Klewe, Sabine / Conrath, Martin: Das Geheimnis der Madonna (2007, 220 Seiten)

Klewe, Sabine / Conrath, Martin: Das Geheimnis der Madonna (2007, 220 Seiten)

„Das Geheimnis der Madonna“ gehört zur Reihe der Hansekrimis. Offenbar handelt es sich alles samt um Krimis, die zur Blütezeit der Hanse in den jeweiligen Städten spielen. Dieser Krimi beginnt in der Brüderkirche in Lippstadt, wo durch „Pfusch am Bau“ durch Zufall eine eingemauerte Leiche entdeckt wird, die drei 10 Jahre alte Münzen bei sich hatte. Doch wer ist der Tote und warum wurde er ausgerechnet hier lebendig begraben?

Sabine Klewe und Martin Conrath führen die Leserschaft geschickt durch die Straßen des alten Lippstadt, welches sie schlicht „Lippe“ nennen. Stilistisch spielt die Geschichte im Jahr abwechselnd im Jahr 1338 und im Jahr 1348. Beide Handlungsstränge entwickeln sich unabhängig voneinander fort, bis tatsächlich im Jetzt des Jahres 1348 die Wahrheit ans Licht dringt. Dabei stehen historische Details offenkundig im Vordergrund, um das Leben zur Blütezeit der Hansestädte eindrucksvoll zu schildern.

Es ist ein gelungenes Buch, welches mit interessanten Erkenntnissen aus damaliger Zeit aufwartet. Das Erdwesen wusste beispielsweise noch nicht, dass zu dieser Zeit die Stunden im Sommer und im Winter tatsächlich unterschiedlich lang waren, da man das Tageslicht als Maß nahm, während die darin enthaltene Anzahl an Stunden gleich blieb.

Ob das Buch tatsächlich „nah am damaligen gesellschaftlichen Puls der Zeit“ geschrieben ist, vermag das Erdwesen nicht zu sagen. Ihr fiel beim Lesen lediglich auf, dass die Frauen damals nicht weniger oder mehr emanzipiert waren als heute. Die Autoren widmen sich keinem besonderen gesellschaftlichen Thema, wie dies in historischen Romanen durchaus üblich ist. Das macht das Buch an sich recht „modern“ und schnell zu lesen. Dazu kommt der recht einfach gestrickte Kriminalfall, den es zu lösen gilt und der einen insgesamt guten Unterhaltungswert besitzt.

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Bertram, Gerit: Die Goldspinnerin (2010, 510 Seiten)

Bertram, Gerit: Die Goldspinnerin (2010, 510 Seiten)

Nach dem Ausflug zu Kelten und Römern, was läge da näher, als zurück zu kehren in die bedeutende Hansestadt Lübeck und in das Jahr 1396? – Das ist natürlich eine heftige Kombination. Wie schneidet ein Buch ab, nachdem man gerade eines gelesen hat, welches „perfekt“ ist und ein anderes, welches das alte Lübeck bereits grandios zum Leben erweckte?

Und da sind wir auch schon bei den Besonderheiten dieses Buches, denn in Wirklichkeit handelt es sich bei der Autorin „Gerit Bertram“ um ein Autorenpaar, welches sich erst kürzlich übers Internet zusammengefunden hat und bei dem es sich um eine Frau und einen Mann handelt. Leider wusste das Erdwesen um diesen Sachverhalt schon bevor sie das Buch las und das führte dazu, dass sie bestimmte Passagen klar der Autorin und andere klar einem männlichen Autor zuordnen konnte. Die Handlung ist stets kurzweilig und baut gut aufeinander auf, erscheint jedoch oftmals nicht stringent. Zwar haben wir es hier irgendwie mit einem Kriminalfall zu tun, tatsächlich läuft das Buch aber nur unter „Historischer Roman“ und das trifft es wohl auch besser, denn der Kriminalfall wirkte zumindest auf das Erdwesen in Teilen sehr konstruiert, zwar absolut nachvollziehbar aber die Intention der handelnden Personen bleibt in Bezug auf die erzählte Geschichte zu oft schleierhaft.

Nichts desto trotz ist es eine gute und äußerst kurzweilige Geschichte, die jedoch in Teilen aussieht wie die Gegenwart (Deutschlamd als Drehscheibe des international Menschenhandels zum Zwecke der Prostitution) und ein andermal abdriftet in eine Art Märchenwelt mit einer polnischen Prinzessin, die hier eher weniger gut bekannt ist, aber dennoch eine historische Persönlichkeit von besonderem Rang darstellt. Da es müßig wäre, die fadenscheinige Story nachzuerzählen, beschränkt sich das Erdwesen auf das, was wirklich gelungen ist und was dieses Buch ausmacht, denn auch hier wird die Welt nicht aus dem Blick der Reichen und Schönen gezeigt, sondern aus dem Blickwinkel der Benachteiligten und Armen, die in diesem Falle aber für Erdwesens Geschmack doch auf etwas zu einfache Art und Weise letzlich zu einem sehr guten Auskommen gelangen und in einem „alles-ist-gut-Ende“ landen.

Gut dargestellt wird beispielsweise die gesellschaftliche Stellung der Familie des Scharfrichters (hört, hört: es gab im Mittelalter „Schandfarben“) und des Bruders der Hauptdarstellerin, der als Narr durch die Lande zieht und sein Geld verdient. Nie zuvor hat sich das Erdwesen Gedanken gemacht, wie das alltägliche Leben ausgerechnet eines Narren ausgesehen haben könnte. Auch dem Spökenkieken und gesellschaftlichen Leben wird angemessen Tribut gezollt.

Alles in allem wirkt das Buch in seiner Gesamtheit jedoch nicht sehr glaubhaft, obwohl das Buch perfekt recherchiert ist und zumindest in dieser Hinsicht dem Buch von Derek Meister in Nichts nachsteht. Teilweise befinden wir uns hier sogar an den gleichen Lübecker Schauplätzen. Während es Meister jedoch schafft, eine stimmige Atmosphäre über sein gesamtes Buch zu legen, so fallen hier immer wieder Episoden aus dem Rahmen und dessen, was angemessen ist. Weshalb wird die Hauptdarstellerin beispielsweise im Kerker vergewaltigt, obwohl weder der Vergewaltiger noch die Tatsache an sich im weiteren Buch aufgegriffen wird. Also ist es alles in allem eine vollständig überflüssige Darstellung, die (wie so oft bei mittelalterlichen Vergewaltigungen) nichts zur eigentlichen Geschichte beiträgt.

Es ist schade, denn sämtliche Charaktere werden tadellos ins Szene gesetzt. Die Atmosphäre wird immer wieder erneut anschaulich gestaltet. Aber bei Dialogen fängt es leider schon an. Einige, wenngleich wenige Dinge passen nicht. Man kann sich nicht erklären, warum das nun so und nicht anders gesagt wird. Vielleicht hätte man bestimmte Kleinigkeiten auch einfach ganz weglassen können. Dabei wird das Buch keinesfalls langatmig. Es ist eher so, dass das Autorenduo etwas zu viel zu erreichen hofft (?) und dabei die Abfolge der Ereignisse und die Schlussfolgerungen, die eigentlich der Leser ziehen können sollte, zu sehr ins Hintertreffen geraten. Fast wirkt es so, als seien Episoden wirlich sehr ausgefeilt und perfekt zu Ende geschrieben worden, um dann arglos aneinander gereiht zu werden. Dadurch kommt es zu atmospährischen Brüchen und die Gesamtdarstellung leidet. Beim Lesen bemerkt man das daran, dass man das Buch beliebig oft weglegen und wieder einsteigen kann.

