Jennifer Roberson: Herrin der Täler, 1996 (702 Seiten)

Und wieder einmal hatte das Erdwesen ein sehr schönes Buch aus ihrer Sammlung erwischt, auf dass nun ein zumindest ebenso schönes Buch folgen musste. Doch könnte dieses nächste Buch mit dem vorhergehenden überhaupt konkurrieren?

Jennifer Roberson: Herrin der Täler, 1996 (702 Seiten)

Was für ein Buch! – Wie kann jemand 700 Seiten verfassen und eine so dramatische Geschichte erzählen, die auch noch auf Fakten basiert?

Das Erdwesen war wohl schon auf Seite 650 als es beschloss, nun doch einmal zu recherchieren, wie sich das Massaker von Glencoe einst zugetragen hat. Jennifer Roberson stellt alles in Frage, was das Erdwesen bisher an so genannten historischen Romanen gelesen hat. Bis auf einige wenige Fakten, die die beiden Hauptfiguren des Romans angehen, hat sie es tatsächlich geschafft, alles so zu schildern wie es sich Ende des 17. Jahrhunderts in Schottland tatsächlich zugetragen hat. Und selbst am Ende des Buches gibt sie noch einen Überblick, was mit den Protagonisten tatsächlich im Folgenden geschah. – Zugegebener Maßen hatte das Erdwesen sich kurz vor der entsprechenden grauenhaften Stelle, der das Massaker folgen sollte, innerlich schon fast geweigert, überhaupt noch weiter zu lesen. Wie grausam kann eine Autorin sein, derlei Übel zu schildern? Da war es ein Schock bei der Recherche herauszufinden, dass der Wahrheitsgehalt fast vollkommen ist.

Vordergründig ist es nur einer dieser historischen Liebesromane. Catriona Campbell und Alisdair Og MacDonald treffen sich in jungen Jahren, während ihre Clans eisern auf verschiedenen Seiten stehen. Da dauert es natürlich, bis sich die zwei dann letzten Endes auch gefunden haben und zum Glück basiert dieses sich-zuerst-nicht-finden nicht auf der Unfähigkeit der Beiden, sondern an den Umständen, unter denen sie aufwachsen und leben.

Etwa auf der Hälfte des Buches hatte das Erdwesen kurz die Befürchtung, wie es die Autorin wohl schaffen wird, diese Liebesgeschichte zu Ende zu erzählen ohne dass es dabei nur noch schleppend voran geht oder gar langweilig wird. Es wäre doch schade, wenn das Ende eines so hervorragend und offenbar mit äußerst viel Muße geschriebenen Buches in den üblichen Kitsch hinab gleitet.

Aber das Buch ist der absolute Hammer! Der Spannungsbogen wird bis auf einige, wenige Ausnahmen immer gehalten. Dabei halten sich „Standard-Sätze“, die die Basis des Romans bilden und neue „Vorkommnisse“ die Waage. Dies führt dazu, dass sich die geneigte Leserin wirklich mitten im Geschehen befindet. Nur die Hauptdarsteller müssen aus Sicht des Erdwesens einfach zu viel Schreckliches erleiden, aber es ist eine furchtbare Geschichte, eine gnadenlose Zeit in den schottischen Highlands.

Das Erdwesen hat noch nie so einen wirklich nah an der Geschichte geschriebenen Historienroman gelesen. Die meisten Bücher haben irgendwo im Hintergrund ein wenig „Historie“, jedoch niemals derart viele belegbare Fakten in sich vereint. Das alte schottische Hochland wird hier lebendig. Dies allein ist schon eine Leistung, denn die Schriftstellerin ist keineswegs in Schottland, sondern in Arizona beheimatet. Tatsächlich war sie nur einmal 1985 im Tal des Flusses Coe.

Das Ende dieses Romans überzeugt ebenfalls auf der ganzen Linie. Kein Happy End mit dem üblichen „Friede, Freude, Eierkuchen“ oder einem märchenhaften, denn das wäre bei dem Märchenprinzen mit den silbernen Strähnen und blitzenden Zähnen eher zu erwarten gewesen, „Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“, sondern eine distanziert geschilderte Situation beendet dieses beeindruckende Buch, welches das Erdwesen diesmal als „Mängelexemplar“ für 2,99 Euro gebrandmarkt, aus einem Bücherschrank geangelt hat.

Zum Glück leidet die Übersetzung ebenfalls nicht an Mängeln.

Gelegentlich finden sich Bücher, in denen das Erdwesen immer wieder „Übersetzungen“ findet, die auf die tatsächliche englische oder amerikanische Ausdrucksweise schließen lassen. Dies war hier an keiner Stelle der Fall. Bei so einer guten Übersetzung braucht sich also niemand mit dem Original-Text des „Lady of the Glen“ herumzuquälen. An der deutschen Fassung gibt aber auch wirklich nichts auszusetzen.

Jennifer Roberson hat zum Glück noch viele, viele weitere Romane geschrieben. Aber die Qualität dieser Erzählung zu halten, ist eigentlich unmöglich. Von daher ist es die Frage, ob das Erdwesen nun zu einem weiteren eBook von ihr greift oder aber das Buch für sich alleine wirken lassen wird. Es ist nicht verwunderlich, dass dem Massaker von Glencoe auch heute noch jährlich gedacht wird.

Über Erdwesen

Erdwesen ist ein Erdwesen! Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Erdwesen schreibt aber auch noch in einer Reihe von anderen Foren und es gibt auch Foren, in denen sie sich so unbeliebt gemacht hat, dass sie dort heute besser nicht mehr schreibt.
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