weltbühne verschwinden lies.

Dougless beschließt, dass es möglich sein muss, zu ihm in seine Zeit zu gelangen und tatsächlich schafft sie es. Nur: Nicholas kann sich nicht mehr an sie erinnern und so beginnt das Kennenlernen von Neuem. Systematisch gelingt es Dougless tatsächlich schlimme Ereignisse von Nicholas und vor allem seiner Familie abzuwenden. Ja, und da muss man dann als Leserin schon wieder übel reingrätschen. Die Darstellung, warum das alles so schwierig ist, ist wieder ein Auswuchs übelster amerikanischer Phantasie und damit für normale Durchschnittseuropäerinnen kaum nachvollziehbar. Hier hätte es einer weitaus subtileren Schreibweise bedurft, um die Geschichte in Hochform dazubieten. Aber vielleicht können das unbedarfte Amerikaner auch nicht verstehen. (?) Schade, schade, schade.

Nichts desto trotz findet alles doch noch ein gutes Ende und das Erdwesen konnte nach der letzten Seite immerhin zufrieden den Buchdeckel zuklappen. Eine sehr hübsche Idee! Zwar ganz anders als das Erdwesen sich gedacht hatte, aber wirklich hübsch und äußerst fein erdacht!

 

Das Buch ist tragischerweise eines derjenigen Bücher, bei denen das Erdwesen traurig darüber nachdenkt, wie es sich wohl gelesen hätte, wenn jemand mit etwas mehr schreiberischem Talent und einem nicht ganz so amerikanischem Frauenbild es geschrieben hätte. Dazu eine wirklich gute Übersetzung und es wäre eines dieser wirklich guten Bücher mit einer hinreißenden Story. So bleibt als Recherchearbeit nur, nachzuprüfen, wieviel möglicherweise der hundsmiserablen deutschen Übersetzung anzulasten ist, denn die Autorin ist tatsächlich eine amerikanische Bestsellerautorin. Da hier offenbar schon der Montgomery-Clan eingeführt wurde und auch auf die männlichen Helden der Taggerts abgehoben wird, lohnt es vielleicht, zusätzlich ein etwas neueres Werk auf Amerikanisch zu lesen, um einen Vergleich zu haben, wie das ganze in dieser Sprache wirkt. ->> Okay, ich habe nun etwas recherchiert, tatsächlich werden bei dieser Autorin im Deutschen munter sogar die Namen der Protagonisten ausgetauscht. Einige englische Rezensionen legen z.B. nahe, dass ihr Freund nicht Robert sondern Richard heißt… Die Montgomerys haben den Namen Ascott erhalten! So etwas geht gar nicht.

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Meyer, Kai: Der Rattenzauber (1995, 366 Seiten)

Meyer, Kai: Der Rattenzauber (1995, 366 Seiten)

Nachdem das Erdwesen es am Vortag endlich geschafft hatte, seinen neuen Liegestuhl zu montieren, konnte sie sich darauf niederlassen, um endlich in Ruhe und bei bester Rückenhaltung ein Buch zu lesen. Nach einer anfänglichen Skepsis gegenüber der Haltbarkeit des Liegestuhls beim Hinsetzen und Aufstehen (…) kam es so dazu, dass das Erdwesen sämtliche der 366 Seiten des Rattenzaubers verschlang, wenngleich sie das Buch das ein oder andere Male bestürzt aus den Händen legte, weil es einfach zu ekelhaft war!

Der Rattenzauber spielt im Jahre 1284, einige Monate nachdem 130 Kinder spurlos aus Hameln verschwanden. Der Hauptdarsteller Robert von Thalstein hat vom Herzog von Braunschweig den Auftrag erhalten, dem Verschwinden der Kinder in Hameln auf den Grund zu gehen. Sehr unbedarft geht er mit jugendlichem Elan frisch ans Werk und stößt in Hameln einzig auf Ablehnung, denn niemand will über die abhanden gekommenen Kinder sprechen – und das, wie sich später herausstellen wird – aus sehr gutem Grund!

Beim Lesen taucht man ein in eine völlig andere Welt mit anderer Sprache und anderen Gebräuchen. Kai Meyer versteht es brilliant, das alte Hameln wieder zum Leben zu erwecken und so hat man am Ende ein Buch gelesen, welches sich nicht nur durch eine perfekte Szenerie, eine perfekte Sprache auszeichnet, sondern auch durch einen perfekten Aufbau. Zwar gerät der zum Teil nur noch durch die Handlung taumelnde Hauptdarsteller und Ich-Erzähler von einer mislichen Lage in die nächste, so dass es zumindest dem Erdwesen das ein oder andere Mal wirklich höchst unglaubwürdig vorkam… Der nette aber auch arrogante Jüngling in Form eines Ritters scheint vom Pech verfolgt, gelegentlich zu Recht, denn ist er es nicht, der den wenigen überlebenden Kinder auch noch den Garaus macht?! So bahnt er sich seinen Weg zwischen Wahn und Wirklichkeit und die Geschichte spannt Ihre Fäden und gliedert sich dabei in die drei Teile:

  • Das Rattennest
  • Der Rattenkönig
  • Die Rattengruft

Und damit ist wirklich nicht zu viel versprochen! Nicht umsonst gibt es heute in Hameln immer noch Brot-Ratten zu kaufen und über der Weser (Hamelner Loch) prangt sogar eine güldene!

