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Archive für Februar 2011
Der gläserne Mensch im Raum
24.2.2011 by Erdwesen.
Ein sehr interessantes Beispiel, was man mit gespeicherten Vorratsdaten machen kann, hat der Grünen-Abgeordnete Malte Spitz erarbeitet, indem er den Zugriff auf seine eigene Daten gerichtlich erwirkt hat. Entstanden ist eine unglaubliche Applikation, mit der Leben und Wirken dieses Abgeordneten detailliert nachverfolgt werden kann. Von jedermann.
http://www.zeit.de/datenschutz/malte-spitz-vorratsdaten
Wenn man sich jetzt vorstellt, dass man in diese Applikation die Vorratsdaten eines jeden Menschen standardisiert einspeisen könnte, müsste langsam jedem klar werden, wie gläsern der einzelne gemacht werden kann. Verstecken kann man sich eigentlich nur noch in der Masse, indem man nicht auffällig wird.
Im Zeitalter der ubiquitären Information kann man eine einzige wichtige Informationen nur noch in einer Masse aus uninteressanten Informationen verstecken, denn kaum jemand ist in der Lage, die richtige Frage zu stellen, um die wichtige Information ausfindig zu machen. Prinzipiell ist also alles jederzeit zugänglich, alle können zufrieden sein, aber es ist abhängig von der Fähigkeit des einzelnen, eine Information tatsächlich aufzuspüren.
Eine Gesellschaft verträgt nicht all zu viele Alphas. - Das ist das, was dem Erdwesen dazu immer wieder einfällt. Es ist also besser, Generationen von Schülern und Studenten möglichst viel Wissen einzupauken, ihnen aber nicht beizubringen, wie sie sich Informatinonen beschaffen können und wie sie diese gekonnt interpretieren und analysieren können, denn dann wird es viel schwieriger eine Gesellschaft so zu beeinflussen, dass sich etablierte Herren möglichst lange und profitreich halten können.
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Polly Evans: Wo die echte Kerle wohnen - Eine Frau auf Motorrad-Safari durch Neuseeland
23.2.2011 by Erdwesen.
Evans, Polly: Wo die echten Kerle Wohnen - Eine Frau auf Motorrad-Safari durch Neuseeland
(Englischer Titel: Kiwis might fly. Around New Zealand on two big wheels.).
Lesezeit: an 3 aufeinander folgenden Tagen
Dieses Buch fand das Erdwesen auf dem Wühltisch. Länderbeschreibungen sind immer nett, also griff das Erdwesen zu. Große Erwartungen an das Buch hatte sie nicht. Und tatsächlich beschreibt die Autorin nur Ihre Reise von Nord nach Süd einmal quer durch Neuseeland. Als Aufhänger nennt sie den angeblich aussterbenden Neuseeland-Mann, von dem die Autorin in einer Zeitung gelesen hatte und sie möchte nun prüfen, ob er wirklich vom Aussterben bedroht ist oder ob sie ihn doch noch irgendwo in der Wildnis aufspüren kann.
Das Buch ist weder wirklich gut, noch schlecht. Erkennbaren Sprachwitz gibt es nicht und auch der Satzbau ist nichts außergewöhnliches, was den Leser in irgendeiner Art und Weise fordern könnte. Das mag aber möglicherweise an der Übersetzung ins Deutsche liegen, denn da hat der Verlag sich wohl gedacht, dass die Deutschlesenden eher auf “Wo die echten Kerle wohnen” stehen als auf die Aussage “Kiwis might fly”. Wer weiß auch hier zu lande schon, dass Kiwis, den Pinguinen ganz ähnlich, auch nur laufen können, aber keinesfalls fliegen?! Das ewig wiederkehrende Thema mit den “echten Kerlen” wirkt aus dieser Perspektive ein klein wenig - ja was? - unpassend, aufgesetzt, seltsam - aber nun gut.
