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Die Atom-Prägung.
20.9.2010 by Erdwesen.
Warum aber beeindruckte diese ganze Atomsache das Erdwesen so nachhaltig? Hatte sie nicht im Kind im schwarz-weiß Fernsehen die Gewissheit erlangt, dass es spätestens wenn sie in die Schule käme für sie Flüge auf den Mond gäbe? - Manche Dinge scheinen anders zu kommen.
Die ganze Sache mit den Atomen war unwichtig. Bis auf das Atomium in Brüssel, von dem Erdwesens Vater einst behauptete, um auf seine schiere Bedeutung hinzuweisen, das kleine Erdwesen müsse nur die Augen richtig aufmachen und dann könne sie bis nach Brüssel zu diesem großen Atomium schauen. Das kleine Erdwesen strengte sich mächtig an, schaffte es aber nie.
In der Grundschule spielte Atom keine Rolle, denn schließlich ist das Erdwesen in NRW aufgewachsen! Was da zählte war der Bergbau. Auf Kohle basiert der Reichtum des Landes! - Das konnte das Erdwesen zwar auch nicht nachvollziehen, da sie um sich herum eigentlich nur jede Menge Rindviecher, grüne Weiden und hohe, uralte Eichen sah, aber irgendwann musste der Lehrer dann doch eingestehen, dass ausgerechnet in unserem Teil Westfalens eher die Landwirtschaft das Sagen hatte, aber immerhin gab es ja die stahlverarbeitende Industrie gleich nebenan und dann noch die Sache mit den Büchern in der Kreisstadt! Das Backpulver in der Stadt, die damals noch existierte, dann aber aufgrund der Einführung des Internets Anfang der 90er Jahre zu einem Gerücht wurde, wurde irgendwie nicht erwähnt.
Es war Ende 1985 als dann aus irgendeinem Grund plötzlich die Energiewirtschaft im Erdkundeunterricht behandelt wurde. Wir lernten alles und begriffen wenig. Nur auf eins legte unserer Lehrer wert, denn wir sollten, wenn wir schon allesamt Nieten in Mathe und Physik waren, dass eine Sache verdammt gefährlich war, weil sie schlicht heiß war. Sie konnte so heiß werden, dass alles schmolz. Das hatte man schon im zweiten Weltkrieg ausprobiert und es hatte auch in Amerika ein großes Unglück deswegen gegeben. Und in Frankreich hatte es einmal eine sehr berühmte Butter gegeben, aber da sich die Butter nach dem Bau dieser Anlage nicht mehr verkaufte, hatte man sie umbenennen müssen. La Hague war eine Wiederaufbereitungsanlage. Es sei verdammt teuer, Brennelemente wieder auf zu bereiten. Deswegen arbeitete man in Kalkar auch an dem Schnellen Brüter. Man steckt etwas Material hinein und man erhält viel mehr daraus zurück. Quasi ein Perpetuum Mobile. Wir waren begeistert! - Nur eins war dann nicht so dolle, dass nämlich nur eine winzige, nichtmal so richtig abwiegbare Menge Plutoniums ausreichen konnte, alle Menschen in der Bundesrepublik auf einen Schlag umzubringen. Was?!
Okay, ich gebe zu. Wir waren Kinder des Kalten Krieges. Was konnte uns noch erschrecken? Wenn der Osten auf den Westen knallt oder irgendwer mal einen Schalter verwechselt, dann öffenen sich überall die Raketensilos und dann wären wir sowieso tot, da wir nunmal ausgerechnet in der “Mitte” wohnen, aber nun sollte es einen Stoff geben, von dem so eine winzige Menge gleich alle ohne jeglichen Knall umbringen können sollte?! Das ist schon irgendwie ein anderes Kaliber.
Währenddessen zeigte uns das große µ im Physikunterricht, was Alphastrahlen sind: Die sind gefährlich, aber steckt mal kurz alle Eure Nase drüber, weil ich hab die Dinger jetzt sichtbar gemacht. - Das Erdwesen war wenig begeistert, aber sieht das Bild noch heute deutlich vor sich. Physiklehrer hatten wohl alle einen Knall! Wer kann freiwillig so ein Zeug anfassen, wenn jeder weiß, dass man davon krank wird?! - Der Klassenstreber Müller hatte sich mal wieder freiwillig gemeldet, den Versuch vorzubereiten, aber der wollte ja auch mal ein großer Physiker werden und wir waren davon überzeugt, dass er das bringen würde, denn dazu musste man schon einigermaßen krank im Kopf sein.
Im Erdkundeunterricht nahmen wir derweil unterschiedliche Reaktortypen durch, weil wir einen Sonderfall gleich vor der Haustür stehen hatten. Hamm-Uentrop. Einen Thorium-Hochtemperatur Reaktor und damit einen besonderen sicheren Reaktor, weil er sich im Falle eines Falles schneller herunterfahren ließ, da er z.B. mit Thorium statt nur Wasser gekühlt wurde. Trotzdem war uns unwohl. Die meisten waren schonmal in Hamm gewesen. - Und was ist, wenn der hoch geht???
Zuerst druckste der Lehrer herum, auch wenn seine Meinung zu seinem Thema schon lange fest stand, aber wir wollten seine Meinung und nicht irgendwelches wissenschaftliches Zeugs wie beim gorßen µ. Also, wenn der hoch geht, dann sind wir 25 km weit weg. Das überlebt keiner. Das würden wir nichtmal überleben, wenn der Reaktor weiter weg stünde. - Wie weit? - Unser Lehrer wußte es nicht, versuchte aber trotzdem eine Antwort. Also, in Deutschland darf keiner hoch gehen. Sonst ist es echt aus. Wir können ja nirgendwo hin fliehen. Deutschland ist einfach zu klein.