Es ist keinsfalls ein nicht-lesenswertes Buch, aber dem Autorenduo mangelt es offenkundig an Erfahrung, einzelne Inhalte besser mit einander in Einklang zu bringen und zu straffen, d. h. in diesem Falle, weniger auszuformulieren und es mehr dem Lesenden zu überlassen, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Bleibt die abschließende Frage, warum das Buch nun ausgerechnet den Titel „Die Golspinnerin“ bekam, denn dieser Spinnerei wird im Buch keine besondere Bedeutung beigemessen. Es bleibt dabei, dass es sich bei Christin, der Hauptperson um eine talentierte Goldspinnerin handelt, deren Fokus jedoch auf Heilung liegt. Sie übt den Beruf der Goldspinnerin im gesamten Werkt nicht weiter aus, da sie auf der Flucht vor ihren Häschern ist, weil sie zum Tode verurteilt wurde, da sie ihren Mann umgebracht haben soll. Warum das mit der Goldspinnerei aber nun etwas besonderes ist, weil ja so gut wie alle Frauen damals mit Spinnen beschäftigt waren, bleibt das Geheimnis der Autoren und ist wohl eher einem guten Marketing geschuldet, denn an Berufen für Frauen hat man bei den historischen Romanen ja inzwischen so ziemlich alles durch, was man in einem erinnerbaren Titel unterbringen könnte.

Der Tiefpunkt für das Erdwesen war dann leider der letzte Abschnitt. Eigentlich eine prima Sache, aber nur wenn die Leserin das auch ad hoc versteht. Das Erdwesen stand leider komplett auf dem Schlauch und musste erstmal in sich gehen. Aber da sie mit den Schandfarben des Mittelalters eben nicht sonderlich vertraut ist, begriff sie den Schluss erst nach kurzem Nachdenken. Dabei ist es wirklich ein toller Gedanke und wirkt in diesem Falle auch keinesfalls wie sentimentales Gedöns, sondern eher wie ein gesellschaftlicher Meilenstein und aus dieser Sicht ist das Buch dann auch wieder lesenswert.

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Kammerer, Iris: Varus (2008, 451 Seiten)

Kammerer, Iris: Varus (2008, 451 Seiten)

Hier kennt sich jemand richtig gut aus mit den alten Römern und Germanen. Obwohl das Buch den großen Titel „Varus“ trägt, könnte es genauso gut einen konkreteren Titel tragen, aber nichts macht so schnell deutlich, in welcher Zeit der historische Roman angesiedelt ist. Iris Kammerer berichtet von der Schlacht im Teutoburger Wald als wäre sie selbst dabei gewesen. Der Aufbau und die Taktiken des römischen Heeres gehen ihr ebenso leicht von der Zunge wie eine vortreffliche Beschreibung der römischen Gesellschaft in Germanien. Das Buch wird durch ein umfangreiches Nachwort abgerundert, welches noch einmal belegt, wie vertraut die Autorin mit den aktuelen Forschungsergebnissen zur Vausschlacht ist. Ebenso gibt es einen historischen Ablauf, ein Personenregister und Glossar.

Das Erdwesen hat schon eine ganze Reihe von Varus-Schlachten-Büchern, die im Zuge der Entdeckung des Schlachtfeldes bei Kalkriese einhergingen, gelesen. Doch mit diesem Buch haben wir ein ganz besonderes Buch vor uns, denn es geht hier gerade nicht um die hohen Feldherren, sondern geschildert wird die Schlacht aus den Augen des verwundeten Leginärs Annius, der seine letzten Dienstjahre aufgrund einer schweren Beinverletzung als Schreiber tätig ist. Karriere gemacht hat er nicht, jedoch seinen Dienst stets mit Zuversicht und Überzeugung verrichtet ohne dabei seine eigenen Ansichten aus den Augen zu verlieren. Er dient im römischen Heer und damit der richtigen Sache, aber er fragt sich auch, ob die Sache gelegentlich noch richtig ist und wie sein Leben aussehen soll, wenn er in wenigen Jahren aus dem Heeresdienst ausscheidet und er zurückkehrt in den warmen Süden, in das Land seiner Eltern.

Iris Kammerer beschreibt das Leben im Lager eindrucksvoll und flicht dabei so viele erforschte Details ein, dass einem aufgrund ihres großen Wissenschatzes beinahe Angst und Bange werden kann. Sie schreibt flüssig und ist schnell zu lesen. Es gibt keine auffälligen Dopplungen von Informationen und so ist man als Leserin in kürzester Zeit eingebunden in das römische Lagerleben und dem dort vorherrschenden Zeitvertreib, dem Würfelspiel. Bei genau so einem Würfelspiel gewinnt Annius eine junge Germanin, die er fortan Rufilla nennt, da er ihren germanischen Namen einfach nicht aussprechen kann.

Annius ist nicht der Mann, der sich per se dem Würfelspiel oder dem Weingenuss hingibt. Er ist ein überlegter Zeitgenosse und hat vor allem durch seine Verwundung ein gänzlich eigenständiges Bild vom Grauen des Krieges, von den Schlachten und auch von den Plünderungen. Er macht seinen Job, aber er reflektiert. So erscheint es ihm Unrecht, dass die junge Germanin ihrem Stamm geraubt wurde und nun, da sie jung und gutaussehend ist, ihre Dienste für lüsterne Männer des Heeres bereitstellen soll. So setzt er im Würfeldspiel mehr ein als er sich eigentlich leisten kann, aber weit weniger als tatsächlich ein solch vortrefflich unverbrauchtes Weib kostete und hat pures Glück. Er gewinnt das Spiel und der berüchtigtes Sklavenhändler, den darauf Hohn und Spott treffen, muss ihm die junge Germanin überlassen.

So findet sich Annius von jetzt auf gleich in einer Lage wieder, in der er besser nie gekommen wäre. Was soll er nun mit einem erreteten Mädchen, welches pure Angst vor ihm hat? Hat er doch kaum die Möglichkeit, sie als Sklavin so respektvoll zu behandeln, wie er es von seinen Eltern gelernt hat. Nachdem er eine Notunterkunft für das verschreckte Mädchen gefunden hat, schweigt er fortan gegenüber allen Kollegen zu seinem Würfelgewinn. Die ziehen ihn gehörig auf, nur sein Zimmergenosse hält sich etwas zurück, bleibt aber langfristig „dran“. Doch dann gibt es den Marschbefehl und die Probleme fangen erst so richtig an, ist er doch Fusssoldat, der in seiner Einheit marschiert und über keinerlei Vergünstigungen verfügt, abgesehen davon, dass er als kampfunfähig gilt, sich nur noch mit einem Kollegen ein Zelt teilen muss und oft als Schreiber von Offizieren geordert wird, was ihm einen gewissen Überblick verschafft, über den er freilich Stillschweigen zu bewahren hat.

Annius schafft es, seine Sklavin bei der Frau eines Kollegen und deren Tochter unterzubringen, damit sie im riesigen Tross, der das Heer begleitet, nicht verloren geht und so zumindest die Nacht über bei dem Sauwetter in einem Wagen verbringen kann. Aber so einfach ist das natürlich alles nicht, denn auch die junge Germanin erkennt, dass sie hier wohl einen etwas sonderbaren Herren erwischt hat, der sie zwar als Sklavin adressiert, sie jedoch gewähren lässt und sie gut versorgt. Sie fasst vertrauen und berichtet ihm trotz allem von einem Mord, der am Ufer eines Flusses passiert ist und der – so erfasst Annius aufgrund der protokollierten Sitzungen – sehr wohl mit einer germanischen Revolte aus dem römischen Heer selbst heraus einhergehen kann.

Rund um Annius spitzt sich die Lage zu. Der Verrat des Arminius tritt für ihn immer deutlicher zu Tage, aber Annius hat keine Möglichkeit das Wissen hierüber bei den Offizieren zu platzieren. Der Offizier, der ihm Glauben schenkt, hat selbst eine schwierige Stellung im Heer, da er aus gutem Hause kommt, aber selbst keine Erfahrung im Kampf hat. Wir dürfen uns also getrost einen Sommer vorstellen wie im Jahre 2021, wo das Wasser vom Himmel fällt und es schon gegen Mittag so grau ist, als ginge die Sonne unter.

Das Heer und der Tross winden sich durch den Morast und an einer besonders schmalen Stelle beginnen die unerbittlichen und grausamen Angriffe. Annius gerät durch seine Arbeit als Legionär, Schreiber und „guter Bekannter“ des Offiziers – eine aus seiner Sicht eher zweifelhaften Vorteil, denn es gilt Hierarchien zu beachten – mitten ins Angriffsgetümmel, wo er auch noch dafür sorgen muss, dass der kampfunerfahrende Offizier nicht untergeht. Der seinerseits erkennt Annius nicht wieder und sieht gleichzeitig ein, dass er keine Ahnung vom tatsächlichen Überleben hat. Die Nachrichtenübermittlung unter den drei Legionen wird immer schwieriger. Der ganze Zug ist so unglaublich in die Länge gezogen, dass man das übliche Voranschreiten mit dem Bau von temporären Lagern kaum noch aufrecht erhalten kann, weil dafür an bestimmten Stellen aufgrund der Sümpfe und Wälder schlicht kein Platz ist.

