Gaby Hauptmann: Suche impotenten Mann fürs Leben (1995, 315 Seiten)

Gaby Hauptmann: Suche impotenten Mann fürs Leben (1995, 315 Seiten)

Nachdem das Erdwesen nun zwei Bücher lang in der höfischen Liebe hospitierte, versuchte sie es nun mal mit der Liebe im Jahr 1995. In den Genuss des Buches kam sie auf einem Scap-Gnoming-Event (Schrottwichteln) zu etwa Ostern (Corona).

Das Buch war ein Hit bei seiner Veröffentlichung und spielt wirklich in einer anderen Zeit. Herrje! Was war das Jahr 1995 für ein einfaches Jahr. Smartphones waren noch nicht erfunden und auch das Internet war noch nicht wirklich bekannt. Dafür gab es Annoncen in papiernen Tageszeitungen und eine davon gibt die spontane Carmen auf, die mit ihrem Freund Peter so überhaupt nicht mehr einverstanden ist, weil er ständig nur „das Eine“ will und sonst nichts.

In kürzester Zeit kann Carmen die ersten Antworten auf ihre Annonce, in der sie einen impotenten Mann mit Köpfchen sucht, in Empfang nehmen. Zusammen mit ihrer betagten Nachbarin Elvira wirft sie einen Blick auf die Männer, die sich auf den ungewöhnlichen Text melden und lernt in kurzer Folge ganz unterschiedliche Typen kennen, die nichts gemein haben, außer dass sie impotent sind.

Leider ist auch dies wieder eins dieser schrecklichen Clichée-Bücher der 90er. Carmen ist überaus attraktiv, ist aber zugleich eine ultimative Businessfrau mit eigenem Versicherungsbüro und einer Angestellten, die er vom Typ „graue Maus“ ist. Ihre Freundin Laura ist Lehrerin und macht gerade einen Trip nach Brasilien.

Die Ereignisse überschlagen sich und das Buch gibt der geneigten Leserin keine Sekunde Zeit zum nachdenken. Es ist in der Gegenwartsform geschrieben und weist jede Mange kurzer Sätze in schneller Folge auf. Und ganz genauso ist auch die Handlung der übervollen Geschichte. Geht es erst noch um einen Mann nach dem anderen, bekommen die Männer nach und nach eine Bedeutung.

Innerhalb von Stunden wähnt sich Carmen bereits als Motorradbraut und gleich darauf als Schlossherrin. Der Schlossherr allerdings ist, so kommt es durch eine Fotographie heraus, das Kind der ehemals besten Freundin von Elvira, die aus Deutsch Südwest Afrika stammt und hinter der bereits ein bewegtes Leben liegt. Ausgerechnet der reiche Schlossherr Stefan wird alsdann in eine Entführung verstrickt, während der Motorradfahrer Frederic zuvor bereits Elvira aus einer bedrohlichen Lage rettete.

Zeitgleich stellt Carmen sicher, dass sie auch garantiert keinen eingehenden Brief der impotenten Männer verpasst. Einige reicht sie gleich an eine weitere interessierte Dame weiter, die sich zu eben diesem Zweck auch auf ihre Annonce gemeldet hatte, doch dann trifft bei der Zeitung ein riesiges Paket ein. Es enthält ein als Kunstwerk verpacktes Rilke-Gedicht. Carmen schmilzt sofort dahin, während sie ein Date mit einem weiteren Kandidaten verpasst, verschiebt, was auch immer.

Das Gedicht wurde von Daniel in Szene gesetzt. Für die geneigte Leserin ist es nicht ersichtlich, warum dieser nun ausgerechnet der tatsächliche Favorit sein soll, denn zunächst einmal sind für Carmen alles Favoriten. Ihr Freund Peter meldet sich selbstredend zwischendurch auch noch mal, kann aber abgewimmelt werden. Als große Happenings werden in dem Buch zahrleiche italienische Menüs bestellt, immer auf gutem Porzellan zu Hause angerichtet und es wird noch mehr Champanger und Wein getrunken. Das Erdwesen wäre jedenfalls nur noch Hacke gewesen, aber hier haben wir es ja auch nicht mit dem Erdwesen sondern mit Super-Woman Carmen zu tun. Die verträgt das.