Jemand bemerkte, er habe Verwandte in der Schweiz. Nein, das reicht nicht. Die Schweiz ist ja quasi gleich um die Ecke. Nichtmal 1000 km bis dorthin. - Wir wollten es wissen. Ja, aber wohin müssten wir gehen? - Unser Lehrer war ratlos und schaute auf unsere einzige Deutsch-Amerikanerin. - Ja, aber es kann doch nicht sein, dass wir gleich neben einem Atomkraftwerk wohnen und wir wissen nicht wie weit wir weg gehen müssen, um zu überleben?!
Unser Lehrer gab auf. Erstens wußte er es nicht, zweitens hatte er nicht vorgehabt, uns in Panik zu versetzen und in der aller ersten Linie hatte er wohl nicht erwartet, dass wir uns nun ausgerechnet auf einen potentiellen GAU vorzubereiten gedachten. Wie wäre es mit Luftschutzbunker? - Da geht die Strahlung durch. - So langsam bekamen wir doch ein beklommenes Gefühl. Lebensmittelvorräte? - Machen ja irgendwie keinen Sinn, wenn es die Strahlung ist, die problematisch ist. - Bleimäntel? Das Thema verließ den Erdkundeunterricht. Unser Lehrer musste andere Lehrer fragen, aber die hatten weit weniger Ahnung als er. Wir fragten unsere Eltern, aber denen war das ganze zu komplex und einige meinten, dass so etwas in Deutschland sowieso nie geschähe. - Und was ist, wenn es nebenan geschieht?
Währenddessen hatte das Erdwesen ein Referat über den THTR übernommen, weil es wenigstens wissen wollte, warum dieses Ding sicherer war als der Rest. - Unser Lehrer versuchte uns auch mal wieder für andere Dinge zu interessieren, aber wir waren wohl sehr stur und letzten Endes waren wir zu dem Schluss gekommen, dass es eben keinen GAU geben durfte in Europa, sonst wären wir alle weg vom Fenster. - Aber so etwas passiert echt nur sehr selten. Hoffentlich hatte unser Lehrer recht.
Und dann kam der Mai 1986 und die Nachricht, dass irgendwo in Skandinavien erhöhte Radioaktivität gemessen worden war. Die Maßeinheiten, die im Fernsehen präsentiert wurden, veränderten sich ständig. Niemand schien zu wissen, wie man damit umgehen sollte. Die Wolke sei noch weit weg und wir leben in der Westwindzone. Warum sind wir noch nicht tot? - Unser Lehrer schüttelte den Kopf. Vielleicht ist es nicht so schlimm. Vielleicht bläst der Wind alles in eine andere Richtung, aber es sieht nicht gut aus. Wir haben Ostwind.
Erdwesens Eltern waren ebenso ratlos wie der Lehrer und alle anderen Menschen. Am Donnerstag wurde eingekauft wie jeden Donnerstag. Mit der Liste stapfte das Erdwesen in den Laden. Was war das??? Die Paletten bei Aldi waren leergefegt. Keine Dosenerbsen, keine Pilze mehr. Fast alles war ausverkauft oder knapp davor ausverkauft zu sein.
Am Abend wurden die Büger gebeten, doch bitte keine weiteren Hamsterkäufe mehr zu tätigen. Etwas später kam ein Brief von der Molkerei. Die Milch sei weg zu schütten und würde nicht mehr abgeholt. In den Nachrichten wurde gesagt, Gemüse sei prinzipiell unterzupflügen und ungenießbar. - Das alles mochte noch angehen, aber Erdwesens Mutter holte wie jeden Tag einen frischen Kopfsalat aus dem Garten. Das Erdwesen war entsetzt, aber erst ab dem Zeitpunkt richtig, als Erdwesens Vater sich weigerte, diesen Salat zu essen. Ja, wir sollten ihn nicht einmal anfassen! Die Sache schien also verdammt ernst zu sein. - Nein, auch die Mitschüler aßen kein Gemüse mehr, es sei denn, es kam aus einer Dose.
Doch dann wurden die Daten verglichen. Nicht nur in Tschernobyl hatte es einen Unfall gegeben, sondern auch in Hamm-Uentrop. Irgendwie waren dort alle Messinstrumente ausgefallen, irgendwie war nicht heraus zu bekommen, was dort geschehen war. Nur eins wurde gesagt, dass nämlich bei uns die Strahlung noch einmal höher war als überall woanders. Und das Verbot der Milchbelieferung der Molkerei bezog sich nicht auf den Tag des Unfalls in Tschernobyl sondern auf den Tag des Unfalls in Hamm-Uentrop.
So etwas prägt. Selbst dann, wenn man sowieso keine Pilze mag und lieber Fleisch statt Gemüse isst. Dieser Atomscheiß war eine weitaus größere Bedrohung als alle Raketen dieses Planeten. Er war so sagenhaft unheimlich, weil man ihn weder fühlen, hören noch sehen konnte.
Jahrelang passierte nichts. Nur die Hoffnung, dass auch weiterhin nichts passiert blieb. Endlich wurde die Laufzeit der Kraftwerke befristet. Wenigstens ein Hoffnungsschimmer und Erdwesen begrüßte jedes neu errichtete Windkraftwerk, welches sie zu Gesicht bekam. Je weiter sie nach Norden kam, desto mehr gab es davon, aber dann kam eine andere Meldung.