So zerreibt sich Annius also zwischen Pflichterfüllung, Hilfesbereitschaft und innerer Entschlossenheit, den Germanen die Stirn zu bieten. Annius schafft es, den Kontakt zum Tross, in dem sich seine germanische Sklavin befindet, für lange Zeit aufrecht zu erhalten, muss dann aber miterleben, wie die römischen Legionen regelrecht niedergemetzelt werden. Auch kann keine Rücksicht mehr auf seine Behinderung genommen werden und er wird auf seinen Wunsch hin wieder in die kämpfende Truppe eingegliedert. Da er aber weiterhin auch als Schreiber angefordert wird, landet er irgendwann direkt im obersten Heerlager im Zelt von Statthalter Varus. Dieser entscheidet sich für den Selbstmord, den Annius nicht so recht billigen kann, denn Varus hat sich mit Annius Unterstützung (nur für den Fall, dass der Tod wider Erwarten nicht schnell genug einträte) mit dem von Arminus geschenkten Dolch entlaibt. So tauscht Annius Dolch gegen Schwert und begibt sich, wie von Varus vor seinem Selbstmord beauftragt, mit den Nachlass-Papieren des Varus zurück in Richtung Rhein, gleichwohl wissend, dass nicht nur das komplette Heer, sondern auch der gesamte Tross so gut wie vollständig zerrieben wurde.

Jedoch gibt es sehr wohl Überlebende des Tross, denn die zurückhaltende Frau des Kollegen, bei der er Rufilla untergebracht hatte, ist bei vielen Zivilisten als Vorbild anerkannt. Es gelingt ihr, ihre Tochter und die Germanin aus dem schlimmsten Gemetzel heraus zu lösen und Abstand von der Schlacht zu gewinnen. Die Germanin, eine Brukterin, ist nicht mehr weit entfernt von ihrem Zuhause und so gelingt es dem kleinen Häuflein Menschen, unter ihnen vor allem Prostituierte und Freigelassene, unter ihrer Führung tatsächlich ein befestigtes Lager der Römer an der Lippe zu erreichen. Die Germanin wartet dort auf Annius, denn dieser hatte ihr nicht nur versprochen, sie wieder bei ihrer Familie abzuliefern, sondern ihr auch einige Wachstafeln überreicht, die ihr gestatten – sollte ihre Familie nicht mehr leben – zu seinen Eltern nach Italien zu reisen und dort wie ein Kind des Hauses aufgenommen zu werden. Was aber soll sie in in einem fernen Land mit ihren geringen Sprachkenntnissen ohne Annius?

Zum Glück endet in diesem Buch trotz der Schlacht und der vielen Toten, alles gut für die beiden und eine lange Zeit später treffen sich in glücklicher Fügung die junge Germanin Thiudgif und der römische Legninär Annius tatsächlich in einem der befestigten römischen Lager, wo Annius endlich Kunde bringen kann, von dem ehrenvollen Selbstmord des Varus durch sein eigenes Schwert und dem gnadenlosen Untergang der drei Legionen bei der Schlacht am Teutoburger Wald.

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Wulf, Franziska: Die letzten Söhne der Freiheit (1999, 477 Seiten)

Wulf, Franziska: Die letzten Söhne der Freiheit (1999, 477 Seiten)

Der Roman spielt um 100 nach Christus im keltischen Britannien, welches durch die Römer erobert wird. Julius Agricola wird Statthalter von Britannien und damit herrscht für Caledonien eine fürchterliche Zeit, in der viele Menschen ihr Leben verlieren.

Franziska Wulfs Sprache ist im Vergleich zu beiden vorher gelesenen Büchern gerade zu einfach zu lesen und zu verstehen, denn es folgt ein kurzer Satz auf den nächsten. Dabei drückt sie sich klar und verständlich aus, was das Lesen des Buches zusätzlich ungemein beschleunigt. Vor der geneigten Leserin entsteht ein lebendiges Bild der Zeit, welches in der ersten Hälfte des Buches sehr ungewöhnlich, da zumindest dem Erdwesen unbekannt, ist. Die Römer versklaven eine Gruppe von Silurern. Dabei werden jedoch nur ein Teil der Gefangenen zu Sklaven. Diese müssen schwere körperliche Arbeit verrichten, indem Sie in den Steinbrüchen Steine für das neue, römische Eberacum mit seinen imposanten Gebäuden hauen. Dabei ist sichergestellt, dass die Sklaven sich nichts zu schulden kommen lassen, denn alle Befehle, die sie nicht befolgen, werden dazu genutzt Vorwände zu finden, sich an ihren Familien zu vergehen. Also finden sich die Silurer, ein Stamm der Kelten, weitestgehend mit der Situation ab. Sie arbeiten, um ihren Famlien zu Hause eine Exstenz frei von Furcht zu ermöglichen. Die Steuern, die die neuen Bürger Roms zu zahlen haben, sind gigantisch, aber gigantisch ist auch die Art und Weise wie aus dem wilden Keltenland die römisch zivilisierte Welt gemacht wird.

Eines Tages geschieht es, dass im starken Unwetter eine Kutsche mit der Tochter Cornelia des römischen Verwalters von Eburacum einen gefährlichen Unfall hat. Da es fast aussichtslos ist, die unbekannten römischen Insassen noch zu retten bevor die Kutsche endgültig in den Abgrund rutscht, wird einer der keltischen Sklaven abkommandiert, um die Insassen zu retten. Dabei handelt es sich um Duncan, der als Kind bereits in einem Überfall der Römer seine Mutter verloren hat, die vor seinen Augen niedergemetzelt wurde. Als Fürstensohn der Silurer ist er ein wichtige Pfand, um die Silurer in das römische Reich einzubringen. Tatsächlich gelingt es Duncan die Tochter des Verwalters zu retten und in Sicherheit zu bringen, und damit ist es dann auch schon geschehen. Zwischen den beiden ist es Liebe auf den ersten Blick, wenngleich beide wissen, dass sie aussichtslos sein wird.

Während Duncan im Kerker lebt und im Steinbruch schuftet, ersinnt Cornelia vom Sofa aus, wie sie ihn wiedersehen kann. So kommt es für die geneigte Leserin zu einem merkwürdigen Zustand der Akteure im Roman, denn es entsteht eine Liebesbeziehung zwischen Duncan und Cornelia. Wie muss man sich das Sklaventum also im keltischen Britannien vorstellen? Die Sklaven werden zwar zur Arbeit gezwungen und unter strenger Aufsicht gehalten, aber dennoch wird nicht alles bestimmt, was sie tun und lassen müssen, denn Rom will sie immer noch zu Bürgern Roms machen und manch ein Sklave, der seinem Herrn oder seiner Herrin gedient hat, kann dadurch auch die Freiheit erlangen.

Erdwesen denkt, dass die Autorin dies alles sehr gut recherchiert hat und ein durchaus echtes Bild des keltischen Roms zeichnet. Immer wieder wird deutlich, dass es kein plötzliches Annektieren von Land und Menschen ist, sondern ein Jahre andauerndernder Prozess, um die Vormachtstellung Roms zu sichern und das Reich zu vergrößern und zu sichern. Während keltische Sklaven, die sich wiedersetzen durchaus gefoltert und gequält werden, leben andere ein recht normales, friedvolles Leben unter der direkten Herrschaft ihrer z.B. Herrin wie auch Cornelia eine ist. Beschrieben wird auch, dass es immer mehr Menschen gibt, die Zweifel daran bekommen, ob die römische Zivilisation wirklich so fortschrittlich ist, als sie die Kelten und ihre Moral besser kennen lernen. Auf der anderen Seite gibt es auch genug Kelten, die die Vorteile des römischen Lebens erkennen, deshalb adaptieren und sich perfekt in das System einfügen und beispielsweise selbst zu römischen Legionären werden, um dann eine militärische Karriere zu machen.