Sowohl der Motorradfahrer Frederic als auch der Rilke-Kenner David sind emsig bemüht um das Wohlergehen der Damen. Laura kehrt aus Brasilien zurück und ist sofort von dem jüngeren Frederic begeistert, während es Carmen nun endgültig auf David abgesehen hat, nachdem der Schlossherr (noch vor seiner Entführung) mehr als zudringlich geworden war. Elvira ist trotzdem völlig begeistert, dass sie das Kind ihrer alten Freundin aus Deutsch-Südwest wiedergefunden hat und kümmert sich um den Schlossherrn, der traumatisches erlebt haben muss und einer – inzwischen verstorbenen – Verwandschaft gegenüber steht, die vielleicht sogar einen Vater ermordeten, um den guten Ruf der Famlie zu wahren und vor allem die erquicklichen Geschäfte mit Diamanten nicht zu gefährden.

David schleppt die hippe Carmen mit einem geliehenen Wolfshund Kain über Stock und Stein und landet natürlich mit ihr im Bett. Doch irgendwas stimmt definitiv nicht mit ihm. Carmen mutmaßt, es liegt an seiner Impotenz. Er muss sich vielleicht schrecklich schämen, weicht jedenfalls jedes Mal zurück, wenn sie zudringlich wird. Das passt nicht in Carmens Weltbild, die schließlich schon – waren es drei? – Tage Entzug von ihrem Peter zu erleiden hat.

Was also tun? Ist David wirklich unwiederbringlich impotent? Das kann und darf nicht sein!

Carmen und Laura setzen alle Hebel in Bewegung, um ihm wieder auf die Srünge zu helfen. Carmen sucht eine Psychotherapeutin auf (war das am vierten Tag, nachdem sie David kennen gelernt hat?). Die Psychotherapeutin kennt sich mit allen hilfreichen Mittelchen aus, die sicherstellen, dass alle Herren der Schöpfung doch noch können, jedoch soll David zu ihr kommen, wenn seine Störung doch psychischer Natur ist.

Dann wird es noch skuriler als es die ganze Zeit schon war. Laura findet die Anzeige einer Weisen Frau, die den vollumfänglichen Überblick über alle Potenzmittel der Welt zu haben scheint. Carmen lässt bei ihr an einem einzigen Nachmittag 500 DM zurück und greift nun erstmals im Buch selbst zu Kochtopf und Löffel. Mit Kresse-Suppe (ein Rezept der grauen Maus, ihrer Angestellten), Spargel an Sauce Hollondaise und einer Zimt-Eis-Nachspeise mit einer unvergleichen Soße aus allerlei anregenden Gewürzen, wagt sie sich an David heran. Er ißt alles brav aus und gerät komplett aus dem Häuschen, genau wie sie. Es gibt noch eine kurze Verwirrung zum Beinwell und Mannstreu, welches eventuell doch in der Suppe statt einfach nur unter Kopfkissen und Bett gelandet ist, aber da stürzt David auch schon vom Schlafzimmer auf die Toilette und kommt käsebleich wieder heraus. Ganz kurz plagen die übereifrige Carmen Gewissensbisse ob ihrer Kochkünste. Aber wirklich nur ganz kurz!

Da David trotz der ganzen, überaus teuren Aktion immer noch keine Anzeichen von Potenz zeigt, gehen Carmen und Laura in die nächste Phase. Er wird ohne es zu wissen zur Psychologin geschleppt. Offiziell ist es ausgerechnet Lauras Psychotherapeutin, die ein Kind von ihrem Ex erwartet, während der impotente Frederic sich schon mit der kommenden Vaterschaft arrangiert hat.

Doch owei! Es ist alles anders als man denkt. Ich denke, mittlerweile haben das Buch schon alle Interssierten (w) gelesen, so dass ich auch noch den Schluss erzählen kann. Es war nicht wirklich zu erwarten, dass wir in diesem Buch noch erleben, wie auch ein Mann mit Impotenz eine glückliche Beziehung führen kann.

Die Psychologin entpuppt sich als Schwester der Ex von David. Die zählt eins und ein zusammen, denn ihre Schwester hat David vor zwei Jahren verlassen, weil er ihr ein wenig zu potent war. Carmen versteht erstmal gar nichts, aber in Windeseile kommt heraus, dass David Carmen bei ihrem ersten Date mit einem Impotenten unfreiwillig belauscht hatte und sie daraufhin als schmackhafte Beute auserchoren hatte. Und wenn er den Impotenten geben musste, um die Beute zu erlegen, schien ihm das ein probates Mittel. So kommt dann doch noch ad hoc zusammen, was zusammen gehört und wenn sie nicht fremd gegangen sind, sind sie auch heute noch ein sehr aktives Paar.