Von den Berichten von Elena Filatowa, hatte sie erfahren, dass Radioaktivität tatsächlich begrenzt ist. Durch Umwelteinflüsse wie etwas Wind oder Bewuchs ist sie unterschiedliche verteilt. Mit anderen Worten: wenn man einen Geigerzähler hat, der in dem geforderten Bereich messen kann, so kann man die heißesten, verstrahltesten Flecken meiden und so gegebenenfalls ein paar Meter nach rechts oder links ausweichen. Dazu kommt, dass es besonders gefährlich ist, radiaktive Partikel einzuatmen, da sie dann im Körper weiterstrahlen. Das gibt dann auch der Anweisung Sinn, dass man bei einem Unfall Türen und Fenster strikt geschlossen halten soll und eine Mundschutz tragen soll. Die Radioaktivität ist zwar da, gelangt aber nicht auch noch zusätzlich in die Atemwege.
Dann kam die Nachricht, dass die Schrebergärten in Hannover radioaktiv verseucht sind, weil eine Firma um die Jahrhundertwende ihren radioaktiven Müll sorglos einfach irgendwo hinschemeißen durfte. Seit diesem Zeitpunkt besitzt Erdwesen doch den Geigerzähler, den sie schon damals hätte haben wollen. Und wieder beschäftigte sich das Erdwesen mit Radioaktivität. Was ist das für ein Ding, das wir nicht wahrnehmen können und das uns doch umbringen kann?
Ihre ersten Messungen mit dem Geigerzähler sind hier dokumentiert und da gibt es schon wieder Ungereimtheiten, denn der eine misst so, der andere anders und letzten Endes behauptet jeder, dass er Recht gehabt hätte oder das der andere Zähler nicht geeicht war usw. usf.
Im Falle der Messungen in Hannover am Riedel-de-Haen-Platz (KiTa-Spielplatz) und am Schrebergartenparkplatz “Gut Grün” hat das Erdwesen jedoch mit dem gleichen Geigerzähler gemessen und auf die gleiche Art und Weise - nämlich einfach das Gerät auf den Boden gelegt und abgewartet, bis die Werte sich eingependelt haben. Obwohl Erdwesen am KiTa-Spielplatz weniger gemessen hatte als die Behörden, waren die Werte am Schrebergartenparkplatz, um den sich seither aber auch wirklich niemand mehr kümmert wesentlich höher als die, die bekannt gegeben wurden. Während der Spielplatz mit den an sich nur geringen Werten aufwändig saniert wurde, liegt der Parkplatz weiterhin brach. Einige haben ihre Schrebergärten aufgegeben, aber sonst tut sich nichts. Man kann ja nicht sehen, warum ein einfaches Absperrungsgitter (inzwischen) am Rande des Parkplatzes steht. Eine Kennzeichnungspflicht “Vorsicht hier Radioaktivität” besteht nicht und Hannovers Einwohnerschaar - allesamt pflegmatische, geduldige Esel - kümmert es nicht. Was ich nicht seh, das kann nicht sein? Rasende Motorradfahrer werden hier eindeutig wichtiger genommen, besonders, da einige dieser auch noch den Fehler machen, sich tot zu fahren.
Es ist nicht zu verstehen, wie ein kleiner Punkt auf einem Spielplatz, der an dieser Stelle nicht mal offiziell einer war, so eine Aufruhr verursachen kann, aber eine wesentlich schwerere Verseuchung völlig ohne jegliche öffentliche Beachtung bleibt. Aber eines zeigt diese Riedl-de-Haen Angelegenheit schon. Radiaktiver Müll entsteht nicht nur in Atomkraftwerken, sondern an vielen anderen Orten und ihre Anzahl steigt. Wohin mit dem Müll? Schon die paar Container verseuchte Erde vom Spielplatz wollte niemand haben. Da sind abgedankte Brennelemente weit schwieriger unter zu bringen. Die meisten gehen wohl irgendwo in die Tiefen Russlands und die, die einer “geordneten” Endlagerung zugehen sollen, landen in Ahaus, im Schacht Konrad, früher in Morsleben und demnächst vielleicht nicht mehr nur in der Lagerhalle in Gorleben, sondern auch im Salzstock, der genauso zerbröseln könnte wie der Salzstock bei der Asse. Was für ein Wahnsinn. Jeder müsste das eigentlich erkennen können, aber einige Menschen scheinen sehr leicht käuflich zu sein.
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Anti-Atom Demo Berlin 18.09.2010
19.9.2010 by Erdwesen.
Hier einige erdwesensche Eindrücke von der Demo.
In Niedersachsen dreht sich alles nur um Gorleben, aber in Ahaus stapeln sich ebenfalls seit Jahren die Brennelemente.
Das nächstgelegene Atomkraftwerk mit gerade mal 50 km Abstand zu Hannover ist Grohnde. Außerdem gehört es auch noch zu den jüngeren AKWs im Land und wird daher voraussichtlich mit am längsten noch in Betrieb sein. Auch bei Grohnde existiert inzwischen ein Zwischenlager und die Stadt Bielefeld hält an dem AKW auch noch Anteile. Schämt Euch, Ihr größenwahnsinnigen Deppen!!