So beginnt denn die geneigte Leserin mit der Lektüre und gleich auf den ersten Seiten weiß sie nicht so recht, ob sie das arme Menschenkind, welches nun ausgrechnet ihre ersten Fahrversuche nach dem Führerschein auf dem Motorrad am anderen Ende der Welt aus machen muss, bemitleiden oder beneiden soll. Letzten Endes ist es wohl eher Mitleid und die ungelöste Frage: Wie kann es sein, dass ein Motorrad keinen weiteren Schaden außer einem zerbrochenen Topcase nimmt, wenn es ständig umfällt?! Spiegel und Hebel sind möglicherweise nicht so wichtig, auf den verkehrsarmen Straßen der Nordinsel… aber zum Glück findet die Autorin immer noch irgendwen, der ihr beim Hochwuchten der Maschine, einer 650er Suzuki Freewind, zur Seite steht.
Das Verhältnis zwischen Motorrad und der Autorin ist ein herzliches und zugleich im Verlauf des Buches sehr schon dargestelltes und facettenreiches. Sie spricht mit ihm und tätschelt es oder beäugt es wie einen ernstzunehmenden Gegner. Da gerät die Schilderung der neuseeländischen Nordinsel das ein oder andere Male fast in den Hintergrund. Als wäre die Auseinandersetzung mit dem Motorrad nicht schon schlimm genug, kommt dann auch noch die Auseinandersetzung mit dem neuseeländischen Lebensstil hinzu. Freundlichkeit, harte Arbeit und ein Alkoholkonsum, der seinesgleichen sucht. Erdwesen hätte vielleicht die Motorradfahrt geschafft und auch das Wolle-Auflesen, ganz sicher aber nicht die zahlreichen Biere, zu denen sich die Autorin genötigt sah. Englische Frauen scheinen doch trinkfester zu sein als ihre männlichen Landsleute.
Auf der Südinsel wird dann alles besser. Endlich kann die Autorin Vertrauen in ihre Fahrkünste fassen und sich so mehr Zeit für die Beschreibung der Landschaft und der Neuseeländer/innen nehmen, die sie auf ihrer Reise trifft. Fast hat man den Eindruck, sie wird von Bekanntem zu Bekanntem weiter gereicht. Die Fahrt muss lange dauern, aber wie lange genau, das hat das Erdwesen wohl überlesen. Ein paar Monate soll die Reise dauern und das tut sie dann auch wohl.
Viel interessanter als das Buch muss die Persönlichkeit der Autorin sein, die sich waghalsig ins Abenteuer stürzt und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und mit all ihrer Kraft versucht, einen wahrhaften Eindruck von Neuseeland zu bekommen und zu vermitteln. Es ist eine Reisebeschreibung mit dem Fokus auf die Menschen Neuseelands und doch hat das Erdwesen den Eindruck, dass diese Reisebeschreibung nur für die Autorin genau so wirken kann wie sie es tut. Ein normalsterblicher Neuseeland-Reisender wird kaum so viele Experimente machen, wie die Autorin beispielsweise bei den Schafscheerern. Da bleibt es dann für Nachahmer wohl eher bei der Betrachtung der atemberaubenden Landschaft und der neuseeländischen Gesellschaft von außen. Ja, vielleicht mangelt es dem Buch - insbesondere auf der Nordinsel - tatsächlich an fundierten Beschreibungen, die den Leser anspornen sich einmal selbst auf die Reise zu begeben.
Kein gutes Buch, kein schlechtes Buch. Aber wie gesagt, vor dem Buch, hatte sich das Erdwesen noch niemals für Neuseeland überhaupt interessiert und schöne Straßen scheint es insbesondere auf der Südinsel zu geben. Vielleicht brauchen Reiseberichte im 21. Jahrhundert auch einfach einen gesellschaftlichen Aufhänger, selbst wenn es sich dabei nur um den ausgestorbenen und inzwischen veränderten Kiwi-Kerl handelt, denn eigentlich ist ja schon jede Ecke des Planeten bekannt, die man mit einem Motorrad erreichen überhaupt erreichen kann.