Oh Du lieber Himmel! – Wie abartig ich diese Bücher aus meiner imaginären Reihe „Frau in der Gesellschaft“ finde. Und das Buch ist auch noch bei Piper verlegt worden. – Zumindest war es damals der ultimative Bestseller und das Erdwesen hat es ja nun auch gelesen. Nun aber schnell zurück in den Bücherschrank.

Mal sehen, was das Erdwesen noch alles im Regel stehen hat.

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Susan Coppula: Lady Jenny (1988, 490 Seiten)

Susan Coppula: Lady Jenny – Ein Roman aus der Zeit der höfischen Liebe (1988, 490 Seiten)

Nachdem die eine junge Lady nun einen Viscount abbekommen hat, muss auch Lady Jenny verheiratet werden. Diese Geschichte ist allerdings weit tragischer aufgebaut.

Lady Jenny stammt aus einer angesehenen Familie de Macy. Die Unruhen zwischen England und Frankreich sowie die Krankheit ihres Vaters machen es notwendig, die locker erzogene Jenny zu verehelichen. Das ist natürlich gar nicht so einfach, denn Jenny ist es gewohnt, ihren hochverehrten Vater zu vertreten und auch hier haben wir es mit einer wenig lady-liken Persönlichkeit zu tun, die in einer Männerwelt aufwuchs. Ihr Vater versucht zu retten, was zu retten ist und vermittelt sie an einen erst gerade in den Adelsstand erhobenen Bauern mit Vornamen Hugh, der jedoch einen wirklich edelmütigen Charakter hat.

Leider hat Jenny so ihre eigenen Ansichten, was ein attraktiver Mann ist und was nicht und wird natürlich von einem anderen, der allerdings ein ziemlicher Fiese-Möpp ist, schwanger. Nach langem Hin und Her adoptiert Hugh durch die Heirat mit Jenny das ungeborene Kind und betrachtet es fortan an seins, denn er ist – so glaubt er es zumindest – zeugungsunfähig.

Jenny behält auch während ihrer Heirat das Zepter in der Hand, muss Schicksalsschläge hinnehmen und der arme Hugh kann einem das ein oder andere Mail schon wirklich leid tun. Überhaupt ist es merkwürdig hier ein Buch vor sich zu haben, wo die Haupt-Protagonistin gleich eine ganze Reihe von Charaktermerkmalen mitbringt, die sie beim lesenden Erdwesen eher unbeliebt machten. Ich denke schon, dass das die Absicht der Autorin war, denn im Verlaufe des Buches zeigt sich dramatisch die Leuterung der Lady Jenny. Nur kommt diese Leuterung überhaupt nicht glaubwürdig daher. Der Aufbau passt nicht dazu, zu groß sind die Diskrepanzen zwischen den Eheleuten.

Das Buch liest sich zwar sehr kurzweilig, aber auch das ist weder gut noch schlecht. Es plätschert so dahin und der Schluss ist zwar schlüssig, aber doch nur mäßig nachvollziehbar. Natürlich wird auch hier alles gut, aber mehr von diesen Büchern braucht wirklich niemand.

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Wolf Harlander: Systemfehler (2022, 494 Seiten)

Wolf Harlander: Systemfehler (2022, 494 Seiten)

Bei „Systemfehler“ handelte es sich seit sehr langer Zeit mal um eine Buch, welches das Erdwesen tatsächlich an einem Bahnhofskiosk gekauft hat. Wolf Harlander ist ein schriftstellerisch tätiger Journalist, was man dem Buch leider auch anmerkt. Viel echtes schriftstellerisch-sprachliches Potential scheint er leider nicht zu haben. Der Pluspunkt des Buches liegt wohl auf einer sehr sorgfältigen Recherche dessen, was passieren wird, wenn sich ein zunächst einmal unbesiegbarer Internetvirus verbreitet, indem er die wichtigen Netzknoten besetzt und nach und nach die uns versorgenden Systeme ausfallen lässt. Das das alles auch passieren kann, wenn jemand einfach eine Leitung wie Nordstream sprengt, konnte Wolf Harlander wohl auch nicht voraussehen. Zu unwahrscheinlich war das Szenario.