In der letzten Zeit ging es oft aber auch um einen anderen Energieträger. Das ist ausgerechnet der Konzern, für den das Erdwesen Reklame fährt, aber seht selbst:

Für das Erdwesen ist das beste Banner der gesamten Demo das folgende: Weltatomerbe Braunschweiger Land - Morsleben, Konrad, Asse II. Das sagt alles! Good-bye norddeutsches Grundwasser :-(

Es ist wohl doch an der Zeit, ehemals falsche politische Entscheidungen nun umgehend zu berichtigen!

Kein Atomdreck nirgendwo. Sei es der aus deutschen Anlagen oder der radioaktive Müll von Riedl-de-Haen in der Gartenkolonie “Gut Grün” hier in Hannover.

Es scheint so, als hätten die verantwortlichen Politiker allesamt längst jeglichen Bezug zur Realität verloren. Vielleicht wäre es ein erster Ansatz, Ihnen die nächsten 10 Jahre (eine Laufzeitverlängerung dieser Frist ist jederzeit durch Neubeschluss möglich) schlicht zu verbieten, auch nur ein Krümelchen Müll oder Staub aus Ihren Wohnungen zu entfernen. Schließlich hat ja auch der Atommüll weltweit keinen Platz, wo er hin kann. Die Masse steht irgendwo in den Weiten Russlands und der Rest ist verteilt und taucht hier und da auf. Was soll das also???
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Berlin - Zwischen Bahnhof und Regierungspalästen
18.9.2010 by Erdwesen.
Das Erdwesen machte sich kurzentschlossen auf zur Anti-Atom-Demo nach Berlin. Gleich am Bahnhof wurde die Suche nach dem “wohin?” leicht gemacht, denn auch am regulären IC trafen schon bald einige Demonstrationsteilnehmer mit Trommeln und Fahnen ein, denen das Erdwesen folgen konnte, ohne noch einen Gedanken an den möglicherweise richtigen oder falschen Ausstiegsbahnhof in Berlin zu verschwenden. Außerdem schien der Fahrkartenkauf für Berlin jetzt nicht mehr so kompliziert zu sein wie vor dem Bau des neuen Hauptbahnhofes, den das Erdwesen zuvor noch nicht gesehen hatte.
Bis Stendal ergatterte das Erdwesen einen regulären Sitzplatz. Dort kamen die Wendländer hinzu und die hatten zu großen Teilen eine Sitzplatzreservierung. Also nahm das Erdwesen auf den Treppenstufen platz und bald war dann auch Berlin Hauptbahnhof erreicht.
Was für ein Bahnhof?! Zwar ist er riesig groß, aber schön ist klar etwas anderes. Im Innern wirkt es viel zu dunkel und beim abendlichen Kaufen des Rückfahrscheins war es dann auch noch schwierig überhaupt irgendwo einen Fahrkartenautomaten zu entdecken und der, den das Erdwesen fand, funktionerte nicht mehr richtig, sondern nur unter mehrfachem guten Zureden. Wie überall in Deutschland gibt es auch an diesem neuen Bahnhof viel zu wenige Toiletten und dann sind sie nicht einmal mit vernünftigen selbstreinigen WC-Sitzen ausgestattet. Okay, sie sind mit 80 Cent billiger als die in Hannover und Klopapier gab´s zum Glück auch noch. Aber ich meine: das ist ein nagelneuer Bahnhof, der erst 2006 eröffnet wurde! Und ist auf´s Klo gehen kein Grundrecht, was kostenlos möglich sein müsste, wenn man sich in der Hauptstadt befindet??
Der Bahnhof liegt quasi direkt am Regierungsviertel und man muss sich schon fragen, wenn man das so sieht, was denn nun eigentlich die Berliner davon haben. Erdwesen war im zarten Alter von 16 zum ersten mal in Berlin. Der Reichstag war damals ein riesiges Gebäude, wenn nicht gar das größte, was sie jemals gesehen hatte. Und wie ist es heute?
Man kann von Glück sagen, dass man die neue Kuppel wenigstens gut sehen kann, sonst fiele er womöglich gar nicht mehr auf, außer dass er älter ist als der Rest. Die Regierung hat sich einverpalastisiert.
Erdwesen hat irgendwann vor langer Zeit im Studium mal gelernt, dass Eingänge, die 2-3x höher sind als ein Mensch groß als “menschenverachtend” zu bezeichnen sind. Das ist den Architekten, die diese Glaspaläste geplant haben, wohl entgangen. Die Paläste passen zum Bahnhof und es passt zu unserer Gesellschaft, dass eine Demonstration mit 100000 Teilnehmern auf einem unbefestigen Matschplatz zwischen den Prachtgebäuden der Herrschenden ihren Anfang und ihren Abschluss finden muss. - Die Gebäude ringsum mögen glänzen, aber sie erinnerten das Erdwesen an einen französisches Bauwerk, welches massenhaft Wohnungen für sozial Schwache beinhaltete. Das ganze Gebäude war als Fleischwolf mit runden Gucklöchern gestaltet, von denen jeweils eines das Fenster für vier Wohnungen bildete, was erahnen lässt, welche Dimension der “Fleischwolf” hatte.