Der einzige echte Kritikpunkt des Erdwesens ist, dass sie unter einem „Rattenkönig“ etwas anderes versteht als der Autor. Woher sie dieses Wissen hat, weiß sie nicht, aber ehrlich gesagt, ist der „Rattenkönig“ im Buch noch eine Spur ekeliger als der „Rattenkönig“ des Erdwesens. Und die Einwohner Hamelns sind keine Hämelschen, sondern wohl doch eher Hamelenser, die sich zumindest damals auch noch dem Mindener Bischoff verpflichtet fühlten und darauf aus waren, ihren ganz eigenen Heiligen zu bekommen, indem sie ein riesiges Mysterienspiel aufführten.

Beim Lesen passiert es, dass man sich zu Anfang fragt, warum der Autor genau das denn nun auch noch schildert. Warum, das erfährt man dann aber je mehr die Geschichte voranschreitet. – Am wirklich ekelhaftesten ist sicherlich die Stelle, wo der Hauptdarsteller einmal mehr auf der Flucht vor seinen Häschern ist und er sich inmitten eines dunklen Wasserlochs voller Ratten stürzen muss. Prompt hängt ihm auch schon eine im Fleische… Pfui Ratte!

Naja. Es wird zwar nicht alles gut, denn die Kinder sind bis heute verschwunden, aber nun wissen wir wenigetens, was es mit dem Hamelner Rattenzauber auf sich hat. – Ein bannender historischer Roman, der mit echten historischen Fakten nicht geizt und zugleich eine wunderbare, grauenhafte Geschichte daraus entspannt. Auch dieses Buch zeichnet sich dadurch aus, dass das Erdwesen nun zahlreiche bunte Bilder und Sequenzen im Kopf hat. Zum Glück erscheinen sie aber nicht ganz so wahrhaftig wie aus dem „Crazy Horse“-Buch. Wer weiß, vielleicht denke ich auch erst daran, wenn ich das nächste Mal einen der „possierlichen Nager“ selbstsicher durch die Beete wackeln sehe!


Zur Webseite des Autors: https://www.kaimeyer.com/

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China-Bett

Man glaubt es nicht, wie lange es dauert, 12 lange und 14 kurze Schrauben in einem einzigen chinesischen Metallbett unterzubringen! Aber nun steht es :-)

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Püschel, Walter: Crazy Horse (1982, 187 Seiten)

Püschel, Walter: Crazy Horse (1982, 187 Seiten)

Im Bücherschrank fand das Erdwesen ein Buch „Abenteuer rund um die Welt“, welches auf ihr Interesse stieß, da sie in ihrem Leben noch kein einziges fesselndes Wildwestbuch aus dem Westen gelesen hat. Es handelt sich dabei um ein Kinderbuch aus dem Lande Karl Mays, also der DDR. Da aber laut Cover besonderen Wert auf die historischen Fakten bei der Ausarbeitung gelegt wurde, beschloss das Erdwesen das Schicksal des Oglallas Tashunka Witko (Crazy Horse) zu ergründen.

Das Buch beginnt ein wenig langatmig und schnell musste das Erdwesen erkennen, dass gar nicht der historische Indianer sondern viel mehr ein „Heimstätter“ Tom Averill den Hauptdarsteller gab. Dennoch traten einige interessante Fakten (?) zu Tage. So war laut Darstellung Crazy Horse mit blonden Haaren und heller Haut eher ein Nachfahre der Wickinger, denn der üblichen Indianer. Äußerst ungewöhnlich mutete beim Lesen dann auch an, dass für die Bezeichnung der Indianer ständig zwischen Deutsch und Englisch hin und hergesprungen wird. Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass DDR-Kinder eher Russisch als Englisch lernten? Jedenfalls dauerte es eine Zeit, bis das Erdwesen kapierte, dass mit Red Cloud und Rote Wolke wirklich die gleiche Person bezeichnet wurde. Entweder diese Besonderheit nimmt zum Schluss des Buches hin ab oder aber die geneigte Leserin hat sich schlicht daran gewöhnt.