Das Buch ist keine Leseschmaus, vielmehr beleuchtet er anhand verschiedener Figuren, welche Auswirkungen ein Internetausfall hat. Das Erdwesen hat das nicht sonderlich irritiert. Viel eher denkt es, dass das Buch noch reichlich, wirklich reichlich geschönt daher kommt und uns die Realität wesentlich härter treffen wird. Um das Buch verkaufen zu können, hat sich Harlander eine Art Kriminalfall im Hintergrund spielend ausgedacht, aber das ist alles sehr an den Haaren herbeigezogen und wirkt leider recht stümperhaft angelegt, um zu kaschieren, dass es sich bei dem Buch um eine detaillierte Faktensammlung handelt.

Etwas peinlich wird es an einigen Stellen auch. Das Erdwesen weiß ziemlich genau wie der Amtsschimmel wiehern kann, aber das was Harlander hier präsentiert, ist nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig, sondern unterschätzt den Amtsapparat und die Hartnäckigkeit einzelner Sachbearbeiter (m/w/d) doch gewaltig. Seine Darstellungen sind teilweise einfach schwer zu ertragen. Ein klarer Beweis, dass der Gute hier noch argen Nachholbedarf hat, wenn es um die Arbeitsweisen in einer Verwaltung geht. Aber seis drum. Ein großer Leseschmaus war`s wahrlich nicht, aber ich bin sicher, wir gehen diesem Szenario in einer wesentlich (!) schlimmeren Ausprägung entgegen und das wird sicher nicht kommen, weil irgendein Virus eingesetzt wird, sondern es wird durch schlichte Explosionen an wichtigen Leitungsnetzen Realität werden.

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Johanna Lindsey: Das Geheimnis ihrer Liebe (1988, 319 Seiten)

Johanna Lindsey: Das Geheimnis ihrer Liebe (1988, 319 Seiten)

Nach „Nebra“ und „Systemfehler“ wurde es Zeit für etwas Enstpannung in einer Zeit, die sich heute ohnehin nicht mehr nachvollziehen lässt. Im Nachhinein habe ich an dieses Buch jetzt keine besondere Erinnerung. Es ist eines dieser Bücher, die weder gut noch schlecht sind. Sie plätschern irgendwie dahin und ab und an fragt man sich, wie jemand auf so eine abstruse Geschichte gekommen ist.

Die junge Regina wurde jedenfalls von ihren Onkeln erzogen, nachdem ihre eigenen Eltern ums Leben kamen als sie noch ganz klein war. Die Onkel sind alle Mitglieder einer recht großen Familie, die mit allen Wassern gewaschen ist und jeder hat auf seine Art, der Nichte als Ersatzvater etwas mit auf den Weg gegeben. So hat Klein-Regina allerhand lernen können, was sie nicht unbedingt lady-like agieren lässt, aber das ist eben auch die Voraussetzung, dass sie schlussendlich die Ehefrau des Viscount von Montieth wird. Dass dabei Händler, Spieler und Piraten auch noch eine Rolle spielen, macht die Sache nicht einfacher.

In Teilen zumindest wird es das Buch tatsächlich recht spannend und ganz zum Schluss wird natürlich auch noch alles gut und die Onkel sind mit dem neuen Familienmitglied, dem Viscount, auch ganz zufrieden. Leider kann sich das Erdwesen nichtmal mehr an den tatsächlichen Hergang erinnern. Ohje, ohje, ohje. Ist vielleicht einfach schon zu lange her.

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Thomas Thiemeyer: Nebra (2009, 507 Seiten)

Thomas Thiemeyer: Nebra (2009, 507 Seiten)

Wenn Geographen Bücher schreiben, dann kann das ein ganz schöner Reality-Mix werden und der ist Thomas Thiemeyer sehr gut gelungen. Obwohl das Buch „Nebra“ heißt, hat es doch weniger mit der Himmelsscheibe als viel mehr mit der sagenumwobenen Gegend des Harzes zu tun.

Zwischenzeitlich geht es noch nach John O’Groats zu dem Türmchenhotel am Fährhafen zu den Orkneys. Wenn das Erdwesen nun auch noch irgendwann die Muße findet, sich die Himmelsscheibe im Landesmuseum anzusehen, wird alles gut.