Die Demonstration verlief leise. Ruhig. Zivilisiert. Doch wie lange wird das noch so bleiben? Im Wendland fehlt längst jedes Verständnis für auch nur einen weiteren Tag der Atomkraftnutzung. Wenn irgendwann alles eskaliert und der zuständige Minister wird, sollte er diesen Tag überleben, einmal in einem Interview gefragt werden, warum man denn nicht eher im Sinne der Bürger reagiert hätte, wird er sich darauf zurückziehen, dass doch diese Demonstration ohne das Werfen von Steinen und ohne Straßenschlacht stattgefunden hätte. Man hätte ja nicht ahnen können… alle Bürger waren immer so vernünftig… Und das Wendland? Von dieser seltsamen Gegend höre er heute zum ersten mal. Ihm sei immer zugetragen worden, alles liefe aufs Beste und diese friedfertige Zusammenkunft von 100000 Menschen, hätte ihn davon überzeugt, mit seiner Meinung völlig im Recht zu sein.
Es ist gut zu sehen, wieviele Menschen bereit sind, sich auch nach so langer Zeit noch mit dem ungelösten Problem der Hinterlassenschaften der zahlreichen AKWs in Deutschland zu beschäftigen, obwohl es so ein frustrierendes Thema ist. Denn selbst, wenn von jetzt auf gleich alle AKWs heruntergefahren würden, so wüßten wir doch nicht wohin mit dem Müll. Es wäre sogar so, dass es Jahrzehnte dauerte bis die AKWs abgebaut werden könnten. Deswegen ist auch Hamm-Uentrop so ein “schönes” Beispiel:
War alles nur ein Versuch, hat kaum Strom geliefert, hatte einen riesigen Störfall, der aber in den Messwerten von Tschernobyl unterging und muss nun noch an die 20 Jahre bewacht in der Gegend herum stehen, bis man mit dem tatsächlichen Abbau beginnen kann. Natürlich ist der Kühlturm längst verschwunden und wer nicht weiß, dass dort mal der THTR gestanden hat, der wird es im Vorbeifahren nun auch nicht mehr bemerken. Eine Industriebrache eben, wie so so viele andere auch und doch tödlich.
Erdwesen geht davon aus, dass die verantwortlichen Politiker weiter die Atomwirtschaft fördern werden. Viele scheinen den letzten Respekt vor der Bevölkerung, die sie eigentlich vertreten sollen, vollends verloren zu haben.
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Segway fahren (Entdeckertag)
12.9.2010 by Erdwesen.
Jedes Jahr auf´s neue findet er statt: der Entdeckertag. Dieses mal besucht das Erdwesen das Wartungscamp der S-Bahn und die Stadtwerke in Leinhausen. Dort wurde Segway-Fahren für jedermann angeboten und genutzt. Dabei musste ein kompletter “Fahrschulparcours” absolviert werden, was fast allen auch gelang. - Trotzdem wartet das Erdwesen lieber noch etwas, bis es dieses Gefährt ausprobiert. Viel zu gefährlich…

… und mit Preisen zwischen 5000 und über 7000 Euro viel zu teuer!
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Pressetexte: leer und hohl
26.8.2010 by Erdwesen.
Es wäre zum Lachen - aber es scheint wirklich ernst gemeint zu sein. Früher nannte man es schlicht “Phrasendrescher”, aber inzwischen ist der Phrasendrescher anscheinend doch nicht nur so etwas wie der berühmte Gabriel-Chip. Denn auch bei dem konnte man sich nicht ohne weiteres sicher sein, ob er nun wirklich die vermutete Elektro-Strahlung im Zaume hält oder nur das zur Verfügung stehende Haushaltsbudget des tatsächlichen Käufers.
Manchmal ist es schon zum Heulen. Schaut man in eine Zeitung und liest etwas über die große Weltpolitik, so ist dort stets das gleiche entweder Wirtschafts- oder Politikersprech zu lesen. Viele Worte, kein Inhalt oder aber der Inhalt ist derart hinter Wortgeschwülsten versteckt, dass man ihn deuten muss, wie ein Irrender in der Wüste die nächste Oase…
… und der Direktor ist zufrieden. Was für ein Schwachsinn!
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Unterwegs bis zur Schaumburg
13.6.2010 by Erdwesen.

Das war ein erlebnisreicher Tag für das Möppi…

… und ganz besonders hier, wo es eine gute Aussicht auf die Schaumburg hatte.
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Zu Besuch bei Schneewittchen
23.5.2010 by Erdwesen.
Nicht allzu weit von Hannover entfernt, hinter den Sieben Bergen, bei den sieben Zwergen lebte einst Schneewittchen. Tja, und die Sieben Berge befinden sich eigentlich gleich neben der Leine, auch wenn hier nur vier der sieben zu sehen sind:

Einst hielten wir “Sieben Berge” und “Sackwald” für ernstzunehmende Testdaten, jedoch keineswegs für real existierende Landschaften. Wer mal ein paar richtig gute Kurven fahren möchte, sollte sich Alfeld von Richtung Südosten oder Nordosten nähern. Bei der Weiterfahrt wird er dann irgendwann auch auf die gewaltige Landschaft Schneewittchens treffen.
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Politik brauch ich nicht
27.3.2010 by Erdwesen.
Erdwesen fragt sich gerade, ob es möglich sein könnte, dass die Politik aus dem Sichtfeld der Bürger immer weiter und weiter ausgeblendet wird. Das Erdwesen selbst kennt jedenfalls inzwischen nichtmal mehr die Namen der Bundesminister. Eigentlich tun sie auch immer nur das gleiche: schieben das nicht vorhandene Geld von rechts nach links, kürzen hier und geben dort. Das ist für niemanden mehr zu begreifen.