Duncan und Cornelia stehen stellvertretend für diese vielen Menschen, die irgendwo zwischen Keltentum und Rom empfinden.

Im Verlaufe der Geschichte kommt es zu Machtspielen und Intrigen, die meisten zu Lasten des armen Fürstensohns gehen, obwohl ihm im Verlaufe der Beziehung zu Cornelia immer mehr Freiheiten gestattet werden. Er versucht seine gewonnenen Freiheiten für seine Mitgefangenen einzusetzen, während Cornelia ihren Einfluss geltend macht, um die Ungerechtigkeiten gegenüber den Kelten zu lindern, weil sie nach und nach erkennen muss, dass Römer nicht unbedingt weniger barbarisch sind als Kelten (z.B. Gladiatorenkämpfe im neu errichteten Circus). Gleichwohl begreift Duncan, wie „römisch“ er bereits durch die erteilten Freiheiten geworden ist und wie weniger „keltisch“ er sich dadurch verhält. Es ist ein Balanceakt.

Die Situation spitzt sich zu, als Duncan vergiftet werden soll – auch um Cornelia erfolgreich mit einem aufstrebenden Römer verheiraten zu können! – und stattdessen jedoch Cornelias Dienerin zu Tode kommt. Hals über Kopf, statt wie vorgesehen geplant und abgestimmt, verlässt Duncan mit einem in der Gefangenschaft kennen gelernten Freund, der Kunstschmied war, die Stadt. Dies gelingt nur, weil ein alter römischer Feldherr ihm und Cornelia zur Seite steht.

Es beginnt eine furchtbare Flucht zu Fuß durch das eisige Nordbritannien (Caledonien), die tatsächlich gelingt. Obwohl Duncan bei einem neuen Fürstenstamm aufgenommen wird, ist er jedoch einsam ohne Cornelia. Diese ist jedoch weiterhin auf der Suche nach einer verträglichen Lösung, Duncan wieder zu sehen. Abermals hilft der römische Feldherr uneigennützig dem verhinderten Liebespaar. Tatsächlich finden so Cornelia und Duncan wieder zu einander. Dabei überrascht die Autorin gelegentlich mit den überaus realistischen Zeitspannen, in denen dies alles geschieht, denn die Flucht und die Bedrohung vor einem römischen Angriff ziehen sich über Jahre. Aus Cornelia wird fast eine echte Keltin und auch die Kinder der beiden erhalten keltische Namen.

Aber auch die Kelten sind sich nicht alle Grün und es kommt zu einem schwerwiegenden Verrat von keltischer Seite, die abertausenden von Kelten und römischen Leginären das Leben kostet. Die Römer siegen in der Schlacht und haben dennoch verloren, denn der Kaiser hat endlich davon erfahren, dass Julius Agricola, Statthalter von Britannien diese kostspieligen Feldzüge in einem Land ohne Reichtum für Rom auf eigene Faust führt. Es wird die Order erlassen, sich zurück zu ziehen und das so hart umkämpfte Nordbritannien so kostengünstig wie möglich zu befrieden. Zwar wird er nicht explizit genannt, aber hierbei dürfte es sich wohl um den bekannten Hadrians Wall handeln, auf dem auch das Erdwesen schon wandelte. Caledonien uns seine Söhne (und neu gewonnen Töchter) bahalten damit endgültig seine Freiheit.

Franziska Wulfs Buch ist jetzt vielleicht nicht das beste Buch, welches jemals geschrieben wurde, aber es ist gut geschrieben und bietet einen erstaunlichen Blick auf die damalige Zeit. Die Geschichte ist hochgradig logisch aufgebaut und gut zu lesen. Dabei stehen alle Details in recht gutem Einklang. Das einzige, was komplett unrealistisch ist, ist die Tatsache, wieviel Ungemach der arme Duncan im Laufe des Romans einstecken muss. Dabei wäre ein echter Duncan lange gestorben und der geneigten Leserin wären die Grausamkeiten Roms auch klar geworden, wenn es nicht ganz so viele Peitschenhiebe gegeben hätte und einen vielleicht nicht ganz so kalten Winter. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, den das Erdwesen an diesem Buch hat. An zwei oder drei Stellen beschlich sie ferner der Eindruck, dass die Autorin zwar schreib- und geschichtentechnisch gut veranlagt ist, jedoch nicht unbedingt wirklich selbst viel praktische Erfahrungen vorweisen kann. Sonst wären einige, wenige und nicht besonders wichige Passagen nachvollziehbarer beschrieben, aber das wird wohl kaum irgenjemandem beim Lesen auffallen, denn alles in allem leben wir heute alle in einer recht „unpraktischen“ Welt, in der mehr von links nach rechts und von oben nach unten gewischt wird als in der z. B. mal ein altes Haus wieder in Schuss gebracht wird.

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Cordonnier, Marie: Die Sterne von Armor – Graciana, Das Rätsel der Perle (1999, 316 Seiten)

Cordonnier, Marie: Die Sterne von Armor – Graciana, Das Rätsel der Perle (1999, 316 Seiten)

Um beim nächsten Lesen nicht vollständig aus der Zeit zu fallen, spielte auch das nächste Buch, welches das Erdwesen dank einfach strukturierten Inhalts in kürzester Zeit konsumiert, im Jahre 1364. Damals tobte in der Bretagne ein gnadenloser Krieg.

Die Hauptdarstellerin Graciana de Cresson wuchs als Findelkind im Kloster auf. Kurz bevor das Kloster gebrandschatzt werden soll, enthüllt die Äbtissin jedoch, dass Graciana aus einer Vergewaltigung ihrer Mutter, einer damals 16 jährigen Adelsdame de Cresson stammt, die sich selbst ob der Schande einst von den Zinnen des Klosters stürzte. Die Äbtissin selbst ist damit die Großtante von Graciana, während auch der Gracianas Vater eine imposante Persönlichkeit ist. Er ist einer der führenden Kriegsherren und nennt sich selbst Herzog von Cado, Paskal Cocherel. Er ist der größte Schlächter, der auf den Schlachtfeldern der Bretagne zu finden ist und nur mit großer Mühe und zu Hilfenahme von offenbar britischen Truppen gelingt es dem Herzog von Montford, stand zu halten. Einer der ergebensten und bedeutensten Ritter des Herzogs von Montford ist der Graf von Lunaudai, Kérven de Iles.

Während also die mordende Bande an Söldnern sich dem Kloster nähert, eröffnet die Äbtissin ihrem Mündel Graciana nicht nur ihr Herkunft, sondern zerstört auch das bisher geheim gehaltene Kreuz von Ys, denn wer das Kreuz in Händen hält, der ist der rechtmäßige Herrscher der Bretagne. Das goldene Kreuz besteht aus purem Gold und hält vier große, wertvolle Schmucksteine sowie eine taubeneigroße kostbare Perle. Diese einzelne Perle gibt die Äbtissin Graciana und trägt ihr auf, so schnell wie es geht, in einem anderen Kloster Schutz zu suchen und dort die Perle als Mitgift abzugeben, damit man sie dort aufnimmt. Graciana soll so die durch den Selbstmord entstandene Schuld ihrer Mutter durch Frömmigkeit abgleichen. Die anderen vier Schmucksteine erhalten die restlichen vier Novizinnen des Klosters.

Graciana ist im ersten Moment schockiert, zumal sie auch keine realistische Chance mehr hat, den mordenden und vergewaltigenden Söldnern rechtzeitig zu entgehen. Sie war schon seit langer Zeit dagegen, nur für das Heil des Klosters zu beten und keine wie auch immer gearteten Maßnahmen zu ergreifen. Da überschlagen sich aber auch schon die Ereignisse und die Plünderung des Kloster beginnt.

In dem einzigen Tumult sieht sie, wie Mitschwestern geschändet und / oder ermordet werden. Als auch sie in direkter Gefahr ist, nutzt sie eine geringe sich bietende Chance, stürzt aber von einem hohen Felsen in einen Fluss.