Gerade hatte das Erdwesen das Werk komplett gelesen, als das furchbare Feuer auf dem Brocken, gleich neben der Ortschaft Schierke auch schon bittere Realität wurde. Es breitete sich genau so aus wie in dem Buch beschrieben, nur konnte es kein Dämon zurückrufen, sondern es musste unter anderem mit italienischen Löschflugzeugen gelöscht werden. Tatsächlich kam es auch zu dem von Thiemeyer beschriebenen unterirdischen Brand, der eine Zeit lang die allergrößten Probleme bereitete. Gute Recherche und interessantes Buch, wenn man auch Fantasy zu schätzen weiß.

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Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 2 (1977, 127 Seiten)

Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin 2 (1977, 127 Seiten)

Dieses Buch besteht aus drei Kurzgeschichten. Die dritte ist etwas langatmig, aber kommt zu einem guten und sehr normalen Ende.

Tatsächlich ist diese extrem alte Ausgabe endlich Mal eine, die das Erdwesen überhaupt lesen mochte. Heute Science Fiction zu schreiben, scheint kaum noch möglich zu sein. In den 70ern hingegen entstanden noch sehr gute Stories.

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José Manuel Fajardo: Brief vom Ende der Welt (1996, 190 Seiten)

Was liest man nach einem Frühmenschenabenteuer mitten in Afrika? Da das Bücherregal des Erdwesens auf den ersten Blick nichts hergab, entschied sie sich für ein Buch, welches aber ganz sicher wirklich nicht als Anschlusslektüre passte und in überaus großer Schrift abgedruckt war.

José Manuel Fajardo: Brief vom Ende der Welt (1996, 190 Seiten)

Das Buch ist ein Brief eines Seemanns an seinen Bruder in die Heimat. Der Seemann war Teil der Expedition von Christoph Kolumbus nach „Indien“, also Hispaniola. In einer alten Sprache setzt sich der Seemann immer wieder hin und berichtet seinem Bruder von Freud und Leid in der Fremde. Doch wird der Bruder diesen sehr langen Brief jemals erhalten?

Durch den Seemann erfahren wir, was sich im Fort La Navidad zutrug und warum kein einziger der zurückgelassenen Seefahrer dieses Expedition überlebte. Es ist ein anklagendes Buch, denn mit den Augen seiner Zeit berichtet der Seemann von den grauenhaften Veränderungen, die aus dem Warten im Nirgendwo und dem Ruf des legendären Goldes der Indianerstämme aus Seeleuten Verbrecher und Vergewaltiger macht. Auch der Seemann selbst ist nicht ohne Fehl und Tadel, besinnt sich aber dennoch immer auf die Werte, die sein Leben prägten und viel gesunden Menschenverstand. Es fällt ihm schwer, die Gräueltaten der anderen hin zu nehmen, auch wenn er kaum daran etwas ändern kann, denn mitgefangen bedeuetet hier auch mitgehangen.

Deutlich wird in seiner Schilderung immer wieder, dass die vermeintlich „Wilden“ über ein ausgereiftes Wertesystem verfügen, wie die Christen es meinen mit ihrer Christenheit allein, gepachtet zu haben. Die Naivität auf beiden Seiten erlaubt, dass das Böse gnadenlos um sich greift und dass gegen die Nachfolgenden Christen nichts auszurichten sein wird, so lange auf der indianischen Seite nur unzivilisierte Wilde gesehen werden.

Am Ende kommen wirklich alle Seeleute um, außer ein einzelner jüdischer Konvertit, dessen Spur sich verliert. Auch der Briefeschreiber, der sich bereits vollkommen in die Welt der vermeintlich Wilden integrierte, muss seinen Brief unvollendet belassen und kann ihn nicht mehr unterzeichnen. Aber der Brief geht nicht verloren, denn gefunden wird er Jahre später bei einem indianischen Stamm. Dieser wird erobert, wie alles erobert wurde und so gelangt der Brief wieder in die Hände der Eroberer, die jedoch beschließen, die kühnen Gedanken des Seemanns niemals mehr ans Licht der Öffentlichkeit gelangen zu lassen, weil dies der eigenen Sache, hier der Sache des katholischen Königs Don Fernando von Kastilien immens Schaden könne. Es ist besser, Wilde bleiben Wilde und Christen bleiben Christen und so wandert der Brief ins Archiv des Bischofs von Burgos.