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Ein Dr. für die Reichen und Schönen
23.2.2011 by Erdwesen.
Ganz offensichtlich haben wir einen sehr coolen Verteidigungsminister. Sehr cool.
Nachdem das Erdwesen gerade einen Auszug aus seiner Erklärung nach dem nochmaligen Lesen seiner Doktorarbeit am letzten Wochenende gelesen hat, bleibt ihm sozusagen nun die Spucke weg.
Mit einer einfachen Handbewegung wischt er einer komplette Promotionsarbeit weg, an der er angeblich sechs bis sieben Jahre lang gearbeitet hat (also so ca. von 1999 bis 2006). Und nun, vier oder fünf Jahre später, ist das alles ganz easy. Ist halt eben nicht so gut gelaufen. Ja, Himmel?! Warum stellt Ihr Euch alle so an? Ist halt aufgefallen, dass er nicht mehr durch die eigenen Hyroglyphen durchgestiegen ist. Was soll´s?
Okay, mit so einer Einstellung eines Adeligen, der gerade zufälligerweise auch noch eine recht hohe Position im politischen Leben bekleidet und der Verantwortung für eine größere Anzahl von Menschen hat, die in Afghanistan evt. auch “mal” abgeschossen werden können. Ich meine: wieviele von denen sind wohl adelig? Bestimmt nicht so viele, dass es Sinn macht, daran einen Gedanken zu verschwenden. Humankapital. Mehr nich.
Aber was dem Erdwesen wirklich zu denken gibt, ist nicht dieses beiläufige, schnodderige Art, mit der das Söhnchen aus gutem Hause zugibt, dass er den Dr. eben doch nich verdient hat, sondern es ist die Tatsache, dass für diese Arbeit tatsächlich das Prädikat “summa cum laude” also die höchste Lobhudelei vergeben wurde. Hätte er ein einfaches “befriedigend” oder “gut” erhalten, aber ausgerechnet eine “eins +++”?
Da fragt sich das Erdwesen, wie so eine Note überhaupt zu Stande kommen konnte. Haben nur Schwachmaten das Machwerk gelesen? Half da nicht doch eher die Herkunft aus “gutem Hause”, aus “angesehener Raubritterfamilie” oder was auch immer? - Wir können nur von Glück sagen, dass er nur der Minister in einem Ressort ist, wo auch seine Herkunft ihn unterstützt. Draufhauen und Kaputtschlagen. Das konnten ja offenbar auch schon die Ahnen sehr gut.
Aber wenn man sich ansieht, durch welche Ressorts so einige Mitglieder der hohen Politik sonst noch so schlenderten, kann man nur hoffen, dass er niemals Bildungsminister werden wird.
Ich weiss nicht, warum das Erdwesen so geschockt ist. Vielleicht weil es bisher zwar jeder wußte, dass man als einfaches Würstchen ohne Beziehung an der Uni nur mit Ach und Krach oder wirklich sehr, sehr großem Talent einen guten Abschluss erzielen kann. Nun ist das alles ganz offensichtlich. Jedes Gerede von gleichen Bildungschancen unabhängig von der eigenen Herkunft wurde hier ganz offiziell ad absurdum geführt. Warum nur, so fragt das Erdwesen, setzt nicht jemand genau hier die Debatte an?
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-10° Celsius an der Brücke im Sonnenschein
22.2.2011 by Erdwesen.
9 Uhr und -10°C. Es ist so kalt, dass dem Erdwesen schon nach 1,5 km Fahrradfahrt die Finger fast abgefallen sind. Da ist es auch nicht so schlimm gewesen, dass das mit dem Batterie-Einbauen am Wochenende wegen der berühmten Fehlenden Schraube (okay, eher Mutter) nicht geklappt hat. Erstens: massive Kopfschmerzen, zweitens: zum Fahren zwar perfekter Sonnenschein, aber leider absolut zu kalt.
Das Erdwesen meint: das ist der Golfstrom. Seine wärmende Wirkung fehlt inzwischen weitestgehend.
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