Gerade in diesem Moment (…) kommt der desillusionierte edelhafte Ritter Kérven de Iles des Weges und was dann kommt, kann man sich natürlich denken! Doch so schnell geht das alles nicht. Es kommt zu einigen Verstrickungen und Verstimmungen, da Kérven de Iles einen genauso aufmüpfigen Character hat wie Graciana, weswegen die beiden sich gehörig mistrauen. Erst als zig Buchseiten später der Herzog von Montford eingreift und per Erlass bestimmt, dass sein Edelmann Kérven de Iles das Edelfräulein Graciana de Cresson zur Gemahlin zu nehmen hat – sie ist natürlich schon lange von ihm schwanger – überstürzen sich die Ereignisse nochmals und es kommt mitten in der Nacht ad hoc zur Hochzeit, was irgendwie dann auch niemanden mehr so richtig verwundert.

Und so lebten sie denn friedlich bis ans Ende ihrer Tage!

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Offenbar ist das Buch nicht das einzige aus dieser Serie, aber wie so oft bei derlei hochgeistiger Literatur, ist im Buch selbst kein Hinweis auf die fehlenden Bände hinterlassen. Lediglich der Nachspann, der einen Schwenk zur Burg Cado offeriert stellt klar, dass die Geschichte hier keinesfalls zu Ende ist, denn der selbst ernannte Herzog von Cado, Gracianas Vater bekam einst eine Prophezeiung, die besagt, dass ihn kein Mann je zu Fall bringen wird, sondern eine Frau! Gleichzeitig wurde schon vorher klar gestellt, dass er doch recht stolz auf seine einzige ihm (jetzt) bekannte Tochter ist, die ihm mehr als nur ähnlich zu sein scheint und unbeugsam ihren Weg geht.

Marie Cordonnier verfügt über das Talent, alle Charaktere glaubhaft in Szene zu setzen. Sprachlich hatte das Erdwesen nicht den Eindruck, dass es sich überhaupt um eine Übersetzung handelt. Die Hintergrundgeschichte ist interessant und spannend, während die sich entwickelnde Beziehung zwischen Graciana und Kérven zum Teil belustigend, aber nach 300 Seiten dann doch ein wenig (…) vorhersehbar und anstrengend wird.

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Meister, Derek: Rungholts Ehre (2006, 544 Seiten)

Meister, Derek: Rungholts Ehre (2006, 544 Seiten)

Als das Erdwesen wieder auf der Suche nach einem lesenswerten Buch war, fand sie „Rungholts Ehre“ in einem ihrer vollen Bücherregale. Nach den zwei letzte Machwerken, war jetzt die Reihe erfreulicherweise wieder an einem deutschsprachigen Autor, der 1973 in Hannover geboren wurde. Wer hätte je angenommen, dass es einem Hannöverschen gelingt, ein solch prächtiger Autor zu sein!

Der historische Kriminalroman erscheint brilliant recherchiert, um die Zeit um 1390 in Lübeck pefekt in Szene zu setzen. Eigentlich hatte das Erdwesen mit einer Geschichte aus dem untergegangenen Rungholt gerechnet, aber die Annahme war irrig. Lediglich die imposante Hauptfigur Rungholt stammt als damals 13 Jahre alter Überlebender aus dem untergegangenen Ort Rungholt, welches auch der Grund für seinen Namen ist und einige kauzige Angewohnheiten, die ihm während seiner „Ermittlungen“ oft genug in Bedrängnis geraten lassen. Rungholt selbst freilich versteht sich in erster Linie als ehrbarer Lübecker Kaufmann und angesehener Ratsherr, der in zweiter Ehe mit Adelheyd verheiratet ist und versucht auch seine dritte Tochter, den wahrlichen Nesthaken Mirke mit ihren 13 Jahren endlich unter die Haube zu bringen, um zugleich seinen eigenen Reichtum ein gutes Stück zu mehren. So ist dies denn auch die Art und Weise, in der er die Welt wahrnimmt. Hat jemand eine gewaltigere Diele als er? Ist ein Giebel womöglich prächtiger gestaltet? Aber Rungholt hat durchaus auch ganz eigene Ansichten. So erscheint es ihm nicht von Vorteil am besten Platz der Stadt zu siedeln, während vor allem ein gutes Essen und noch besserer Wein oder zu Not Wacholderschnaps und Bier seine Zustimmung finden.

Mirke gerät ganz nach ihrem Vater und sieht ebenfalls die Welt auf ihre Weise. Aus ihrer Sicht war es besser, als sie mit ihrem Vater allein war und er noch nicht mit Adelheyd verheiratet war, aber das Leben spielt eben wie es spielt. Auch das Temperament ihres Vaters hat sie geerbt, was Adelheyd, ihre treu sorgende Stiefmutter und Hilde die Magd schon gelegentlich an ihre Grenzen bringt und die baldige Verlobung (Toslach) um so dringlicher erscheinen lassen. Mirke hat ein Auge auf Daniel, den Kaufmannslehrling ihres Vaters geworfen, der ebenfalls durch seine Aufmüpfigkeit gegenüber dem alten Kaufmann zu bestehen weiss. Jedoch ist ein Lehrling natürlich keine gute Partie wie es der ehemalige Bürgermeister Lübecks Attendorn ist, der fett im Tuchgeschäft mit Brügge befasst ist und zudem ein ausgesprochener Kavalier mit ansehnlichem Äußeren und sehr guten Manieren, was auch Mirke durchaus zu schätzen weiss. Schließlich weiss sie sehr wohl, welche Aufgabe ihr als Kaufmannstochter ohne wenn und aber zukommt. Und ihr Vater hat es immerhin auch geschafft, ihre beiden älteren Schwestern glücklich und in sehr gute Verhältnisse zu verheiraten.

So beginnt denn eine harmlose Geschichte, in der sich zwei Teenager verbotener Weise an einer alten Mühle außerhalb der Stadtmauern treffen. Doch es kommt wie es kommen muss: Ein Toter taucht plötzlich aus dem Wasser auf und Daniel erkennt ihn sofort. Was also tun?

Derek Meister vesteht es perfekt, die städtischen Strukturen im Zeitalter der aufstrebenden Hanse mit Ständehäusern und einflussreichen Herren wie Fiskal, Ratsherren und Helfern wie den Bütteln (eine Art Polizei) zum Leben zu erwecken. Auch Bettler und das arme Volk werden eindrucksvoll präsentiert. Dabei glänzt Derek Meister mit einer perfekt angepassten Ausdrucksweise und einem großen Fachvolkabular, welche einen bis zum Ende des Buches immer mehr gefangen nehmen. Eindrucksvoll werden wir mit der Zeremonie der Heirat bekannt gemacht, während am anderen Ende der Welt ein zweites Drama seinen Lauf nimmt und ein Vater, ebenfalls Lübecker Kaufmann, verzweifelt versucht, seinem jüngsten Sohn das Leben zu retten, indem er auch die letzten seiner Waren den Räubern überlässt, nachdem bereits sein ältester Sohn auf hoher See von Ostseepiraten (Vitalienbrüdern) nicht nur ausgeraubt, sondern auch getötet wurde. Doch wie stehen der Tote in Lübeck und dieser Kaufmann miteinander in Verbindung?

Im Laufe der Suche nach dem tatsächlichen Mörder der Lübecker Wasserleiche, der durch den Rat nur allzu schnell als Daniel bestimmt wird, erlebt Rungholt allerhand und wird auch zu einer kritsichen Selbstschau gezwungen. Das erstaunliche dabei ist, dass das Buch erst auf dem letzten Drittel tatsächlich zu einem erkennbaren Kriminalroman wird. Das Buch ist Roman, Gesellschaftsanalyse, Zeitzeugenbericht, historische Darstellung Lübecks. Das alles für sich genommen macht das Buch schon sehr gut und lesenswert. Dass im Hintergrund auch noch eine fesselnde Kriminalgeschichte entsteht (und perfekt gelöst wird), erscheint da fast schon als belanglose Dreingabe, zumal es im Laufe des Lesens immer mehr über den Kaufmann Rungholt zu erfahren gibt, der in einigen Dingen zwar unkonventionell sein mag, jedoch in erster Linie das ist, was er ist: Kaufmann und Ratsherr, der volles Vertrauen hat in seine Zeit und in seine Gesellschaft.

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D.G. Compton: MERS (Nomansland) (430 Seiten, 1993)

D.G. Compton: MERS (430 Seiten, 1993). Originaltitel: Nomansland

Lange bevor die Welt von SARS, MERS und COVID erfuhr, schrieb ein Brite, der offenbar seit längerem in den Vereinigten Staaten wohnt, ein Buch von MERS. Das Male Embryo Rejection Syndrom, welches von einem Virus ausgelöst wird.