Das ist kein schönes Buch, aber es ist ein wahres Kunstwerk.

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Popescu, Petru: Die Vergessenen von Eden (1996, 541 Seiten)

Popescu, Petru: Die Vergessenen von Eden (1996, 541 Seiten)

Auch dieses Buch hatte sich das Erdwesen irgendwann aus einem Bücherschrank geangelt. Neben Ayla gibt es nicht viele Bücher, die sich mit anderen Menschenarten aus der grauen Vorzeit beschäftigen. Diese Geschichte spielt in Kenia in der Nähe des Mau-Gebirgszuges sowie im von Aufständen und Revolten durchgeschüttelten Nairobi. Da verwundet es kaum noch, dass der Autor ein Rumäne ist, der seit vielen Jahren in Beverly Hills ansässig ist.

Petru Popescu liefert eine aufwühlende Geschichte, die zwar im Hier und Heute spielt, jedoch den Hauptdarsteller Ken Lauder in eine wahrlich andere Welt entführt. Er und sein Studienkollege, ein Massai aus den höchsten Regierungskreisen Kenias entdecken aus der Luft vorzeitliche Fußspuren und halten diese zunächst für zwei Millionen Jahre alte Fossilien. Beide sind junge Paläontologen, die sich wissenschaftliche unbedingt profilieren wollen und so versuchen sie, das Geheimnis zu entschlüsseln und entdecken tatsächlich weitere Fossilien.

Das Buch ist nicht perfekt, aber offenkundig sehr gut recherchiert. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Erzählsträngen. In einem Strang findet Ken Lauder tatsächlich eine Restpopulation von Australopitheciten in den zwei Ausprägungen grazil und robust. Diese sind aus zunächst unerklärlichen Gründen miteinander verfeindet. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die grazile Ausprägung der Frühmenschen höher entwickelt als die robuste Ausgabe, die sich noch vorwiegend hangelnd fortbewegen und so typische Bergwaldbewohner sind. Ken Lauder verfolgt zunächst einen jungen Austrapitheciten der grazilen Ausprägung in der Savanne und nach und nach gelingt es ihm mit ihm zu kommunizieren. Tatsächlich ist dies schwierig, da sich der moderne Mensch fast nur noch durch Lautsprache äußert. Zwei Millionen Jahre früher war Sprache jedoch noch nicht entwickelt. Zwar konnten die Menschen damals bereits differenzierte Laute von sich geben, jedoch nicht sprechen. Durch das Leben in der gefährlichen Umgebung gelingt es Ken Lauder sich dennoch aus purer Not, ausreichend zu artikulieren, mit Gebärden und offenbar auch mit einer Art Gedankenübertragung sowie starken emotionalen Ausdrücken des Gesichts und weiteren dazu passenden Gesten. Ob er diese Geschichte seines Lebens überleben wird, ist sehr lange Zeit nicht klar und für die Geschichte womöglich auch gar nicht so wichtig. Denn Ken zeigt mit all seinem Tun, dass er wirklich Wissenschaftler um der Wissenschaft willen ist.

In diesem Strang der Geschichte beweist der Autor eindrucksvoll, wie eine Gesellschaft vor zwei Millionen Jahren funktioniert haben könnte. Es ist wirklich gut durchdacht, sehr ausführlich und überaus facettenreich!

Der andere Erzählstang bringt mehr „action“ in das ganze Buch. Für das Erdwesen war es allerdings etwas zu viel.

In Nairobi geht es hektisch zu: Gerade ist die Regierung noch im Amt, schon gibt es einen Putsch. Diverse Personen in einflussreichen Positionen wechseln von einer Seite auf die andere und dann genauso schnell wieder zurück, wenn es nur irgendeinen persönlichen Vorteil bringt. Die Sache mit den womöglich noch lebenden Frühmenschen ruft dann auch einige besonders unverforene Geldmacher auf den Plan. Die Geschichte ist alles in allem aus unserer europäischen Sicht komplett übertrieben, aber wer weiß das schon genau und Nairobi ist schließlich nicht Bonn!