Wenn Gesetzt im Laufe der Zeit derart kompliziert werden, dass sie offensichtlich auf keiner menschlichen Logik mehr basieren, sondern allein die Schöpfung von tatsächlichen Rechtsverdrehern sind, die sich jeweils jeder selbst am nächsten stehen, was für einen Sinn haben diese Gesetzte dann noch?
Müssten nicht Gesetzte viel eher so gestaltet sein, dass jemand, der hier im Land aufwächst, die wesentlichen Dinge dazu allein schon von seiner Erziehung her kennt und beachtet? Inzwischen kommt es aber immer häufiger vor, dass sogar Menschen, die wirklich “mitten im Leben stehen”, keine Ahnung mehr haben, ob nun dies oder das richtig ist. Die natürliche Folge davon kann nur sein, dass weder die Gesetze, noch die Riege derer, die diese Gesetze erschaffen, dauerhaft ernst genommen wird.
Dazu kommt aber noch ein weiterer Aspekt, den kein Bürger nachvollziehen kann: Gerade Leute in entweder hochdotierten oder hoch angesehenen Jobs in Wirtschft, Verwaltung und Politik sind offensichtlich jederzeit austauschbar. Warum aber kann jemand, der erst z.B. Kultusminister, dann Gesundheitsminister und danach Landwirtschaftsminister oder Ministerpräsident war, etwas später vielleicht auch noch - nehmen wir mal an - Internetminister werden?
Keiner kann dem Erdwesen erzählen, dass der dann tatsächlich Ahnung von der Materie hat. Möglicherweise weiss er viel, aber niemals wird er es schaffen, auch die Details, die er für den Job kennen müsste, zu durchschauen. Wenn man es überdenkt, kann es nur so sein, dass dieser jemand austauschbar ist, weil man ihn eigentlich gar nicht benötigt. Der Tross, der hinter ihm steht, arbeitet eh nach eigenem Gutdünken oder arbeitet halt gar nicht, wenn er keinen Anreiz dafür sieht. Ein ganz natürliches Phänomen.
Ist also nur natürlich, dass niemand Politiker mehr zur Kenntnis nimmt. Da es viele Menschen gibt, beschäftigen sich zwar immer eine gewisse Anzahl davon auch mit dem politischen Geschehen - oft nur aus der Not heraus, weil es sie gerade betrifft - aber es gibt keinen Konsenz mehr darüber, dass man sich noch mit Politik beschäftigen muss, weil Politik vielleicht ein durchaus mal sinnvoller Bestandteil unserer Gesellschaft gewesen ist, den man womöglich auch weiterhin noch benötigt. Sagen uns nicht gerade die Politiker immer, dass eigentlich der Markt regiert? Und wenn ich soziale Sicherungssysteme nach und nach ausheble, die als einzige offenkundig dem Markt entgegen stehen, warum sollte der Bürger nicht irgendwann einfach das komplette politische System für überflüssig halten?
Die Wahlbeteiligungen sprechen hier Bände. Und Erdwesen ist immer noch der Ansicht, dass z.B. die Anzahl der Abgeordneten in einem Gremium immer auf den Prozentsatz gedrosselt werden sollte, die dem Prozentsatz der Wahlbeteiligung entspricht. Mehr gibt es nicht und aus.
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Was ist ein typischer Frauenjob?
19.3.2010 by Erdwesen.
In Bezug auf die angebliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der deutschen Arbeitswelt gibt es noch einiges zu beobachten. Welche Jobs werden eigentlich von Frauen bekleidet?
Klar, diejenigen, die die Gleichberechtigung zumindest für in Reichweite befindlich halten, nennen jetzt sowas wie “Frauen können Technikerin oder Ingenieurin werden”, “Frauen studieren häufig - naja, also meisten ja Sprache… das liegt ihnen irgendwie”, “Frauen machen auch fast immer ein besseres Abitur als Männer” usw. usw.. Aber was bleibt von alledem? Wo finden wir Frauen tatsächlich. Natürlich:
- auf dem Klo. Es sei denn es findet sich ein männlicher Afrikaner dafür.
- als Reinemachfrau, halt so wie es immer schon war. Aber die sprechen ja fast auch nie deutsch - sind alle zu faul das überhaupt zu lernen - oder vielleicht auch einfach zu dumm?
- als hauptberuflicher Fensterputzer. Das war zwar mal ein Männerberuf, aber inzwischen ist er so schlecht bezahlt, dass ihn eigentlich kein Mann mehr machen will und irgendwie passt Putzen ja auch besser zu Frauen, oder etwa nicht? Und außerdem wollen Frauen ja auch zeigen, was sie so drauf haben, durften ja schon als Kind nicht auf Bäume klettern, da können sie jetzt sich mal bei den schicken Glassfassaden angeseilt beweisen - vor sich selbst, vor der Welt… und die Männer lachen bei dem Gedanken, dass die Damen für 3,50 Euro die Stunde schuften. Okay, Erdwesen will nicht übertreiben. Ihre Bürofenster wurden einmal von einem Mann gereinigt, der sagenhafte 2,40 Euro pro Stunde dafür bekam - aber der war ja auch aus dem tiefsten Dunkeldeutschland und hätte sonst einen 1 Euro-Job annehmen müssen. Wie gesagt: Ausnahmen gibt es immer und gerade beim Fensterputzen sind die Preisspannen enorm!