Die geneigte Leserin findet sich wieder in einer Welt, in der seit 40 Jahren ausschließlich Mädchen geboren werden. Das Thema an sich ist so interessant, dass es sich eigentlich lohnt, sich dieses Buches anzunehmen. Gleichzeitig enthält das Buch allerdings auch derart viele Absurditäten und Entgleisungen, sprachliche Fehler, deren Ursprung eventuell auch in einer stilistisch mangelhaft angepassten Übersetzung liegen könnten, dass man schon wirklich ein „dickes Fell“ beim Lesen braucht um durchzuhalten.

Beschrieben wird der Werdegang des Geschwisterpaars Harriet, eine angesehene Wissenschaftlerin und Daniel, ihrem Bruder, der eine Karriere bei der Armee anstrebt, aber in Wahrheit ein Schwerverbrecher ist. Natürlich kann man viele Ungereimtheiten als Autor einfach auf das Genre „Science Fiction“ schieben, aber nichts desto trotz muss auch ein Science Fiction Roman logisch geschrieben sein und da hapert es hier gewaltig.

Das Erdwesen ist nicht dahinter gekommen, warum so vieles nicht passt. Hinter D.G. Compton steckt ein männlicher Autor, dessen Buch von einem männlichen Übersetzer ins Deutsche übertragen wurde. Das Buch strotzt vor Gewalttätigkeiten und vor Gewalt gegenüber Frauen. Ich denke aber ehrlich gesagt nicht, dass dem Autor das beim Schreiben überhaupt aufgefallen ist. Es ist wohl einfach die Welt, in der er ohnehin lebt. Vielleicht ist es sein persönlicher Hass auf die Menschheit.

Stilistisch gliedert sich das Buch in Kapitel, die jeweils in unterschiedlichen Jahren der „40 Jahre nach dem Bevölkerungsrückgang“ spielen. Der Haupthandlungsstrang spielt im Hier und Jetzt, wobei Harriet kurz davor steht, einen Impfstoff zu entwickeln, der das ungwollte Abgehen von embrionalen Föten im Mutteleib verhindert und tatsächlich testet sie ihren Impfstoff als erstes an sich selbst, sagt dies aber niemandem. Aus der Beschreibung ihres Bruders Daniel wird man nicht so recht schlau und besonders in den Kapiteln, die zeitlich früher spielen, werden Episoden aus Harriets und Daniels Kindheit und Jugend aufgegriffen, um Daniel zu beschreiben. So laufen die Zeitstränge irgendwann beide in Richtung Hier und Heute und verflechten sich im letzten Kapitel auf gelungene Art und Weise. 40 Jahre nach dem Auftreten des Virus hat Harriet es geschafft, einen funktionierenden Impfstoff zu entwickeln. Ihr Bruder, inzwischen zu einem Frauen hassenden Massenmörder avanciert, erleidet den verdienten Tod und Harriets Familie ist dennoch gerettet. Ebenso wie die Welt, denn zeitgleich hat sich das Virus anscheinend selbst eliminiert und nach und nach kommen wieder Jungen auf die Welt.

Es ist schwer in Worte zu fassen, was alles an dem Buch nicht stimmt. Merkwürdig ist nur, dass Männer, obwohl das Verhältnis Frauen / Männer mittlerweile deutlich zu 200 Frauen auf einen Mann verändert ist, immer noch Gewalt gegenüber Frauen zeigen und sich damit sogar behaupten können. Frauen haben beispielsweise sogar Angst, auf die Straße zu gehen. Allerdings ist es schwierig „ordentliche“ Soldaten zu rekrutieren. Vor wenigen Tagen musste tatsächlich der weltweit letzte aktiv geführte Krieg in Ermangelung von Soldaten eingestellt werden. Männer sind immer noch in Machtpositionen und verteidigen diese so gut, dass Frauen immer noch benachteiligt sind. Dazu kommt ein anderer „Fehler“ im Buch, denn Frauen sprechen in der gleichen agressiven Sprache wie Männer dies tun. – Das alles zusammen ist mehr als unglaubwürdig. Ein interessantes Thema, aber wie auch immer das dem Autor gelungen ist, er hat es komplett vergeigt!

Da wird geschildert, dass jetzt sogar bei den Moslems Frauen die Arbeiten von Männern erledigen müssen und das ist aus irgendeinem Grunde schwierig und die weiblichen Ölbortrupps werden regelmäßig von männlichen Horden überfallen. Frauen werden darauf sogar per Schulung vorbereitet! Irgendwo in Indien – oder war es China? – egal, jedenfalls irgendwo am anderen unzivilisierten Ende der Welt, werden übrigens weiterhin geborene Mädchen getötet, weil man auf männliche Nachkommen abzielt – ganz im Sinne der Familienehre. Männer, die etwas auf sich halten, spenden gleich dreimal pro Woche für die öffentliche Samenbank – niemand weiss warum, denn es wurde bereits jetzt so viel Sperma eingelagert, dass es ganz sicher nicht besonders schnell knapp werden wird – zumal gleichzeitig auch noch enorme Fortschritte beim Klonen gemacht werden. Radikale Männer sind gegen das Klonen, gegen die Samenbanken – oder doch nicht – oder eben gleich gegen alle Frauen. Auf jeden Fall gibt es gegen derleit Institutionen terroristische Anschläge und Vergewaltigungen auf offener Straße gehören in bestimmten Stadtvierteiln auch zur Tagesordnung. Und dann noch der Kardinalfehler: Es ist immer von Bevölkerungsrückgang die Rede. Das entspricht allerdings kaum der wissenschaftlichen Erkenntnis. Nur wenn die Anzahl der weiblichen Individuen dezimiert wird, kommt es zu einem Bevölkerungsrückgang. Das Fehlen von männlichen Individuen hat so gut wie gar keine Auswirkungen auf eine Population. Das hat der Autor aber wohl auch übersehen.

Das Erdwesen zieht in Erwägung das Buch noch einmal auf Englisch zu lesen, um sich ein besseres Urteil bilden zu können. Nur gut, dass Impfstoffe wenn es tatsächlich darauf ankommt, heute anscheinend durchaus schneller entwickelt werden können…

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Felix Aderca: Die Unterwasserstädte (1937, 140 Seiten)

Felix Aderca: Die Unterwasserstädte (1937,140 Seiten)

Bei Adercas „Unterwasserstädte“ handelt es sich laut Einband um einen Klassiker aus dem Jahr 1932, der ursprünglich als Zeitungsserie veröffentlicht wurde. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob man es heute noch als reine Science Fiction bezeichnen würde. Dystopie trifft es wohl eher!

Die Bewohner der Erde mussten in die Meere flüchten, da die Strahlkraft der Sonne inzwischen stark nachgelassen hat und die Oberfläche der Erde mehr und mehr zufriert. Nur noch am Äquator ist ein schmaler Streifen eisfrei. Das bereits Jahrtausende währende Leben unter Wasser spiegelt sich inzwischen jedoch auch in den Menschen selbst wieder. Es gibt vier große Unterwasserstädte. Die Bewohner drei dieser Städte sind kalkweiss, besitzen keine Augenlider mehr und in der Regel auch keine Behaarung. Die Menschen in der dritten Stadt gleichen noch weitestgehend unseren heutigen Erdenmenschen. Es scheint sich um Schwarze zu handeln, die schwere körperliche Arbeit leisten müssen, um der Menschheit die Rohstoffe zu liefern, die sie für ihre Existenz benötigt. Dies sind auch die einzigen Menschen, die Probleme haben, sich nur von Duftessenzen zu ernähren.