Dem schillernden weißen Wissenschaftler Cyril Anderson ist jedes Mittel recht, auch weiterhin im Rampenlicht zu stehen. Er bedient sich unverfroren wissenschaftlicher Dokumente Dritter, die dabei den Tod finden. Tatsächlich sind in Afrika Menschenleben nicht wirklich viel wert und in dieser Beziehung hat sich der Wissenschaftler perfekt mit den Gegebenheiten arrangiert und verfolgt begierig sein Ziel, das große Geld mit den entdeckten Australopetheciten zu machen, auch wenn er nur ahnt, dass es sie gibt, es aber nicht sicher weiß. Hinzu kommt seine persönliche Abrechnung mit diesem und jenem und je mehr Menschen er zur Strecke bringt, desto einfacher wird es. Zum Schluss mischt neben dem Nairobischen Polizeichef sogar ein Manager von Shell mit, die plötzlich ihr Faible für die Erretung aussterbender Menschenrassen entdecken. Besser wird die allgemeine Hetzjagd, die in Gang kommt dadurch natürlich nicht. Hinzu kommt auch noch die Flucht der Regierungsfamilie des jungen Paläontologen, der seinen Freund Ken mit allen Mitteln aus der misslichen Situation inmitten der Savanne Dogliani am Randes des Mau zu retten versucht, jedoch auch loyal zu seinem Vater und den Traditionen stehen will.

Man merkt schon. Selbst für ein Buch mit 541 Seiten ist das ganz schön viel, besonders wenn man bei der Leserschaft kein Wissen voraussetzen darf, um der Geschichte hundertprozentig folgen zu können.

So beschränkte sich das Erdwesenn beim Lesen auf den wissenschaftlichen Strang mit Ken Lauder und den Frühmenschen. Tatsächlich hatte sie den ganzen anderen, ebenso eingeführten Chrakteren zu Beginn womöglich nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdient hätten. Das führte dazu, dass die Nairobi-Geschichte noch etwas harscher daher kam, als sie tatsächlich vielleicht ist. So kann ich nur mutmaßen, dass der Autor sie absolut durchdacht hat. Nichts geschieht einfach so. Alles ist aufeinander aufgebaut und eine Folge von irgendetwas. Nur leider ist es dermaßen viel, dass das Erdwesen beim Lesen irgendwann abschaltete, denn sie interessierte eigentlich nur noch, was nun aus den Frühmenschen wird und hatte nicht mit diesem zweiten, ebenfalls überaus spannenden Erzählstrang gerechnet.

Zu allem Überflüss darf natürlich auch noch eine herzzerreißende Liebesgeschichte in dem Buch nicht fehlen, denn natürlich hat die Schwester des Massai-Freundes von Ken ein Auge auf ihn geworfen und auch die grazile Anführerin findet Ken keineswegs abstoßend! Stoff für 1500 Seiten in 500 zu pressen, muss man erstmal hin bekommen.

Am Ende wird alles so gut wie es werden kann. Die edle Wissenschaft siegt, Kenia geht nicht unter und wenn sie sich nicht doch noch in die Haare bekommen haben, leben zumindest alle Guten glücklich bis ans Ende aller Tage! Aus dieser Sicht ist es dann doch wieder ein wirklich perfektes Buch.

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Nora Roberts: Im Licht des Mondes (2003, 416 Seiten)

Nora Roberts: Im Licht des Mondes (2003, 416 Seiten)

Dachte das Erdwesen schon bei den vorherigen beiden Machwerken, das sei mäßige Kost gewesen, so zeigt sich von Mal zu Mal, dass es doch noch schlimmer kommen kann. Und das kam so:

Mia Devlin lebt seit ihrer Kindheit auf einer Insel. Doch sie hatte ein schweres Schicksal, denn sie wurde vor 10 Jahren von Sam Logan, ihrer Sandkastenliebe grundlos verlassen. Sam machte sich auf nach New York um seinem Vater zu zeigen, was für in toller Business-Man in ihm steckt. Aber auch Mia war derweil nicht träge und baute sich etwas eigenes, nämlich eine florierende Buchhandlung, in dem touristisch attraktiven Insel-Ort auf.

Sam jedoch kehrt zurück auf die Insel und versucht seine Mia zurück zu gewinnen. Soweit so gut! Daraus lässt sich eine Geschichte erdenken, die durchaus 416 Seiten füllen kann. Sollte man meinen!