- beim Postaustragen. So lange der Briefträger noch eine Uniform mit schicker Schirmmütze trug, einen nagelneuen VW-Käfer fuhr und an jedem Hof ein Schnäppschen eingeschüttet bekam, da war das noch reine Männersache, aber jetzt, wo auch in abgelegenere Gegenden die Briefe sicher aus ökologischen Gründen mit dem Fahrrad ausgetragen werden - egal wie glatt es ist oder wieviel Hagel vom Himmel fällt und wo es überhaupt soviel Diskussionen um Mindestlöhne usw. gibt, da werden immer mehr Frauen eingesetzt. Und überhaupt: die hätten so eine schicke Uniform nie angezogen, man sieht ja wie sich die Bundeswehr bemüht, Frauen zu rekrutieren. Die sportlich schicken Jacken, die jetzt bei der Post getragen werden, die passen doch prima zu Frauen!
- auf dem Gabelstapler. Das ist eine ganz prima Sache für Frauen. Die haben nämlich durchaus technisches Verständnis und außerdem siehts ja auch sexy aus für den Rest der Belegschaft und es gibt ja auch noch die Frauenquoten, die in bestimmten Branchen eingehalten werden müssen. Das muss so ähnlich sein, wie die Beschäftigungsquoten für Schwerbehinderte. Da muss man auch zahlen, wenn man keine oder nicht ausreichend viele davon beschäftigt.
Verlassen wir mal die schöne aber schnöde Welt der Ausbildungsberufe. Wenden wir uns mal der Elite dieses Landes zu: den Akademikerinnen.
Allein der Begriff ist herrlich, findet das Erdwesen. Wenn es “Akademikerin” hört, dann sieht es sofort Fräulein Rottenmeier von Heidi vor sich oder aber eine Juristin, mit blonden zurückgekämmten Haaren, einem niedlichen Pferdeschwanz, einer Nickelbrille auf der süßen spitzen Nase, kleinen zierlichen Händchen und einem überaus schmächtigen Körperbau. Als die Germanen noch bei Kalkriese kämpften, dürfte ein solches Exemplar von Frau nicht von allzu großer Hilfe gewesen sein - aber egal, wir leben ja im Heute.
Grundsätzlich lässt sich zuerst mal sagen, dass es durchaus Studiengänge gibt, wo Frauen einfach hingehören: Erzieherinnen etwa, also Pädagogen im Allgemeinen und im ganz besonderen gehören sie in die Grundschule. Dann haben wir da noch die Riege der Ärztinnen, aber bitte nur in der Hausarztpraxis, ganz bestimmt aber nicht bei der Leichenbeschau. Da kommt Quincy nämlich viel überzeugender. Juristin hatten wir ja schon erwähnt und oben beschriebene Ausgabe wird auch nicht zu viele ernsthafte Querelen verursachen (vgl. Kalkriese). Was aber machen wir mit dem Rest? Mit den Frauen, die weder Sprachen noch eben benannte Disziplinen ihr eigen nennen?
Da wollen wir mal überlegen. Ingenieurinnen sind eigentlich nicht so das Problem, es gibt ja nicht so viele. Wissenschaftlerinnen? Sind doch eher die Ausnahme. Geographinnen?
Ach herrje! Die Riege der Universaldilettanten (”Tante” ist ja schon weiblich). Da ist es eigentlich egal, ob man da einen Mann oder eine Frau vor sich hat. Die mischen sich sowieso überall ein und haben doch von nichts eine Ahnung. Den Vermessern arbeiten sie zu ungenau, die Biologen treiben sie mit ihren Verallgemeinerungen der Pflanzenvergesellschaftung zur Weißglut und den Juristen sind sie suspekt, weil sie sich erdreisten, mit ihrem Halbwissen Planungsangelegenheiten zu regeln oder andere unbescholtene Disziplinen bei Planungsvorhaben geradezu aufzuwiegeln, bis die dann auf ihr - natürlich nur vermeintliches - Recht bestehen. Den Wissenschaftlern sind sie schlicht zu pragmatisch, denn der Geograph und auch die Geographin - nicht zu verwechseln mit der Geogräfin, zu der hier keine Aussage getroffen werden kann - haben die unangenehme Eigenschaft, die Welt stets im Hier und Jetzt zu sehen.
Und dann gibts ja auch noch die Geograph(inn)en, die sich in der Tat “mit Computern auskennen”, aber die heißen ab 1992 eigentlich Geoinformatiker (von einer Geoinformatikerin hat das Erdwesen noch nie gehört), die aber heute in der Regel kaum noch geographische Grundkenntnisse besitzen, aber auch nicht gescheit programmieren können und es gibt auch Umweltwissenschaftler. Die können zwar auch nicht programmieren und sie verstehen nur wenig von Geographie, aber Umwelt war mal “in” als dieser Studiengänge eingeführt wurden und “Wissenschaft” klingt immer ernstzunehmend - sogar in ihrer nativen weiblichen Form. Die neuste Erfindung ist der Wirtschaftsingenieur mit der Fachrichtung Geoinformation. Das ist eine tolle Sache, weil sie vor allem ja auch Männer anspricht. Ein Ingenieur hat´s halt nicht schwör, näh?