Durch die alles andere als optimalen Lebensbedingungen hat sich auch die übrige Physiognomie verändert. Die Menschen erreichen maximal noch das 40. Lebensjahr, Tendenz schwindend. Es kommt zu immer mehr extremen Frühgeburten, die Frauen sind aber auch weit früher geschlechtsreif. Die Extremitäten der Menschen sind in der Regel verkürzt und die Körper sind eher tropfenförmig und kurz. Auch die körperliche Leistungsfähigkeit hat stark abgenommen. Es handelt sich um eine unaufgeregte Gesellschaft, bei der klar geregelt und akzeptiert ist, was jeder zu tun und zu lassen hat. Musik und Theater genießen ein hohes Ansehen und werden täglich genutzt. Berichtet wird ferner, das die Menschen in Schichten von 5 Stunden arbeiten und die Todesraten pro Schicht bei ca. 10% liegt. Dabei bleibt offen, ob die Chance genutzt wird, selbst aus dem Leben zu scheiden oder ob ein normales Ableben eintritt, denn die vorherrschende Dunkelheit setzt vielen zu.

Da die gesamte Situation quasi von Tag zu Tag im Hinblick das Fortbestehen der Menschheit schlechter wird, der amtierende Präsident auch noch stirbt und das Bestimmen seiner Nachfolge aufgrund der akuten Probleme ins Stocken gerät, eskaliert die Situation. Niemand der Führunsriege ist bereit, die Verantwortung für die Menschheit zu übernehmen. Jeder widmet sich am liebsten seinen ganz privaten Aktivitäten, die durchaus auch einen hohen Nutzen für die Menschen besitzen. Einem gewissen Druck vermag jedoch niemand mehr Stand zu halten und so gibt es, als der Tod des Präsidenten verkündet wird auch sogleich den ersten Selbstmord in der Führungsriege. Dies ist in sofern ein rechtes Desaster, da die Führung in der Tat aus den besten und qualifiziertesten Experten für bestimmte Dinge (Nahrung, Bau und Instandhaltung der Städte, Abbau der Rohstoffe etc.) besteht. Jeder wird wirklich benötigt. Der Tod eines einzelnen verschiebt die Last zusätzlich auf die Verbleibenden. Dabei scheint die Bevölkerung grundsätzlich auch kein Interesse zu haben, in die Führungsetage aufzusteigen.

Das Präsidialamt wird dennoch zum Teil vererbt, denn der neue Präsident heiratet immer die Tochter des verstorbenen Präsidenten. Aber auch dies ist nicht so einfach wie es sich anhört, da die Tochter in der Regel eine Halb-Marianin ist und dementsprechend alte Gewohnheiten unserer heutigen Erdenmenschen mitbringt, zugleich jedoch ebenso „stupide“ ist, wie die restlichen Bewohner. Grundsätzlich haben wir es außerdem mit einer patriarchalen Gesellschaft zu tun, was von allen akzeptiert und für Gut befunden wird.

Während der Phase, in der der ein amtierender Präsident fehlt, spitzt sich die Lage der Menschheit zu. Einerseits strahlt die Sonne jedes Jahr ein wenig weniger, so dass kaum noch Energie aus den Wellenbewegungen der Ozeane gezogen werden kann. Dies ist generell ohnehin nur im Sommer möglich, wo die Eisschicht sich zurückzieht. Im Winter lebt die Menschheit von der in Akkumulatoren eingespeicherten Energie. Es steht in jedem Jahr immer weniger Energie zur Verüfung. Die obersten Etagen der bis zu 80 Etagen umfassenden Unterwasserstädte frieren bereits ein und sind unbewohnbar geworden. Insgesamt ist auch die Körpertemperatur der Menschen inzwischen auf ca. 25 Grad abgesunken.

Schließlich wird die Energieknappheit so groß, dass etwas getan werden muss. Grundsätzlich stehen zwei Optionen zur Verfügung. Entweder man schafft es noch rechtszeitig, den heißen Erdkern anzuboren oder aber, man schafft es, einen neuen Planeten zu finden, auf dem die Menschheit weiterleben kann. Keines der beiden Projekte wurde bisher jedoch wirklich angedacht, dafür war die Lethargie zu groß und das Leben zu beschaulich und zu akzeptiert. Fast alle sind der Ansicht, alles solle einfach so bleiben wie es schon immer war. Sie führen ein „gutes Leben“, warum also etwas ändern?

Erst als die Führungsriege in Betracht zieht, die Menschheit durch das Ersäufen einzelner Städte zu dezimieren, werden die Menschen hellhörig. Es kommt zu einer gigantischen Kraftanstrengung, die darauf abzielt, den heißen Erdkern anzuzapfen. Dabei wird klar, dass die „neuen Menschen“ keine ausreichende Hilfe sind, da ihre Körper keine schwere Arbeit – hier den Bau einer neuen Erdkern-nahen Stadt – mehr leisten können. Die Marianen erweisen sich hier als letzter Ausweg. Sie leisten die Mehrheit der Arbeit. Um die „neuen Menschen“ zu schonen, werden diese z.B. mit weniger Stunden am Bau beteiligt.

Die Option, in den Weltraum zu entfliehen, wird durch eine kleinere Intrige, die zu allererst auf einer persönlichen Animosität der Präsidententochter und ihrer besten Freundin fusst, vereitelt. Aber der geneigte Leser erkennt sehr schnell, dass der Weltraum per se keine Rettung bieten wird, denn das einzige Raumschiff ist nur für zwei Menschen überhaupt ausgelegt. Expertise ist schlicht nicht vorhanden, da diese Option stets nur als private Spinnerei eines einzelnen Führungsmitglieds der Marianen erachtet wurde, auf das zudem die Präsidententochter ein Auge geworfen hatte, da ihr Vater mit der Idee zumindest sympathisierte und auch begonnen hatte, eine neue Energiequelle hierfür zu entwickeln.

Die Lage spitzt sich weiter zu. Die Menschen sterben wie die Fliegen und um Energie zu sparen, werden zuerst zwei der drei Städte mit „neuen Menschen“ überschwemmt, nachdem deren Einwohner zuvor in die neue Stadt Formosa übergesiedelt wurden. Kurze Zeit später trifft es auch die dritte Stadt, welches die Hauptstadt ist. Sie wird jedoch nicht zerstört, sondern vom Untergrund gelöst. Folglich steigt die Stadt im Meer auf und friert im Bereich unter der breits erstarrten Oberfläche ein und ist damit ebenfalls verloren. So existieren nur noch die Stadt Mariana, in der die Erze vulkannah abgebaut werden und die neue Erdkern-nahe Stadt Formosa. Die „neuen Menschen“ sind bereits sämtlich nach Formosa umgesiedelt, die Marianen kehren weiterhin in ihre eigene Stadt nach getaner Arbeit zurück, da Formasa auch noch nicht vollständig fertig gestellt ist.

Da entschliest sich die Führungsriege zu einem drastischen Schritt. Um die „neuen Menschen“ bei begrenzten Ressourcen zu retten, verfügt man den Untergang von Mariana – sobald alle Marianer nach der Schicht wieder in ihre Stadt zurückgekehrt sind. Diese nach unserem heutigen Menschen bestehende Teil der Bevölkerung arbeitet zwar mehr, aber verbraucht auch viel mehr Nahrung und damit Energie als die übrige Bevölkerung. Formosa steht kurz vor der Vollendung. Da sind die Marianen verzichtbar und können ersäuft werden.

Endlich wachen die Marianen auf und Erheben sich zum Wiederstand. Zeitgleich ist auch ihr Führungsmitglied, welches die Weltraummission verfolgt, wieder mit im Boot und die Präsidententochter Olivia sucht den erneuten Kontakt mit ihm. Die Marianen erobern Formosa, das Führungsmitglied verabschiedet sich mit der Präsidententochter in den Weltraum.

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Das ist eine sehr krasse Geschichte! Trübsinnige Charaktere sollten die Geschichte besser gar nicht erst lesen. Das Happy Ending ist letztlich keins. Die Menschen alten Schlages ermorden die Mehrheit der Menschen neuen Schlages. Sie leben jetzt nahe dem noch heißen Erdkern. Gleichzeitig fliegen zwei Menschen in den Weltraum ohne die geringste Erfahrung damit zu haben. Beide Projekte sind über eher Kurz als Lang zum Scheitern verurteilt. Sehr krass.

Das Erdwesen fragt sich, was alles der Autor uns damit erzählen will?

Es gibt Intoleranz und diese bringt nie Gutes hervor. Es gibt technischen Fortschritt, aber allein diesem zu Folgen bringt auch nie Gutes hervor. Doch vor allem: Gutes kann nur gelingen, wenn man existierende Probleme frühzeitig analysiert und aus der Welt schafft! Sonst kann man zum Schluss nicht mehr handeln, sondern nur noch Reagieren und Reagieren allein rettet letzlich nicht die Menschheit.