Die schleppende Einleitung überflog das Erdwesen dann auch dementsprechend schnell. Nichts von Interesse schien ihr zu passieren und so ist es auch nicht möglich, beim Lesen wirklich etwas zu verpassen. Das Buch bedient Klischee um Klischee oder aber vielleicht sind es auch ausgewählte Fakten, wer weiß. Rancher und stacheldrahtbewehrte Farmer stehen sich unversöhnlich gegenüber, ein fahrender Zirkus ist die Attraktion der ganzen Gegend und bringt Weiße und Indianer bei einem inszenierten Postkutschenüberfall zusammen. Farmer Tom Averill verliebt sich auch sofort in die scharf schießende Tochter des Zirkusdirektors, während der böse Rancher seine Frau beiseite schiebt und trotz seines fortgeschrittenen Alters ebenfalls ein Auge auf die junge Dame geworfen hat. Nebenher wird – ganz Amerika wie wir es auch heute noch kennen – locker sitzende Pistolen und Flinten (eine Winchester darf natürlich nicht fehlen!) ein rechtes Gemetzel entfacht, der auch dem dem Vater von Tom, Rechtsanwalt Averill das Leben kostet und letzten Endes einen „Indianerkrieg“ heraufbeschwört, der de facto jedoch eher auf Seiten der Weißen als solcher bewertet wird.

Die Geschichte liest sich gut und bietet zugleich Einblicke in das Leben von freien Indianern und jenen in einer Reservation. Die sprachliche Gestaltung ist es etwas ungewöhnlich, was eventuell dem Vermeiden im Westen gebräuchlicher Anglizismen geschuldet ist. Die Geschichte schreitet unerbittlich voran und so hat das Erdwesen nun, nach ein paar Tagen tatsächlich Mühe zu entscheiden, was sie tatsächlich gelesen hat und was davon sie aus dem ein oder anderen Western kennt. Schließlich hat vermutlich kein Kind der Welt je so viele Western geschaut wie das Erdwesen in ihrer frühesten Jugend. Zurück bleiben daher viele lebendige, bunte Bilder, nicht aber Zeilen um Zeilen von Text.

Gut Dargestellt wird die Vielfalt der Nationaläten der Siedler und gut dargestellt wird auch, dass es überall Menschen gibt, die positiv kooperieren oder die einfach nur zu ihrem eigenen Vorteil handeln und damit viel Böses anrichten. So plätschert die Geschichte kurzweilig bis spannend dahin, bis sie abrupt endet. Und das war für das Erdwesen tatsächlich ein Schock!

Bäng!

Und dann sind einfach alle tot. Nichts wird mehr erklärt, nichts wird mehr fortgeführt. Die sprachliche Gestaltung des Todes ist genau so, wie man sie von einem guten Western erwartet. Fast könnte man meinen, man habe die Stelle überlesen. Aber nein, auch bei einem zweiten und dritten Lesen, bleibt es wie es ist: Einfach tot und die Geschichte in der Geschichte ist aus. Kein Mensch weiß, wie die gute Annie den Tod ihres Mannes aufnahm. Und so wird auch das Herz von Tashunka Witko nur kurze Zeit später in einer Biegung des Flusses Wounded Knee begraben, nicht aktiv, aber immerhin erfahren wir davon. Das Ende der letzten freien Indianer.

Mit diesem absolut herzlosen Schluss ist das Buch tatsächlich ein außergewöhnliches Buch. Der Kreis schließt sich, ist einfach zu Ende und geht doch – anders – weiter. Die geneigte Leserin bleibt geschockt zurück.

Für Kinder ab 10 Jahren?!

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Ich habe mich dann gefragt, was es damit auf sich hatte, was wir im Westen in der Schule gelernt haben: Die DDR ist böse. Dort wird alles manipuliert. Wer nicht die Meinung der Regierung hat, ist dort nicht erwünscht. Wir sind die einzig Guten! – Uns hat man ein sehr einseitiges Bild präsentiert. Kein DDR-Buch ohne Manipulation! Seid vorsichtig, was ihr von dort lest!

Ich frage mich ernsthaft, was an diesem Buch nun Manipulation ist? Versetzen wir uns einfach in das Jahr 1982 West und früher und heute:

  • Auch gleiche Menschen sind durchaus verschieden
  • Frauen sind gleichberechtigt
  • Diverse Menschen sehen das anders
  • Es gibt böse und gute Menschen gleicher Nationalität
  • Gemeinsam lassen sich komplexe Dinge leichter erreichen
  • Es bedarf viel Überzeugungsarbeit, bis man Menschen trifft, die einen unterstützen
  • Interessen können überall aufeinanderprallen
  • Gemeinsame Interessen können ebenfalls überall zeitgleich auftauchen
  • Es sterben sowohl gute als auch böse Menschen
  • Durch den Tod, egal von wem, werden Fakten geschaffen
  • Übernehmt Verantwortung!

Gefährlicher Osten, jedenfalls für den Westen um 1982. Aber ein absolut gut gemachtes Buch.

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