Leider sagte das Cover kein Wort darüber, dass es sich bereits um den vierten Teil einer Trilogie handelt. Ja richtig: Vierter Teil einer Trilogie. Das hat das Erdwesen daraus geschlossen, dass versteckt im Innenteil irgendwo gesagt wird, es sei der dritte Teil einer Trilogie. Tatsächlich finden sich dann jedoch schon drei Buchtitel aufgelistet. Dieser Buchtitel zum gleichen Thema ist jedoch anders. Also muss es der vierte Teil einer Trilogie sein… Bastei Lübbe eben.

Das Buch entpuppt sich dann letztlich als eine Art merkwürdiger Spukgeschichte. Mia und ihre zwei seelenverwandten Schwestern versuchen die Insel dank ihrer Hexenkraft vor einem bösen Schicksal zu bewahren. Nur haben sie allein kaum die Möglichkeit, diese grässliche Macht zu besiegen. Aber auch Sam besitzt Dank seiner Herkunft die geforderten Fähigkeiten als Hexer.

Das skurille Dreiergespann Mia (Buchhändlerin) und ihren beiden Freundinnen (Partyservice, female Sherriff) muss sich folglich mit Sam verbünden. Die Ehemänner (einer davon Parapsychologe) der beiden Freundinnen helfen dabei kräftig mit, da sie wissen, dass die ganze Insel auf dem Spiel steht.

Was eigentlich besiegt werden soll, wird nicht gesagt, auch wenn es sich gelegentlich als wilder Wolf manifestiert, aber dennoch gibt es zum Schluss einen riesigen „Kampf“, in dem die böse Macht verliert. – Ohne Worte!

Tatsache ist: Du hast 250 Seiten gelesen und denkst Dir, „Mensch, die stellen sich ja blöde an, um wieder zusammen zu kommen.“ Und dann merkst Du: Das hier ist eigentlich eine Spukgeschichte?! – Was machst Du dann mit den restlichen 200 Seiten? – Augen auf und durch, sagte sich zumindest das Erdwesen.

Nora Roberts, besser nicht wieder!

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Julia Ross: Der Preis der Versuchung (2002, 461 Seiten)

Nach einem Schundheftchen bot sich dieses Buch allein schon aufgrund des herzerfrischenden Covers an!

Julia Ross: Der Preis der Versuchung (2002, 461 Seiten)

Das Erdwesen musste eine Ewigkeit lesen und das deutet daraufhin, dass es sich hier um keine wirklich schlüssige Geschichte handelt. Noch auf Seite 250 überlegte das Erdwesen: Ist dies nun eine besonders ausgefeilte Geschichte oder ist sie einfach nur besonders dämlich?

Ein Viscount, der seinen gesamten Besitz und mehr in einem Kartenspiel verliert ist zunächst keine schlechte Ausgangssitutation für ein Buch in einer Zeit, wo man sich noch mit Pferd und Wagen fortbewegt und Frauen, die ihre Männer verlassen noch stigmatisiert werden und verdammt sind, von der Wohlfahrt zu leben.

Genau so eine Frau ist Juliet Seton, aber natürlich haben wir es auch bei ihr mit einer emanzipierten Frau ihrer Zeit zu tun, denn sonst wäre die Geschichte ja wirklich langweilig. Sie hat es geschafft ihrem Noch-Eheman zu entkommen, indem sie nun als „Witwe“ lebt und sich so zumindest ein bescheidenes Auskommen selbst sichern kann, ohne allzu sehr aufzufallen. Zusammen mit ihrem Katzen bewohnt sie deshalb ein kleines Haus am Dorfrand und natürlich ist sie Anfang Zwanzig und der Liebreiz in Person. Sie gilt als eiserne Witwe und so kommt es, dass der Viscount von seinen Kumpanen aufgefordert wird, entweeder sein Vermögen auszuhändigen oder aber genau diese bildhübsche Witwe mit dem Namen Juliet Seton binnen kürzester Zeit zu verführen.

Die Verführungsgeschichte gestaltet sich dann auch etwas arg langatmig, aber letzten Endes wird natürlich auch hier alles gut. Der Viscount ist gar nicht so schlecht wie sein Ruf, der Noch-Ehemann kommt irgendwann zu Tode – so ganz genau kann es das Erdwesen nach dieser langen des Nicht-Hier-Aufschreibens-Zeit es nicht mehr sagen – und natürlich zieht die schöne Juliet dann auf das Schloss des Viscounts!

Noch ein Buch von Juliet Ross lese ich besser nicht. Das war eine ganz schöne Quälerei.

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