Auf dem Spaceship, welches die beiden Menschen ins All befördert kennzeichnet ein großes X. Space X https://www.spacex.com/ also! – Ehrlich? Wenn man nun weiß, dass das Unternehmen von Elon Musk womöglich auf dieses Buch zurückgeht, dann wird mir so richtig schlecht. Wir dürfen annehmen, zu gegebener Zeit einfach ausgelöscht zu werden, wenn wir nicht mehr gebraucht werden und Space X endet als schlichte Verschwendung begrenzter Ressourcen. Das nenne ich mal Dystopie :-(

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Matthew Sturges: Schattenspäher (2010, 523 Seiten)

Matthew Sturges: Schattenspäher (2010, 523 Seiten)

Wie das Leben so spielt, entdeckte das Erdwesen bei der Durchsicht ihrer umfangreichen Büchersammlung ein Buch, welches „Midwinter“ zum Verwechseln ähnlich sah und so kam es, dass sie den zweiten Teil der Midwinter-Saga mit dem Titel „Schattenspäher“ doch noch las.

Sehr zu Erdwesens Verwunderung, denn das ist wirklich logisch, spielt in diesem Buch tatsächlich Silberdun die Hauptrolle. Die Geschichte in diesem Buch ist weitaus anspruchsvoller als die im ersten Band und kommt alles in allem auch noch sehr „glaubwürdig“ daher – sofern man bei Fantasy eben von Glaubwürdigkeit reden kann. Die Welten sind schlüssig gestaltet, ebenso diejenigen, die darin ihre Rollen einnehmen. Der Autor scheint sich durchaus weiterentwickelt zu haben und verzichtet nun auch auf historische amerikanische Sportwagen im Feenland.

Das größte Manko dieses Buches ist, dass sehr vieles ausführlich und wirklich „genau“ beschrieben wird. Gleichzeitig bleibt jedoch oft genug unklar, was tatsächlich passiert bzw. wer z.B. wie aussieht. Das größte Rätsel sind für Erdwesen die Bel Zheret Natter, Hund und Katze. Sind es Menschen, sind es Tiere? Sind es Menschen, die zu Tieren wurden? Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Silberdun jedenfalls wird zusammen mit Eisenfuß unter der Leitung von Paet zu einem „Schatten“, einem Elitespion, ausgebildet. Die berichteten Grausamkeiten wären ganz klar auch hier verzichtbar gewesen, ohne dass die Geschichte Schaden genommen hätte – aber der Autor ist in Texas zu Hause.

Die zwei Schatten begeben sich mit Sela, die bereits von Natur aus über große, besondere, aber gefährliche Kräfte verfügt und in einer Fae-Irrenanstalt (!) mit dem genialen Namen „Haus Katzengold“ ihr Dasein fristete, auf ihre Mission. Die Mission besteht auch dieses mal wieder darin, das Seelie-Königreich vor dem Untergang zu bewahren. Zu lüften ist das das Rätsel um die Massenvernichtungswaffe Einszorn. Näher beleuchtet wird dabei „re“, das Lebenselexier, dass jedem Fae innewohnt. „re“ kann nämlich tatsächlich kanalisiert und transportiert werden. Dies geschicht beispielsweise durch eine betende Gemeinde. Die Gemeindeglieder spenden durch das Gebet implizit „re“, um dadurch ihre Gottheiten zu ehren (und in diesem Falle überhaupt erst zu erschaffen!). Ferner verfügen ausgebildete Schatten über erstaunliche Fähigkeiten, denn sie werden beinahe unsterblich. Jedenfalls dann, wenn ihr toter Körper im Zweifelsfall zurück auf die Ausbildungs-Insel gebracht wird und er so neues Leben erhält. Wie das genau funktioniert, darüber schweigt sich der Autor allerdings aus. Das Erdwesen war jedenfalls mehr als pikiert, als nach 2/3 der Lektüre plötzlich der Hauptdarsteller stirbt!!

Matthew Sturges stellt jedem Kapitel in kursiver Schrift ein mehr oder weniger langes Zitat aus den Faelanden voran. Das Erdwesen fragt sich, ob man das Buch nicht genauso gut ohne diese zum Teil langatmigen Ausführungen mit Wissenschaftstouch hätte lesen und verstehen können. Des weiteren kommt besonders zum Ende hin ein Stilmittel hinzu: Sobald einer der Akteure, Silberdun oder Sela, auf verlorenem Posten stehen, verändert sich die Zeit ins Präsenz und es wird eine Begebenheit aus der Vergangenheit erzählt, die in einem gewissen Zusammenhang mit dem Hier und Jetzt steht.

Leider ist das ganze auch dieses Mal nicht wirklich gut gelungen. Es ist eine gute Geschichte. Auch die Charaktere sind interessant, wenngleich gelegentlich zu oberflächlich betrachtet, aber dieses Springen von der Haupterzählung zu den alten Begebenheiten, erzählt im Präsenz?

Das eigentliche Ziel war es wohl, die menschliche Entwicklung von Silberdun eindrucksvoll darzustellen, aber dies ist leider nicht gelungen. Dafür wird zu viel auf Dinge eingegangen, die nichts mit ihm direkt zu tun haben und dafür wird es zum Schluss als Begebenheiten mit seiner Mutter geschildert werden, komplett unglaubwürdig, was sich in seinem Leben vorm Gefängnis abgespielt hat. Dazu kommt die vollständig unpassende zeitliche Komponente, denn in einem Nebensatz wird klar, dass er kaum überhaupt Zeit im Gefängnis verbracht hat, er nicht einmal ein Jahr im Kloster war, obwohl dies besonders am Anfang der Geschichte sehr oft betont wird und er überhaupt kaum irgendeine Lebenserfahrung mitbringt.

Ganz zum Schluss rettet Mauritane, der immer noch als Heerführer im Auftrag der Krone tätig ist, die Situation und auch für Silberdun entwickelt sich ein Happy-End. Und so leben sie noch heute, irgendwo glücklich und zufrieden, aber ohne den Titel und Vergünstigungen eines Lords im Königreich der Seelie.

Nunja. Zum Glück scheint es bis heute keinen dritten Teil zu geben, aber vermutlich hat der Autor beim Schreiben jede Menge gelernt :-)

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Fast amtlich (Impfungen und Dachlatten)

Das Erdwesen hatte schon darauf „gewartet“. Herr Lauterbach geht also schon offiziell davon aus, dass alle 6 Monate die Impfung aufgefrischt werden muss.

Es ist schon erstaunlich, dass ein Politiker diese Dinge genauer weiss als Mediziner. Ferner führte er aus, dass damit die Auffrischungen ab Herbst in Angriff genommen werden müssen. Das sind Aussichten! Ob bis dahin überhaupt schon alle ihre erste Imfpung haben? Wird das Erdwesen dann tatsächlich dazu gehören?

Das Impfzentrum der Region Hannover soll bereits Ende September geschlossen werden. Derweil wurden dort die Erstimpfungen bis Anfang Juni komplett ausgesetzt, weil nun erst die Zweitimpfungen erfolgen müssen, da wieder einmal Impfstoff fehlt.

Merkwürdigerweise hat vor einiger Zeit auch die permanente Impfwerbung unserer Regierung aufgehört. Vielleicht weil man nicht möchte, dass alle merken, dass sie auch das bis zur Wahl nicht auf die Reihe bekommen werden.

Dafür werden inzwischen Dachlatten knapp, weil 40% des deutschen Holzes zu Höchstpreisen nach Amerika exportiert werden. Das ist viel schlimmer als eine verspätete Impfung. Aber warum sollte es Deutschland anders ergehen, als denjenigen Staaten, die wir seit der Kolonialzeit ausbeuten, weil wir womöglich ihr Kobalt oder andere Rohstoffe benötigen, um unsere angeblich klimarettenden Elektroautos zu bauen. Dafür können sich wieder andere dann unseres Plastiks annehmen, das wir ihnen zum Verbrennen auf illegalen Kippen zukommen lassen, damit dadurch nicht wir selbst das CO2 in die Luft blasen.

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