Wohin mit diesen Genies der Halbwahrheiten und des gnadenlosen Engagements? Geschäftsführer bei GeoTopics Inc., Leiter eines Airports, Shopping Centers, der hiesigen Gemeinde oder doch Aushilfe beim Amt für Datenerfassung? Die Bandbreite ist weit gefächert und dass jeder Geograph schon im Grundstudium lernt, dass Geographie das ist, was ein Geograph macht und nicht umgekehrt, macht die Sache auch für die Arbeitgeber nicht einfacher. So findet man sie tatsächlich überall, wo jemand gebraucht wird, der nichts richtig aber fast alles zumindest doch halb kann. Sie sitzen dort, wo es rund gehen muss, weil sonst nichts mehr läuft und sie nehmen die Jobs, von denen niemand so richtig weiss, wer da eigentlich hingehören könnte und so tun alle die gleiche geographische Arbeit für die unterschiedlichesten Gehaltszahlungen am Monatsende, wenn man sie nur lässt.
Geographen sehen ihre Aufgaben, wittern quasi den Raumbezug aus der Ferne, während der potentielle Arbeitgeber diesen oft nichtmal im Ansatz erkannt hat. Und schwupp-di-wupp findet die Geographin sich wieder im Tumult neuster Gesetzgebungen, beständig sich weiterentwickelnder Spezifikationsdokumente, in den Mailinglisten dieser Welt, wo es entweder um die globale Revolution oder aber lapidare techhnische Lösungen für banale praktische Probleme bei der Geodatenverarbeitung geht. Und das nennt man dann GIS-Koordinator.
GIS steht dabei nicht für einen der scheinheiligsten Arbeitgeber, der im sozialen Pflegebereich tätig ist, sondern in diesem Zusammenhang für Geoinformationssysteme. Ein Manager für räumliche Daten, der das Ganze irgendwie schon richten wird. Ein typischer Frauenjob, denn Ruhm und Ehre gibt es dabei nur in den seltensten Fällen zu gewinnen. Aber: Da dürfen wir uns austoben und - man höre und staune - das alles zusammen mit den Männern, die dort auch schon manchmal zu finden sind, denn der Job fängt langsam an ernst genommen zu werden oder ist es vielleicht doch anders herum?
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Gleichberechtigung von Mann und Frau?
18.3.2010 by Erdwesen.
Eine Sache ist mehr als frappierend. Zwar wird immer und immer wieder auf Gleichberechtigung gepocht, aber seitdem das Erdwesen denken kann schon bekommen Frauen weniger Geld für die gleiche Arbeit (Aunahmen gibt es natürlich immer irgendwo) und sie arbeiten trotz höherer Qualifikation in niedriger angesiedelten Jobs. Seit spätestens den 70ern ist ein neuer Aspekt hinzugekommen, denn es ist jetzt offiziell gewollt, dass Frauen auch in Männerberufen arbeiten. Das ist nämlich fortschrittlich in Bezug auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau - aus Sicht der männlich dominierten Gesellschaft.
In dieser männlich dominierten Arbeitswelt ist es zu einem regelrechten Sport geworden, Frauen damit bei Laune zu halten, Ihnen seltsame Posten zu geben wie die der Frauenbeauftragten, um ihnen das Gefühl zu geben, mit entscheiden und mit handeln zu können. Dabei muss man sich immer vor Augen halten, dass so ein Posten gar nicht notwendig wäre, wenn es eine Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der deutschen Gesellschft tatsächlich real gäbe.
Irgendwo hat das Erdwesen mal gelesen, dass vor einigen Jahren, Deutschland in Bezug auf Frauenrechte vier Plätze hinter Saudi-Arabien lag. Und Saudi-Arabien gilt ja hier in Deutschland als das Land mit den wenigstens Frauenrechten schlechthin. Ob das aber wirklich so ist, kann wohl niemand, der nur hier lebt beantworten. Dort gibt es immerhin Unis für Frauen und Business-Messen für Frauen. Wenn man bedenkt dass es ohnehin eine geschlechtsspezifisch aufgeteilte Gesellschaftsordnung ist, in der z.B. die saudi-arabische Gesellschaft lebt, so ist dies eine logische Konsequenz, denn per Definition leben Frauen und Männer im öffentlichen Leben und auch in Teilen des privaten Lebens nunmal getrennt, was weder schlecht oder gut, sondern einfach anders als bei uns ist.
Was bedeutet es aber, wenn in der deutschen Gesellschaft z.B. Schulen für Frauen bzw. Mädchen eingerichtet werden? Das bedeutet Ausgrenzung - oder etwa nicht?Wir leben hier schließlich offiziell in einer gemischtgeschlechtlich orientieren Gesellschaft.
Also schicke ich die Mädchen in ihr eigenes Territorium, wo sie sich dann austoben dürfen und schon habe ich als männliches Wesen ein Problem - nämlich das der Konkurrentin - weniger. Also richte ich den Job der Frauenbeauftragten ein, was zwar eine in der Tat anspruchsvolle und fordernde Tätigkeit ist, aber letztlich ist es egal ob Frau K. mit Gehaltsstufe super-top-oberplus das macht oder Frau H. mit Gehaltsstufe weniger-ist-so-gerade-noch-passend. Die beiden werden ja schließlich aufgrund ihrer “beruflichen Qualifikation” bezahlt und nicht danach, ob Sie tatsächlich denken können oder nicht. Das Gute daran: man hält die Damen bei Laune, denn wer mit für ihn interessanten Dingen beschäftigt ist, der hadert kaum mehr mit seiner vielleicht miesen Arbeitsposition an sich und so wird bereits Mädchen suggeriert, dass ein Physik-Kurs nur von Mädchen besucht natürlich viel besser für sie sei, weil sie sich dann ja nicht schämen bräuchten, wenn sie mal ab und zu nicht so ein gutes technisches Verständnis haben, wie das der Jungen.
Soviel erstmal dazu.
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